Vorlesung 3 Heterogenität in Bezug auf den Unterricht im Fach Englisch (Gastvortrag)

Fokussierung des Vorlesungsthemas

In Bezug zum Englischunterricht in den Bremer Schulen führte Frau Dr. Sabine Doff im Rahmen der Ringvorlesung zur Heterogenität am 18.04.2017 insbesondere zwei Heterogenitätskategorien an. Die Leistungsheterogenität, sowie die sprachliche Heterogenität. Aus Zeitgründen wurde auf die von ihr erwähnte dritte Dimension der kulturellen Heterogenität nicht weiter eingegangen. Trotz der insgesamt feststellbaren Leistungszunahme in den letzten Jahren, gibt es unter den Wissenständen der einzelnen SuS große Unterschiede. Nicht zuletzt die Auflösung des dreigliedrigen Schulsystems, welches die Schaffung von Oberschulen initiierte, hat einen großen Einfluss darauf. Der äußeren Differenzierung wurde dadurch weitestgehend vorgebeugt, was jedoch eine innere Differenzierung innerhalb der Klassen erfordert. Dieses geschehe laut Frau Dr. Doff im Englischunterricht durch das Einrichten von sogenannten Lernbüros, die den SuS ein individuelles Wählen der Aufgaben und Schwierigkeitsgrade ermögliche. Dieses kommt einen inklusiven Unterrichtsverständnis sehr nahe. Es lassen sich jedoch auch negative Aspekte, wie der fehlende Vergleich der SuS mit anderen, leistungsstärkeren, erkennen. Inbesondere im Bezug auf die sprachliche Heterogenität fehlt es SuS bis 12 Jahren (in ihrer „kritischen Phase“ des Spracherwerbs) an Vorbildern, die sich auf der nächst größeren Entwicklungsstufe befinden. Differenzierung im Allgemeinen findet laut Frau Dr. Doff in unterschiedlicher Art und Weise statt: Durch die Methodenvielfalt, die unterschiedlichen Möglichkeiten Sozialformen ein- und umzusetzen, sowie durch die Differenzierung der Lehr- Lernmaterials. Im Bezug zum Unterricht im Fach Englisch bietet sich an möglichst durchgängig auf englisch den Unterricht zu gestalten und die Kommunikation unter den SuS zu fördern. Dieses schafft ein Gefühl der Gemeinsamkeit in der Lerngruppe und eignet sich für ein Auflösen von Barrieren, Konflikten und Vorurteilen. Im Sinne der Inklusion halte ich diesen Vorschlag noch diskutierbar, jedoch im Ansatz erscheint er sinnig.

Anwendung und theoriegeleitete Reflexion bisheriger Praxiserfahrungen, inklusive Perspektivwechsel von Lernenden zu Lehrenden

Insbesondere in meiner Zeit an einer anderen Universität in Modulen des Faches Anglistik habe ich Erfahrungen bezüglich sprachlicher Heterogentität sammeln können. Vorangegangene Auslandsaufenthalte von gefühlt 90 Prozent der anderen Studierenden haben es mir sehr schwer gemacht den Vorlesungen und Seminaren der Dozent*Innen zu folgen. Es wurde keinerlei Rücksicht genommen darauf, dass einige Studierende direkt aus dem Gymnasium nach dem Abi in den Studiengang eingetreten sind. Zwar war es ein Vorteil das Englische von anderen Mitstudierenden zu hören, jedoch waren die an mich gestellten Aufgaben nicht zu meistern. Ich entschied mich somit das Studium im Fach Anglistik zu beenden. Seitens der Lehrenden hätte ich mir mehr innere Differenzierung und alternative Lösungswege für bestimmte Aufgaben gewünscht.

In meiner eigenen Schulzeit habe ich kaum Wege der inneren Differenzierung als Schülerin kennengelernt. Meistens war der Lehr- Lernweg vorgegeben, die Aufgaben für alle SuS gestellt und die Methodik kaum für Öffnung geeignet. Da ich in Niedersachsen lebe und zur Schule gegangen bin, gibt es zu sagen, dass es bei uns auf dem Dorf noch keine Oberschulen in der Form gibt. Die SuS werden seperat an der Realschule oder Hauptschule unterrichtet. Es gibt Noten und Hausaufgaben. Dieses sind Aspekte, die ich in meinen hospitierten Praktikumsschulen anders erlebt habe.

 Anwendung und theoriegeleitete Reflexion zukünftiger Praxiserfahrungen

Mögliche Unterrichtsbeobachtung könnte sein, welche Methoden und Herangehensweisen (wie die Wahl der Sozialform) das Lernen beeinflussen und Auswirkungen auf die Leistungen der SuS haben. Zudem könnte geprüft werden, ob ein durchgängiges Sprechen der englischen Sprache während des Unterrichts zur Leistungssteigerung der SuS beiträgt. Dabei wäre es interessant zu sehen, ob wirklich alle SuS einen Vorteil daraus ziehen, oder ob nur bereits schon leistungsstarke SuS einen Vorteil daraus ziehen können. Ein mir persönlich sehr wichtiger Punkt wäre noch das „Vokabellernen“ hinsichtlich seiner Effizienz hin zu testen. Es wäre interessant zu sehen, ob differenzierte Lehrpläne andere Vorgehensweisen anbieten und methodische Vielfalt als Unterstützung positiven Einfluss nehmen könnten.

Vorlesungssitzung Nummer 1- Das Spannungsfeld Heterogenität und Homogenität

1./4.) Fokussierung des Vorlesungsthemas und theoriegeleitete Reflexion

Wie bereits in der Vorlesung durch Wortbeiträge auf Nachfrage festgestellt wurde, gibt es bereits unter den Studierenden unterschiedliche Heterogenitätsdimensionen. Bezogen auf die Institution Schule, lässt sich ein ähnliches Bild erkennen. Unterschiede in der Leistung, dem Geschlecht, den physischen und psychischen Voraussetzungen, sowie in der Herkunft, machen eine Schule somit zu einem heterogen geprägten Begegnungsort. Die benannte Heterogenität bedeutet für uns, als angehende Lehrkräfte, dass damit verbundene Unterschiedlichkeiten als selbstverständlich angesehen und als Ressource genutzt werden sollten. Homogenität als Zielstellung für eine „gut“ funktionierende Klassengemeinschaft sollte und muss somit aus dem Fokus genommen werden. Insbesondere im Hinblick auf die Inklusion, die die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen an allen Prozessen des gesellschaftlichen Lebens voraussetzt, muss das Thema Heterogenität genauer ins Blickfeld genommen werden. Wie bereits Dieter Katzenbach (Leiter des Institutes „Inklusive Pädagogik und Didaktik bei kognitiven Beeinträchtigungen“ der Goethe Universität in Frankfurt) im Jahr 2015 thematisierte, stellt sich im Hinblick auf die heterogene Schülerschaft die Frage, ob das Zuweisen von Kategorien, wie „Migrant, Nicht- Migrant oder Förderbedarf- kein Förderbedarf“ nicht zu einer Ausgrenzung führen könnte. Indem man eine Schülerschaft als heterogen bezeichnet, denkt man bereits in Kategorien, zu denen man die Schüler zuordnet. Eine homogene Schülerschaft (trotz all der Unterschiede und Gemeinsamkeiten) als solche anzusehen, wäre mein Optimaldenken in Bezug auf das Spannungsfeld Heterogenität- Homogenität. Im Hinblick auf die Übertragung der theoretischen Grundsätze auf die Praxis stellt sich nun die Frage, ob zum Beispiel das Zuordnen eines Förderbedarfes überhaupt notwendig wäre oder ob der Begriff „Förderbedarf oder Integrationskind“ in der Gesellschaft so vorurteilig verankert ist, dass sich Probleme im Denken der Menschen ergeben.

2) Anwendung und theoriegeleitete Reflexion bisheriger Praxiserfahrungen

Insbesondere in meinem POE im Fach inklusive Pädagogik, ließen sich unterschiedliche Erfahrungen im Hinblick auf Heterogenität- Homogenität machen. Die von mir hospitierte erste Klasse kennzeichnete sich, wie jede andere Klasse, durch unterschiedliche Heterogenitätsdimensionen. Auffallend war vor allem, dass bestimmte Heterogenitätsdimensionen, wie ein zugeordneter Förderbedarf für mich zunächst kaum ersichtlich waren und ich die Klasse im Hinblick darauf somit als homogene Schülerschaft wahrnehmen konnte. Oftmals kam mir der Gedanke, dass ein Zuschreiben und Benennen von Heterogenitätsdimensionen häufig von außenstehenden Instanzen vorgenommen wird , jedoch in der Praxis  nur in bestimmten Situationen Beachtung findet. Dieses ist insbesondere im Bezug auf die Förderung einzelner SUS zu erkennen (nach Leistungsstand, Interesse etc.).

3) Anwendung und theoriegeleitete Reflexion zukünftiger Praxiserfahrungen

–> Inwiefern beeinflusst der diagnostizierte Förderbedarf den Umgang der SUS untereinander?

–> Inwiefern beeinflusst das Geschlecht das Interesse und die Fähigkeiten bezogen auf unterschiedliche Unterrichtsfächer?

–> Inwiefern können Lehrkräfte die Heterogenität der Klasse nutzen, um den Unterricht positiv zu beeinflussen und zu prägen?