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RV12: Empirische Forschung zu Heterogenität im naturwissenschaftlichen Unterricht: Felder und Maßnahmen

1. In einer Konferenz in Ihrem Fachbereich in Ihrem Fach an Ihrer Schule diskutiert das Kollegium über Maßnahmen zum Umgang mit Heterogenität. Sie erinnern sich kurz an diese Vorlesung: nennen Sie zwei empirisch überprüfte Fakten zum Umgang mit Heterogenität, die der Diskussion dienen könnten!

Die Vorlesung nennt mehrere empirisch überprüfte Fakten zum Thema Umgang mit Heterogenität. Dabei sind folgende Fakten m. E. für eine Konferenz über Maßnahmen zum Umgang mit Heterogenität hilfreich:

In Gruppenarbeiten können Schüler/innen mit einem Förderbedarf von heterogenen Gruppen profitieren, da die Präsenz und Mitarbeit von leistungsstarken Mitschüler/innen eine motivierende Lernatmosphäre schaffen hilft und die lernschwächeren Schüler/innen „mitgenommen“ werden. Anders dagegen profitieren leistungsstarke Schüler/innen eher von homogenen Gruppen. Allerdings ist dieser Vorteil im Vergleich mit dem Erfolg für lernschwache Kinder in heterogenen Gruppen eher minimal. Bei der Bildung von Gruppen empfiehlt es sich daher, themenbezogen sowohl auf eine heterogene als auch auf eine homogene Gruppenbildung zu achten.

Ein weiterer empirisch überprüfter Fakt bezieht sich auf die weit verbreitete Annahme von Lerntypen. Festzustellen ist, dass die 4 bekannten Lerntypen (Vester, 1975, unterscheidet: auditiv, optisch, haptisch und theoretisch) sich in ihrer Reinform nicht nachweisen lassen. Auch lassen sich in dieser Differenzierung keine Wirkungen auf Lernerfolge nachweisen (Looß, 2001; Pashler, Daniel, Rohrer& Bjork, 2009).

Eine Differenzierung des Lernmaterials nach Lerntypen, stellt sich nach diesen Studien und Fakten als falsch dar, eine Verbesserung der Lernerfolge von Schüler/innen ist nicht zu belegen. Besser geeignet ist das Multimedia-Prinzip bei der Gestaltung des Lernmaterials. Im Ergebnis ist die Kombinierung heterogener Methoden zur Förderung von Lernprozessen am besten geeignet.

2. Erläutern Sie, welches Unterrichtsmuster Sie in Ihrer bisherigen Erfahrung selbst als das wirkungsvollste erlebt haben! Diskutieren Sie Ihre Beobachtung vor dem Hintergrund der Vorlesung!

Wenn ich an meine Erfahrungen während meiner Schulzeit zurückdenke, waren die meisten Methoden, die von Lehrer/innen angewendet wurden, demonstrativ. Von der Grundschule an habe ich auf diese Weise gelernt zu lernen.

Grundlegend basierte die Unterrichtsgestaltung – unabhängig vom Fach – zunächst auf Frontalunterricht und im Weiteren auf individueller Arbeit sowie Gruppen- und Partnerarbeit. Für mich war es insgesamt besser zu lernen, wenn demonstrative Methoden angewendet wurden. Somit war Frontalunterricht für mich persönlich am wirkungsvollsten, da das Basiswissen in den meisten Fällen von den Lehr/innen klar vermittelt wurde und die Unterrichtsziele demensprechend immer deutlich zu erkennen waren.

Dagegen waren offene Schülerexperimente, Gruppenprojekte und reine Partnerarbeiten in meiner ehemaligen Klasse m. E. nicht besonders erfolgreich, da die fehlenden Anweisungen sowie eine Begleitung der Lehrer/innen bei uns Schüler/innen schnell zu Missverständnissen und Frustrationen führten, vor allem dann, wenn Probleme auftraten.

Die meisten Lehrer/innen tendierten dazu, Frontalunterricht mit individueller sowie Gruppen- oder Partnerarbeit zu kombinieren.

Dies erfolgte in den folgenden Schritten: Zu Beginn des Unterrichts wurde das Grundwissen vermittelt. Im Anschluss daran mussten wir entweder einzeln, mit einem Partner oder in Gruppen Aufgaben über das vermittelte Wissen bearbeiten. Schließlich wurden am Ende des Unterrichts die Ergebnisse präsentiert und diskutiert, um Missverständnisse aufzuklären und entstandene Probleme zu lösen.

Beispielsweise basierte der Mathematikunterricht auf diesem typischen Ablauf. Unsere Mathematiklehrerin hatte zu Beginn des Unterrichts das neues Thema vorgestellt, sie hat dann auch einige Aufgaben mit uns gemeinsam gelöst. Anschließend mussten wir dann einige Aufgaben entweder individuell lösen und dann mit den anderen besprechen oder die Ergebnisse der individuellen Arbeit waren an die Tafel zu bringen. Am Ende des Unterrichts stand immer, dass die Lösungsvorschläge von unserer Lehrerin ausgewertet und falsche Ergebnisse korrigiert wurden.

Diese Vorgehensweise war besonders typisch an meiner Schule und auch sehr wirkungsvoll. Das Wissen wurde mit Hilfe verschiedener Methoden möglichst kognitiv vermittelt, durch die individuelle aber auch heterogene Lernatmosphäre waren alle gleichermaßen gefordert.

3. Eine Kollegin sagt: „Gesamtschulen sind ja immer mal wieder der letzte Trend, ob wir sie nun Oberschulen nennen oder Sekundarschulen, die Idee ist doch dieselbe. Alle werden gemeinsam unterrichtet, was für eine Ideologie. Dabei zeigt doch die empirische Forschung klar, dass das Gymnasium nur von den besten SuS besucht werden sollte. Die schlechten fühlen sich hier doch viel zu schnell überfordert und das frustriert sie so sehr, dass sie vollkommen abschalten.“ Was antworten Sie der Kollegin?

Die Aussage der Kollegin deutet auf ihren Mangel an Wissen über die neuen Studien der empirischen Forschung hin. Obwohl ich ihre Meinung respektiere, spiegelt dies allerdings meine eigenen Gedanken zu diesem Thema nicht wider. Denn sie scheint überzeugt zu sein, dass die Aufteilung der Schüler/innen nach Leistungsniveaus in entsprechende Schulen vorteilhafter wäre als das Unterrichten in heterogenen Klassengemeinschaften. Dabei behauptet sie, dass Gymnasien nur von den „besten“ Schüler/innen besucht werden (sollten).

Es gibt viele Möglichkeiten, auf solche Situationen und Gespräche zu reagieren. Sicher muss dabei berücksichtigt werden, dass Lehrerkolleg/innen nicht selbstverständlich den neuesten Stand wissenschaftlich-empirischer Studien kennen – auch hier scheint es einen Lernbedarf zu geben, ohne dass dieser auch als Mangel erkannt wurde. Ich meine, dass auch hier mit ähnlichen Problemen zu rechnen ist, wie bei Schülern, die einen neuen Unterrichtsstoff erarbeiten sollen.

Eine mögliche Reaktion könnte darin bestehen, die Kollegin hinsichtlich ihrer Meinung zu kritisieren und dementsprechend zu argumentieren. Eine andere Möglichkeit wäre, sie über die neuesten Studien der empirischen Forschung, die alte Unterrichtsmethoden und Behauptungen durch Nachweise widerlegen, zu informieren und zu interessieren.

Meine Argumente, welche sich auf die in der Vorlesung erwähnten Fakten stützen, sind:

Die unterschiedlichen Leistungsniveaus der Schüler/innen hängen unteranderem von vielen Faktoren ab (z.B. Bildungssprache, Gender, familiärer Hintergrund, Intelligenz usw.). Diese Unterschiede allein bestimmen jedoch nicht, was und wieviel Schüler/innen lernen können. Als Lehrer/innen liegen unsere Aufgaben in der Unterstützung der Schüler/innen in ihrem Bildungsweg. Dabei geht es nicht einfach nur um das Vermitteln von Fakten-Wissen in unserem Fachbereich, sondern auch um die Unterstützung und Förderung der Schüler/innen bei der Findung ihrer eigenen Interessen, Stärken und Schwächen.

Wenn Schüler/innen frustriert sind, weil sie das Gefühl haben, zurückzufallen, oder weil sie sich überfordert fühlen, dann ist es unsere Aufgabe als Lehrer/innen, Wege und Methoden zu finden, die den Lernprozess für sie erleichtern und ihnen Unterstützung bieten.

Es gibt nicht die „guten“ oder die „schlechten“ Schüler/innen, und die empirische Forschung sowie mehrere Studien weisen nach, dass die Aufteilung der Schüler/innen nach ihrem Leistungsniveau eher negative Effekte auf die Fachleistung hat (Hoffer 1992).

Anmerken möchte ich abschließend, dass diese Situation eine Bildungsmöglichkeit aller Beteiligten darstellt. Denn hier wäre es wichtig, die Kolleg/innen über Dinge zu informieren, die sie vielleicht nicht wussten, anstatt sie direkt zu kritisieren. Ziel ist ja für alle, ein besseres Lehrhandeln zu erreichen, das für die Schüler/innen von Vorteil ist. Alle Lehrer/innen bringen ihr Grundwissen und ihre Einstellungen mit und wollen nicht „belehrt“ werden. Wenn sie Neues aufnehmen sollen, muss auch ihnen eine Brücke gebaut werden, die sie betreten können, ohne Angst zu haben, das alles einstürzt.

Eine Antwort auf „RV12: Empirische Forschung zu Heterogenität im naturwissenschaftlichen Unterricht: Felder und Maßnahmen“

1. Deine Argumentation zum Umgang mit Heterogenität in den Naturwissenschaften finde ich sehr plausibel und ich stimme dem zu. Auf den zweiten von dir genannten Aspekt möchte ich weiter eingehen. Es ist, wie du sagst, nicht erwiesen, dass es die vier Lerntypen gibt und entsprechend ist auch eine Einteilung des Lernmaterials in diese vier Typen nicht sinnvoll. Stattdessen kann es besonders Schüler/innen mit Lernschwäche helfen, gemischte Medien zur Verfügung gestellt zu bekommen, die mehr als nur eine Sinneswahrnehmung ansprechen.
Auch deine Ausführungen, wie man einer/m skeptischen Kolleg/in antworten könnte, finde ich sehr gelungen. Wie erfolgreich oder nicht erfolgreich der Unterricht in heterogenen Klassengemeinschaften ist, hängt stark von der Unterrichts- und Aufgabengestaltung der Lehrkraft ab. Es ist wichtig, den Schüler/innen die Inhalte mit verschiedenen Medien zu vermitteln und auch bestenfalls unterschiedliche Lernwege anzubieten.
2. In meiner Schulzeit wurden der Physik- und Chemieunterricht ähnlich wie bei dir sehr viel als Frontalunterricht gestaltet. Dies war allerding gemischt mit sehr vielen Versuchen in Gruppen- oder Partnerarbeiten. Diese Unterrichtsmethode habe ich als problematisch wahrgenommen, da ich immer Probleme in der Durchführung von Versuchen hatte und selten das geplante Ergebnis erreicht habe. Da im Anschluss an die Versuche die Schüler/innen mit den gelungenen Ergebnissen diese vortrugen, habe ich in der Konsequenz weder den Versuchsablauf noch die Lösung verstanden und im Unterricht sehr schnell den Anschluss verloren. Mit den von mir studierten Fächerdidaktiken ist dies schwer zu vergleichen, da ich Geschichte und Germanstik studiere und hier zumeist Textarbeit vorherrscht.
3. Eine Schnittstelle zu vorherigen Vorlesungen ergibt sich z.B. zu Vorlesung Nr. 7 über inklusive Pädagogik. Hier wurde thematisiert, dass sich Schüler/innen nicht simpel nach Lernstärken kategorisieren lassen, sondern dass deutlich mehr Faktoren eine Rolle spielen. Auch dass es einigen Schüler/innen leichter fällt über kombinierte Medien, wie die Mischung aus Bild und Ton oder Text und Ton Informationen vermittelt zu bekommen, zu lernen. Die lernschwächeren Schüler/innen profitieren außerdem durch die Vorbildfunktion der stärkeren Schüler/innen.

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