{"id":13,"date":"2014-06-20T00:51:47","date_gmt":"2014-06-19T22:51:47","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.uni-bremen.de\/andersgleich\/?p=13"},"modified":"2014-06-20T00:56:36","modified_gmt":"2014-06-19T22:56:36","slug":"er-liest-sie-liest-wir-lesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/andersgleich\/2014\/06\/20\/er-liest-sie-liest-wir-lesen\/","title":{"rendered":"Er liest. Sie liest. Wir lesen."},"content":{"rendered":"<p>Studien zur Lesekompetenz von Sch\u00fclerInnen behaupten, das Geschlecht sei f\u00fcr die F\u00e4higkeit des Lesen entscheidender als etwa der kulturelle Hintergrund und somit die Muttersprache.<\/p>\n<p>Dass Jungen seltener und unmotivierter lesen als ihre weiblichen Klassenkameradinnen, kann zum einen in der Themensetzung von Kinder- und Jugendliteratur begr\u00fcndet sein, die h\u00e4ufig gerade M\u00e4dchen anspricht. Zum anderen tr\u00e4gt sicherlich auch das von der Gesellschaft konstruierte Bild harter M\u00e4nnlichkeit dazu bei, dass sich Jungen nicht derartig \u201eweicher\u201c Materie wie dem Lesen von B\u00fcchern widmen wollen.<\/p>\n<p>An dieser Stelle Aufgaben zu untersuchen, die sich in ihrer Themensetzung besonders auf Jungen oder besonders auf M\u00e4dchen konzentrieren, finde ich nicht sinnvoll. Denn ein derartiges Vorgehen w\u00fcrde voraussetzen, eben jene Stereotype der M\u00e4nnlichkeit oder Weiblichkeit anzuwenden und ironischerweise zu reproduzieren. Eine Aufgabenstellung, in der sich \u2013 etwa im Fremdsprachenunterricht \u2013 zwei M\u00e4dchen im Einkaufscenter \u00fcber Kleidungsst\u00fccke unterhalten, kann man kritisieren, sie richte sich explizit an M\u00e4dchen und verhindere, dass sich Jungen angesprochen f\u00fchlen. Das halte ich f\u00fcr \u00fcbervorsichtig und kontraproduktiv, weil der Kritik eben jenes gesellschaftlich konstruiertes Bild des shoppingbegeisterten M\u00e4dchens zugrunde liegt.<\/p>\n<p>Viel wichtiger finde ich es, der Frage nachzugehen, wie sich Lesen als geschlechtsneutrale Freizeitaktivit\u00e4t behaupten kann. Wie kann ein Junge gern zum Buch greifen, ohne von seinen Freunden, ja manchmal gar von seinen famili\u00e4ren Bezugspersonen ausgelacht zu werden? Wie darf sich ein Mann f\u00fcr Romane, f\u00fcr Theater, f\u00fcr Kunst begeistern, ohne von seinen Mitmenschen den Stempel der Weiblichkeit aufgedr\u00fcckt zu bekommen? Hierf\u00fcr ist zweifellos ein Umdenken in der Gesellschaft notwendig, welches den sogenannten \u201eweichen\u201c T\u00e4tigkeiten der Geisteswissenschaften und des sozialen Sektors mehr W\u00fcrdigung entgegenbringt. Im Klassenzimmer kann man damit anfangen. So kann beispielsweise in j\u00fcngeren Klassen ein Buch auf die Art gemeinsam gelesen werden, dass jedes Kind das Buch einmal mit nachhause nehmen darf, ein Kapitel liest und den anderen am n\u00e4chsten Tag davon berichtet und die Lieblingsstelle f\u00fcr alle vorliest. Derart k\u00f6nnen die Sch\u00fclerInnen dieses Buch zum gemeinsamen Gespr\u00e4ch auf dem Schulhof machen, aus dem niemand ausgeschlossen wird, da alle das Buch kennen. In \u00e4lteren Klassen kann ich mir vorstellen, nach demselben Prinzip eines gemeinsam zu lesenden Buches stellenweise andere Medien einzubeziehen. So existieren zu einer Vielzahl von Werken des Literaturkanons H\u00f6rb\u00fccher oder H\u00f6rspiele, die wom\u00f6glich eher computerversierte Sch\u00fclerInnen ansprechen k\u00f6nnten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Studien zur Lesekompetenz von Sch\u00fclerInnen behaupten, das Geschlecht sei f\u00fcr die F\u00e4higkeit des Lesen entscheidender als etwa der kulturelle Hintergrund und somit die Muttersprache. Dass Jungen seltener und unmotivierter lesen als ihre weiblichen Klassenkameradinnen, kann zum einen in der Themensetzung von Kinder- und Jugendliteratur begr\u00fcndet sein, die h\u00e4ufig gerade M\u00e4dchen anspricht. 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