{"id":5,"date":"2023-05-19T12:34:36","date_gmt":"2023-05-19T10:34:36","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/aliogluy2023\/?p=5"},"modified":"2023-05-19T12:34:36","modified_gmt":"2023-05-19T10:34:36","slug":"englischunterricht-zwischen-selektion-und-inklusion-rv06","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/aliogluy2023\/2023\/05\/19\/englischunterricht-zwischen-selektion-und-inklusion-rv06\/","title":{"rendered":"Englischunterricht zwischen Selektion und Inklusion: RV06"},"content":{"rendered":"<p><strong>1\u00a0<\/strong>Mein Englischunterricht begann in der 3. Klasse. Dort war es erstmal wichtig einen \u201eersten Kontakt\u201c mit der neuen Fremdsprache zu erm\u00f6glichen. Dies wurde mit kurzen Geschichten oder Gedichten aber auch oft mit Liedern und sogar Spielen erm\u00f6glicht. Diese beinhalteten nat\u00fcrlich allesamt simplere Vokabeln die parallel gelernt wurden. Somit wurden erstmal haupts\u00e4chlich funktionale Aspekte der Sprache so beigebracht, damit die Kinder Spa\u00df an der neuen Sprache finden. Anfang der Sekundarstufe 1 wurden vermehrt Vokabeltests zu den jeweiligen Unterrichtsinhalten geschrieben. Nebenbei wurde den Sch\u00fclerInnen der grammatisch korrekte Gebrauch der Sprache gelehrt. Zum Ende der Sekundarstufe 1 (sprich 9. Klasse) war der formal korrekte Gebrauch der Sprache st\u00e4rker gewichtet als in den Jahren davor. Zwar wurden auch immer noch funktionale Skills gelehrt (Listening comprehension, Gespr\u00e4che unter Mitsch\u00fclern, freies Schreiben) jedoch lagen die Hauptaugenmerkmale auf formalen Aspekten. In Sekundarstufe 2 wurden die Formalit\u00e4ten der Englischen Sprache nun vorausgesetzt und somit kaum noch gelehrt. Der Unterricht bestand, wenn auch um einiges komplexer, fast ausschlie\u00dflich wieder aus funktionalen Lerninhalten \u00e4hnlich wie in der Prim\u00e4rstufe<\/p>\n<p><strong>2.1<\/strong>\u00a0In meiner Schulzeit mussten \u201egute Fremdsprachenlerner\u201c zuallererst das Interesse an der jeweiligen Sprache mitbringen. Sch\u00fclerInnen ohne Interesse beteiligten sich in der Regeln weniger m\u00fcndlich am Unterricht und ihnen fehlte somit eine verbale Praxis die f\u00fcr das Erlernen neuer Sprachen unerl\u00e4sslich ist. Das Selbe trifft nat\u00fcrlich auch auf introvertierte Sch\u00fclerInnen zu, die durch ihre Charaktereigenschaft auch weniger englische Wortmeldungen oder auch, im Zuge des Unterrichts, weniger englische Diskussionen mit Mittsch\u00fclern f\u00fchren. Gerade in der Sekundarstufe 1, in der viel Formalit\u00e4t gelehrt wird, ist es ebenso wichtig, ein gewisses Durchhalteverm\u00f6gen zu besitzen um das Interesse an der Sprache nicht zu verlieren. Neben Motivation und einer gewissen Kommunikationsaffinit\u00e4t\u00a0 als wichtigem Werkzeug f\u00fcr das Sprachenlernen ist es ein Vorteil, sich au\u00dferschulisch mit der Sprache auseinanderzusetzen, sogar keine andere M\u00f6glichkeit zu haben als die Sprache zu einem gewissen Ma\u00dfe zu beherrschen. So k\u00f6nnen zum Beispiel englische Serien, Filme, Podcasts, etc. von den LernerInnen nur verstanden werden wenn die englische Sprache verstanden wird. Dem Lernenden wird so eine \u201eAufgabe\u201c gestellt zu dessen L\u00f6sung die Auseinandersetzung mit der Fremdsprache gefordert ist. Diese Anwendung der Sprache mit der Funktion ein Problem zu l\u00f6sen, z\u00e4hlt als wichtigster Aspekt des Sprachenlernens (vgl. Bach 2009 S.8)<\/p>\n<p><strong>2.2\u00a0<\/strong>Nachdem der Unterricht der Sekundarstufe 1 uns auf die Oberstufenthemen vorbereiten sollte und lediglich Themen behandelten die als Mittel zum Erlernen des Sprachgebrauchs dienten, behandelten wir in der Sekundarstufe 2 Themen die tagesaktuell waren. Im Englischunterricht herrschte eine Diskussionskultur, welche nicht nur den Zweck hatte die Sprache zu erlernen also nicht mehr nur \u201eMittel zum Zweck\u201c war. Es wurden Themen aus der englischen Welt (Gro\u00dfbritannien, Kanada, etc.) bearbeitet welche den Sch\u00fclerInnen einen gewissen Einblick und bei Manchen sogar Interesse weckten. Somit wird eine \u201eBr\u00fccke\u201c zwischen unserer und der englischsprachigen Kultur gespannt welche als Einstieg in interkulturelle Kommunikation dienen kann. Eine Reise in eine englischsprachiges Land (in meinem Falle Schottland) war der H\u00f6hepunkt des Englischunterrichts der Oberstufe und stellte auch die praktischen Kenntnisse auf die Probe. Der Unterricht bis zur Sekundarstufe 2 bildet also eine Kommunikationsgrundlage die dann in der Oberstufe getestet und nochmal aufgebessert wird. Wenn die Sch\u00fclerInnen mit der Schulbildung fertig sind sollten sie im besten Fall vorbereitet auf einen interkulturellen sprachlichen Austausch sein. Dar\u00fcber hinaus schreibt der Bildungsplan Englisch f\u00fcr das Land Bremen vor, dass der Englischunterricht idealerweise Vorurteilsfreies und Klischeefreies denken f\u00f6rdert. Au\u00dferdem eine respektvolle aber kritische Auseinandersetzung mit fremden Kulturen erm\u00f6glicht (vgl. Senatorin f\u00fcr Bildung und Wissenschaft 2010 S. 7). Meiner Einsch\u00e4tzung nach ist dies nach der Oberstufe m\u00f6glich da der Fokus auf Themen der englischsprachigen Welt liegt und eine gewisse N\u00e4he und Empathie f\u00fcr die Kulturen bildet. Jedoch besteht eine gro\u00dfe Gefahr darin, dass der funktionell gepr\u00e4gte Mittelstufenunterricht eine Abneigung zum Fach Englisch und den damit eingehenden englischsprachigen Kulturen ausl\u00f6st und Sch\u00fclerInnen nicht bereit sind sich in der Oberstufe ausgiebig mit einem Thema zu besch\u00e4ftigen. Au\u00dferdem muss der Oberstufenunterricht aktuelle und authentische Themen bearbeiten. In meinem Abi Thema, Kanada, haben wir st\u00e4tig tagesaktuelle Themen durch Dokumentationen und Zeitungsartikeln bearbeitet. Wenn das bereitgestellte Material nicht authentisch gewesen w\u00e4re sondern bewusst f\u00fcr Schulen entwickelt worden w\u00e4re, kann der Fokus der Sch\u00fclerInnen auf dem L\u00f6sen einer Schulaufgabe liegen, anstatt auf dem Auseinandersetzen mit einem aktuellen Thema und einer damit verbundenen Kultur.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Literatur: Bach, Gerhard \/ Timm, Johannes-Peter; 2009; Englischunterricht, Grundlagen und Methoden einer handlungsorientierten Unterrichtspraxis; A. Francke Verlag T\u00fcbingen und Basel<\/p>\n<p>Senatorin f\u00fcr Bildung und Wissenschaft; 2010; Englisch. Bildungsplan f\u00fcr die Oberstufe; https:\/\/www.lis.bremen.de\/sixcms\/media.php\/13\/2010_BP_O_Eng%20Erlassversion.pdf<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1\u00a0Mein Englischunterricht begann in der 3. Klasse. Dort war es erstmal wichtig einen \u201eersten Kontakt\u201c mit der neuen Fremdsprache zu erm\u00f6glichen. 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