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Heterogenitätskategorie Gender – Ansätze zur Entwicklung einer interkulturellen gendersensiblen Pädagogik

1. Erläutern Sie das in der Vorlesung thematisierte Spannungsfeld zwischen Inszenierung und Zuschreibung in Bezug auf Genderdynamiken und -pädagogik in der Schule. Nehmen Sie dafür Bezug auf die in der Vorlesung genannten theoretischen Ansätze.

Die Inszenierung und Zuschreibung der Genderdynamik – das weibliche und männliche Geschlecht – basiert auf der Tradierung von Geschlechterrollen, welche seit Jahrhunderten unbezweifelt existieren. Die pädagogische Diskussion ist spätestens seit den 1970er Jahren mit dieser Problemstellung beschäftigt, die grundsätzliche Infragestellung der geschlechtsspezifischen Bildung wird deutlich an der Einführung der Koedukation zu diesem Zeitpunkt. Mit der Koedukation erhoffte man sich Chancengleichheit und Gleichstellung der Geschlechter. Geblieben ist dennoch, dass bestimmte Eigenschaften und Charakterzüge den beiden Geschlechtern jeweils exklusiv zugeordnet wurde. Bis in die Tätigkeitsbereiche von Männern und Frauen hinein lassen sich diese Unterschiede nachzeichnen. Denn Männer sind häufiger und selbstverständlicher in handwerklichen oder wirtschaftlichen Berufen tätig, während Frauen vorrangig im sozialen und pädagogischen Bereich dominieren. Dementsprechend gibt es eine niedrige Quote von Männern und Frauen, die Berufe ausüben, die für ihr Geschlecht eher atypisch sind. Im Allgemeinen kommt es zu Vorurteilen und negativen Begegnungen, wenn diesem Muster nicht gefolgt wird.

Dieses ist unter anderem auch ein Resultat des Bildungswegs beider Geschlechter. Denn Schulen neigen dazu, sich bei der Gestaltung des Unterrichts sowie im Umgang mit den Schüler/innen diese zugeschriebene Genderdynamik zu praktizieren.

Zum einen wird männlichen Schülern die Begabung in den Bereichen wie Sport, Mathematik und Physik sowie das Interesse an Technik und handwerklichen Arbeiten zugeschrieben. Zum anderen werden weibliche Schülerinnen in sprachlichen und künstlerischen Begabungen sowie ihren sozialen Fähigkeiten verortet. Dieses prägt schließlich auch den Umgang mit den Schüler/innen, da die Lehrkräfte sich oft im Rahmen der idealisierten und inszenierten Genderdynamik bewegen.

Dabei besteht allerdings die Gefahr, dass die Interessen und Begabungen der Schüler/innen sich nicht entfalten und weiterentwickeln können, dass sie stattdessen schon in ihren Entwicklungschancen eingegrenzt werden.

Unter anderem führt diese Inszenierung und Zuschreibung der Genderdynamik zu einer starken Trennung zwischen den Geschlechtern, da sie keine umfassende, heterogene Bildung erhalten, welche ihre Begabungen, Interessen und Weiterentwicklung unterstützt. Es gilt stattdessen, eine Unterrichtsdynamik zu ermöglichen, neue Aspekte einzuführen und den Schüler/innen dabei zu helfen, individuelle Interessen und Stärken zu erkennen, unabhängig von den Geschlechterrollen und der inszenierten und zugeschriebenen Genderdynamik.

2. Reflektieren Sie ihre bisherigen Praxiserfahrungen aus der eigenen Schulzeit und ersten Praktika zum schulischen „Genderplay“, möglichst unter Bezugnahme auf mindestens ein anderes Heterogenitätsfeld der Ringvorlesung, wie Sprache, soziokultureller Background, Leistung, Inklusion

Ich habe einige Aspekte des „Genderplay“ während meiner eigenen Schulzeit und während meiner Praktika in einer Grundschule und einem Kindergarten beobachtet. Zum Beispiel neigten Lehrer/innen und pädagogische Lehrkräfte dazu, Jungen und Mädchen während des Sportunterrichts zu trennen. Sie glaubten, dass Jungen athletischer seien als Mädchen. Das ist offenbar auch ein Grund, warum Sportlehrer/innen sich oft auf die Jungen konzentrierten, sie im Sportunterricht herausforderten, um schließlich möglichst hohe Ergebnisse zu erzielen. Sie neigten auch dazu, mehr Rücksicht und Verständnis bei Mädchen zu zeigen und waren während des Sportunterrichts weniger streng, während Jungen strenger behandelt wurden. Sportlehrer/innen waren im Allgemeinen mit Mädchen geduldiger, während sie erwarteten, dass Jungen nicht nur die Übungen schnell lernen, sondern auch hervorragende Leistungen erbringen. Dies zeigte sich auch in den unterschiedlichen Bewertungsmaßstäben, die im Sportunterricht angelegt wurden, denn dieser basierte nicht nur auf den biologischen Unterschieden der beiden Geschlechter, sondern auch auf der inszenierten Geschlechterideologie.

Wenn ich weitere Situationen erinnere, kann ich einige Vorfälle benennen, in denen Lehrer/innen nicht nur im Sportunterricht, sondern auch in anderen Fächern „Genderplay“ praktiziert hatten. Zum Beispiel wurden Jungen bei der Arbeit an Projekten, die etwas Kreativität erforderten, oft für minimale Arbeiten gelobt, während die Bewertungen von Mädchen häufiger strenger und kritischer ausfielen, da sie der Meinung waren, dass Mädchen kreativer und künstlerischer sind als Jungen, sich also nur etwas mehr anzustrengen hätten.

Schließich hatte ich den Eindruck, dass Lehrer/innen höhere Erwartungen hinsichtlich der Leistungsbereitschaft von Mädchen im Vergleich zu den Jungen hatten.

Bei mehreren Vorfällen hatten Lehrer/innen beide Geschlechter verglichen, während sie über frühere Aufgaben, Tests und Projekte sprachen. Die Lehrer/innen glaubten oft, dass Jungen sich weniger angestrengt hätten und demzufolge fauler als Mädchen seien. Somit mussten Jungen in meiner Klasse oft Aussagen wie: „Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Mädchen die ganze Arbeit gemacht haben“, „Die Mädchen sollten nicht alles tun“, oder „hilf den Jungs nicht, sie sollen es selbst machen“ hören. Lehr/innen setzten auch oft Mädchen neben Jungen. Denn sie glaubten, dass Mädchen für Jungen im Unterricht hilfreich wären, weil sie sich im Unterricht mehr fokussieren können.

Dieses „Genderplay“ finde ich persönlich nicht förderlich, da die Lehrer/innen Jungen zwar ein relativ hohes Leistungsniveau zuschreiben, das sich durch Faulheit und geringes Interesse an Fächern wie Deutsch, Englisch, Kunst und Musik nicht erfüllt, während Mädchen mit hohen Erwartungen im sprachlichen und künstlerischen Bereich rechnen mussten, die athletischen Erwartungen dagegen waren sehr niedrig.

3. Formulieren Sie eine Beobachtungsaufgabe für kommende Praktika zum Thema „gendersensible Pädagogik“, auch hier möglichst unter Bezugnahme auf mindestens ein anderes Heterogenitätsfeld der Ringvorlesung, wie Sprache, soziokultureller Background, Leistung, Inklusion, um deutlich zu machen, dass die Kategorie Gender nicht für sich steht, sondern andere Dimensionen von Heterogenität oftmals wesentlich mit beeinflusst.

Beobachten Sie ob und wie Lehrkräfte bestimmte Sprachformen und nonverbale Handlungen verwenden, die auf eine „gendersensible Pädagogik“ hindeuten. / Inwieweit beeinflussen die Gendervorstellungen der Lehrkräfte deren Umgang mit den Schüler/innen?

Welche Einstellungen / Meinungen können bei Schüler/innen bezüglich Gender und Genderrollen beobachtet werden? Welche Auswirkungen hat Gender auf den Umgang der Schüler/innen untereinander? (Lassen sich Erwartungshaltungen hinsichtlich der Unterrichtsgestaltung erkennen – wie möchten Schüler/innen von den Lehrkräften angesprochen werden? Bzw. wie reagieren sie auf eine „gendersensible“ oder „genderplay-Pädagogik“?)

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