{"id":24,"date":"2023-07-13T16:34:46","date_gmt":"2023-07-13T14:34:46","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/alachri\/?p=24"},"modified":"2023-07-13T16:34:46","modified_gmt":"2023-07-13T14:34:46","slug":"abschlussreflexion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/alachri\/2023\/07\/13\/abschlussreflexion\/","title":{"rendered":"Abschlussreflexion"},"content":{"rendered":"<p style=\"font-weight: 400;text-align: left\"><span style=\"font-size: 10pt\"><em><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">(Fragen siehe Veranstaltungsblog)<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: left\"><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">1)<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: left\"><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">Eine der wichtigsten zentralen Erkenntnisse aus der Ringvorlesung konnte ich aus der Vorlesung von Prof. Dr. Florian Schmidt-Borcherding zum Thema \u201eDie kognitiven Dimensionen von Lernerfolg\u201c. Hier wurde anhand mehrerer Grafiken und Studien der Zusammenhang zwischen Intelligenz, Vorwissen und schulischer Leistung aufgezeigt. So ist einer Grafik von Langfeldt zu entnehmen, dass der Einfluss von Kompetenzen und Vorleistungen, beziehungsweise Vorwissen, auf mathematische Schulleistungen in der Primarstufe deutlich h\u00f6her ist als der kristalliner Intelligenz (Langfeldt 2014, S. 40). Kristalline Intelligenz beschreibt dabei die Bedeutung der Lebenserfahrung auf intellektuelles Handeln, ist also nicht genetisch bedingt (Gruber\/Stramouli, S. 36).<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: left\"><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">Aus diesem Sachverhalt ist zu schlussfolgern, dass der Generierung von (Vor)wissen im Unterricht eine wesentlich zentralere Rolle einnehmen sollte als die F\u00f6rderung \u201eintelligenter\u201c oder \u201ebegabter\u201c Sch\u00fcler*innen.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: left\"><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">Schmidt-Borcherding stellt in seiner Vorlesung anhand der dargestellten Ergebnisse \u201eReaktionsformen\u201c f\u00fcr die Gestaltung des Unterrichts f\u00fcr Sch\u00fcler*innen mit heterogenem Vorwissen vor. Bei der pro-aktiven Reaktionsform sollen einzelne Sch\u00fcler*innen durch eine adaptive Gestaltung des Unterrichts gezielt gef\u00f6rdert werden. Ausgehend von dem Bewusstsein, dass nicht alle Sch\u00fcler*innen Gleiches leisten oder lernen k\u00f6nnen, muss die Lehrkraft Leistungsgrenzen der Lernenden fr\u00fchzeitig diagnostizieren und optimistisch interpretieren, um im Anschluss differenzielle, individuelle Lernziele festlegen zu k\u00f6nnen (Weinert 1997, S. 52).<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: left\"><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">Bezogen auf mein Hauptfach Pflegewissenschaft bedeutet das f\u00fcr die Lehre, dass diese, trotz festgelegter Anforderungen f\u00fcr die Erreichung des Berufsabschlusses, deutlich individueller und an die Lernerschaft angepasster gestaltet werden muss. Es m\u00fcssen p\u00e4dagogische Ma\u00dfnahmen ergriffen werden, um die Auszubildenden als Individuen wahrzunehmen und sie gezielt, unabh\u00e4ngig ihrer \u201emitgebrachten\u201c Intelligenz, dazu zu bef\u00e4higen, ihr Berufsziel zu erreichen.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: left\"><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">Pers\u00f6nlich m\u00f6chte ich mich daher auch mit dem Lerncoaching besch\u00e4ftigen, um diese gezielte F\u00f6rderung in meiner beruflichen Praxis besser umsetzen zu k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: left\"><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">Die zweite Erkenntnis entstammt aus der Vorlesung von Prof. Dr. Andrea Daase zum Thema Mehrsprachigkeit. Sie stellte heraus, das Mehrsprachigkeit, beziehungsweise die Abweichung der Erstsprache von der Unterrichtssprache, oft als didaktisches Problem angesehen wird, dass sich Lehrkr\u00e4ften \u201ein den Weg stellt\u201c. Vielmehr sollte Mehrsprachigkeit jedoch als individuelles Potential erkannt werden (F\u00fcrstenau 2011, S. 34). Lehrkr\u00e4fte sollten hier einen ressourcenorientierten Ansatz verwenden (so Daase), und Wege finden, wie die Erstsprache auch aktiv genutzt werden kann, um Bildungsziele zu erreichen.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: left\"><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">F\u00fcr die Pflegewissenschaft hat dies eine besondere Bedeutung. Patient*innen, die sich aufgrund ihrer station\u00e4r behandlungspflichtigen Erkrankung im Krankenhaus in einer sehr vulnerablen Situation befinden und zus\u00e4tzlich sprachliche Verst\u00e4ndigungsprobleme aufweisen, profitieren in au\u00dferordentlichem Ma\u00dfe von medizinischem Fachpersonal mit weiteren Sprachkenntnissen als der deutschen Sprache. Eine gute Kommunikation in solchen Situationen erspart betroffenen Patient*innen viel Leid.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: left\"><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">Mehrsprachigkeit stellt also besonders in der Pflege ein sehr gro\u00dfes Potential dar, welches unbedingt im Unterricht mit gef\u00f6rdert werden muss.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: left\">2)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: left\"><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">Der Umgang mit Sch\u00fcler*innen mit Deutsch als Zweitsprache stellte in meiner Ausbildung meiner Meinung nach ein gro\u00dfes Problem dar. Die Lehrkr\u00e4fte wehrten sich hier vehement, Hindernisse, die durch Sprachbarrieren auftreten k\u00f6nnten, \u00fcberhaupt anzuerkennen geschweige denn Hilfestellungen anzubieten. Besonders schade empfinde ich es aufgrund der in Aufgabe 1 bereits angesprochenen Erkenntnisse aus Prof. Daases Vorlesung, da Mehrsprachigkeit ja auch eine Ressource darstellt, die jedoch gef\u00f6rdert und eingesetzt werden muss. \u00a0Stattdessen wurde das \u201eProblem\u201c verlagert und die betroffenen Auszubildenden ausgegrenzt und in Sprachkurse geschickt. Inklusion hat hier also nicht stattgefunden.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: left\"><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">Ebenfalls bereits in Aufgabe 1 angesprochen, empfinde ich den Stellenwert von Intelligenz im Unterricht im deutschen Schulsystem, wie ich es w\u00e4hrend meiner Schulzeit in Bayern kennengelernt habe, als zu hoch. Trotz der mittlerweile ausgebauten Durchl\u00e4ssigkeit des Bildungssystems wird Sch\u00fcler*innen bis heute noch vermittelt, sie seien \u201ezu dumm\u201c f\u00fcr ein Gymnasium oder nicht intelligent genug, um einen h\u00f6heren Abschluss als den Hauptschulabschluss zu erreichen. Dies wurde auch in Kommentaren einiger Kommiliton*innen zu den Blogbeitr\u00e4gen deutlich, die hier ihre eigenen (und erschreckenden) Erfahrungen deutlich gemacht haben. Hier stellt das pro-aktive Reagieren (siehe Aufgabe 1) und das Differenzieren im Unterricht eine wichtige Aufgabe dar.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: left\"><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">3)<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: left\"><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">In der Ringvorlesung wurden Themen wie Antisemitismus, Inklusion, Hass gegen Migrant*innen und sexuelle Diskriminierung behandelt. Die jeweiligen Vorlesungen waren jedoch sehr darauf ausgelegt, f\u00fcr die entsprechende Thematik zu sensibilisieren. Dieses Ziel wurde meiner Meinung nach immer erreicht, jedoch wurden konkrete Fallbeispiele (mit Ausnahme der Vorlesung zu Menschen mit Behinderung und Inklusion) und der Umgang mit der konkreten Thematik meist nur als Fragestellung innerhalb der Blogbeitr\u00e4ge zur\u00fcckgegeben. Beispiel: Vorlesung Antisemitismus, Frage 3, \u201eEin Elternteil spricht Sie pers\u00f6nlich als Lehrkraft darauf an, dass ein Sch\u00fcler Ihrer Klasse von verbalen antisemitischen \u00dcbergriffen betroffen ist. \u00dcberlegen Sie, wie ein konstruktiver Umgang mit dieser Situation aussehen k\u00f6nnte.\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: left\"><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">Fragen solcher Art empfinde ich als hoch komplex, da sie neben einer Sensibilisierung des Themas au\u00dferdem Erfahrung, sowie kommunikative und vor allem p\u00e4dagogische F\u00e4higkeiten verlangen. Gerne h\u00e4tte ich hier konkretere Vorschl\u00e4ge zum Umgang bereits w\u00e4hrend der Vorlesungen gew\u00fcnscht, besonders, da der Titel der Vorlesung ja \u201eUMGANG mit Heterogenit\u00e4t \u2026\u201c lautet.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: left\"><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">Beim Thema Antisemitismus wurde beschrieben, dass dieser heute oft f\u00e4lschlicherweise als berlinspezifisches\/gro\u00dfstadtspezifisches Problem wahrgenommen wird. Hier w\u00e4re der Umgang aus rechtlicher Sicht noch interessant gewesen, da gerade in kleineren St\u00e4dten Antisemitismus verdeckter stattfindet und daher vermutlich auch schlechter strafrechtlich zu verfolgen ist. Ich empfinde es jedoch auch wichtig, Jugendlichen klar zu machen, dass sie sich mit Antisemitismus strafbar machen und welche Konsequenzen dies haben kann.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: left\"><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">Literatur:<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: left\"><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">Gruber,H.; Stamouli,E.(2020).Intelligenz und Vorwissen. In: Wild, E.; M\u00f6ller, J. (Hrsg.): P\u00e4dagogische Psychologie, 25\u201344. Heidelberg: Springer-Verlag.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: left\"><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">Langfeldt, H-P. (2014): Psychologie f\u00fcr die Schule. Weinheim: Bertz Verlag. 2. Auflage.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: left\"><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">Fu\u0308rstenau, S.; Gomolla, M. (2011): Migration und schulischer Wandel: Mehrsprachigkeit. Wiesbaden: Springer Fachmedien.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: left\"><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">Weinert, F. E. (1997): Notwendige Methodenvielfalt: Unterschiedliche Lernfa\u0308higkeiten der Schu\u0308ler erfordern variable Unterrichtsmethoden des Lehrers. In: Friedrich-Jahresheft: Lernmethoden \u2013 Lehrmethoden \u2013 Wege zur Selbstst\u00e4ndigkeit, 50-52. Seelze: Friedrich-Verlag.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Fragen siehe Veranstaltungsblog) 1) Eine der wichtigsten zentralen Erkenntnisse aus der Ringvorlesung konnte ich aus der Vorlesung von Prof. Dr. Florian Schmidt-Borcherding zum Thema \u201eDie kognitiven Dimensionen von Lernerfolg\u201c. Hier wurde anhand mehrerer Grafiken und Studien der Zusammenhang zwischen Intelligenz, Vorwissen und schulischer Leistung aufgezeigt. 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