{"id":21,"date":"2023-07-06T11:02:28","date_gmt":"2023-07-06T09:02:28","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/alachri\/?p=21"},"modified":"2023-07-06T11:02:28","modified_gmt":"2023-07-06T09:02:28","slug":"antisemitismus-rv-13","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/alachri\/2023\/07\/06\/antisemitismus-rv-13\/","title":{"rendered":"Antisemitismus RV 13"},"content":{"rendered":"<ol>\n<li>Welche Ber\u00fchrungspunkte hatten Sie bereits mit dem Thema Antisemitismus? Beschreiben Sie f\u00fcr Sie relevant erscheinende Situationen und stellen Sie Bez\u00fcge zu den Inhalten der Vorlesung her.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Eine Situation, in der ich ich mit dem in der Vorlesung als \u201eIsraelbezogenen Antisemitismus\u201c (Suchodolski, Folie 19) in Kontakt kam, ereignete sich w\u00e4hrend meiner Schulzeit. Obwohl ich zu dieser Zeit keine Kenntnisse \u00fcber genauere Begriffe des Antisemitismus hatte und den Vorfall an sich damals nicht als Antisemitismus eingestuft h\u00e4tte, wusste ich trotzdem, dass irgendetwas an der Situation nicht richtig war.<\/p>\n<p>In der 12. Jahrgangsstufe behandelten wir im Geschichtsunterricht ca. ein halbes Jahr das gro\u00dfe Themengebiet \u201eNahost-Konflikt\u201c. W\u00e4hrend des gesamten Halbjahrs zog beinhaltete dieser Unterricht neben nat\u00fcrlich Jahreszahlen, Daten und Fakten vor allem die folgende Botschaft, die in jeder Unterrichtsstunde explizit herausgearbeitet wurde: Das j\u00fcdische Volk ist der einzige Schuldige, sie sind die Angreifer, die die armen, unschuldigen Pal\u00e4stinenser aus reiner Boshaftigkeit schaden wollen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Das Problem dabei war jedoch, dass uns Vorf\u00e4lle, geschichtliche Ereignisse und Konflikte immer genau so dargestellt wurden, dass wir mehr oder weniger selbst zu dem logischen Schluss kommen sollten, dass Israel \u201eder Feind\u201c ist.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Erst als ich mich au\u00dferschulisch mit Menschen \u00fcber das Thema unterhalten habe und selbst recherchiert habe, wurde mir bewusst, dass ich ein halbes Jahr indoktriniert wurde und mir bewusst eine Meinung als die einzig existierende Wahrheit pr\u00e4sentiert wurde.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Aus der heutigen Sicht w\u00fcrde ich dies ganz klar als offenen Antisemitismus bezeichnen. Auch in der Vorlesung die Problematik unter der Bezeichnung \u201eZuschreibungen der Verantwortung f\u00fcr Politik Israels\u201c (Suchodolski, Folie 21) aufgegriffen. Hier wird sich auf Bernstein bezogen, die beschreibt, dass viele Lehrkr\u00e4fte eigene Vorurteile hinter dem Deckmantel der \u201eisraelkritischen \u00c4u\u00dferungen\u201c zu verschleiern versuchen. Dabei seinen sich die Lehrkr\u00e4fte oft sehr sicher, Kritik klar von Antisemitismus trennen zu k\u00f6nnen, die Realit\u00e4t beweise aber, dass dies oft in antisemitische \u00c4u\u00dferungen abdrifte (Bernstein 2018, S.127 f.).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li>Erkl\u00e4ren Sie die beiden Kontexte (Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und historische Entwicklung), in denen Antisemitismus dargestellt wurde. Welche Relevanz haben diese f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis von aktuellen Erscheinungsformen von Antisemitismus<\/li>\n<\/ol>\n<p>Die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit zeichnet sich durch eine Herabsetzung oder Abwertung von kleineren Gruppen. Diese werden als ungleichwertig angesehen und deswegen ausgegrenzt (Gro\u00df et al. 2012). Gr\u00fcnde f\u00fcr die Ausgrenzung sind meist negative Stereotype, wobei die Spannweite hier sehr gro\u00df ist, denn neben religi\u00f6s bedingter Menschenfeindlichkeit wie Antisemitismus oder Islamfeindlichkeit, stellen auch Rassismus und Sexismus eine Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit dar (ebd.). Oft richtet sich dieser Hass nicht nur gegen eine spezifische Gruppe, Menschen mit solchen Denkmustern neigen mit einer signifikant h\u00f6heren Wahrscheinlichkeit auch dazu, andere schwache Gruppen zu diskriminieren (ebd.)<\/p>\n<p>In diesem Kontext stellt ge\u00e4u\u00dferter Antisemitismus nur ein Teilproblem dar, es geht hier weniger um tief sitzenden Hass, sondern um die pathologischen Menschen, die ihr eigenes Selbstbewusstsein durch das Diskriminieren und Abgrenzen von Minderheiten oder kleinen Gruppen aufzuwerten versuchen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die historische Entwicklung des Antisemitismus zeigt, dass das negative Bild der Juden eine \u00dcberlagerung, Umbildung und Anpassung mehrerer Vorurteilsschichten als Ursprung hat (Bergmann 2011, S. 39). Bergmann unterscheidet hier verschiedene Dimensionen, wie die vorchristliche, christliche, \u00f6konomische oder nationalsozialistische Dimension, die jeweils zeitlich aufeinander aufbauen und so die Vorurteile \u00fcber eine gro\u00dfe Zeitspanne hinweg mit immer neuen \u00fcberlagern (ebd., S. 39 ff.).<\/p>\n<p>Mit diesem Verst\u00e4ndnis ist der aktuelle Antisemitismus als \u201eneue Schicht\u201c zu betrachten, die nie ganz bek\u00e4mpft werden kann, wenn nicht auch die tiefer liegenden Schichten aufgearbeitet werden und das Problem sozusagen im Kern bek\u00e4mpft wird.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li>Besch\u00e4ftigen Sie sich mit folgendem Szenario: Ein Elternteil spricht Sie pers\u00f6nlich als Lehrkraft darauf an, dass ein Sch\u00fcler Ihrer Klasse von verbalen antisemitischen \u00dcbergriffen betroffen ist. \u00dcberlegen Sie, wie ein konstruktiver Umgang mit dieser Situation aussehen k\u00f6nnte.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Zu allererst sollte bereits im Gespr\u00e4ch mit den Eltern klar signalisiert werden, dass der Vorfall ernst genommen wird und Handlungsbedarf erforderlich ist.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Es sollte au\u00dferdem daraus abgeleitet werden, dass das Thema Antisemitismus im Unterricht mehr aufgegriffen werden muss, um eine Verharmlosung der Taten zu verhindern.<\/p>\n<p>Im Gespr\u00e4ch mit der Klasse sollten ebenfalls klare Grenzen gesetzt werden und ein Umgang etabliert werden, der keine Beleidigungen und (verbale) Ausgrenzung zul\u00e4sst.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Den Sch\u00fcler*innen sollte absolut vor Augen gef\u00fchrt werden, wie weitreichend Antisemitismus sein kann, um auch verdeckten Antisemitismus in Zukunft verhindern zu k\u00f6nnen und ein Umdenken in den K\u00f6pfen der Sch\u00fcler*innen voranzutreiben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<p>Bergmann, W. in: Pelinka, A. (Hrsg.)(2011): Vorurteile. Urspr\u00fcnge, Formen, Bedeutung. Berlin.<\/p>\n<p>Bernstein, J. (2018): \u201cMach mal keine Judenaktion!\u201c. Herausforderungen und L\u00f6sungsans\u00e4tze in der professionellen Bildungs- und Sozialarbeit gegen Antisemitismus. Frankfurt.<\/p>\n<p>Gro\u00df, E,; Krause, D.; Zick, A. (2012): Von der Ungleichwertigkeit zur Ungleichheit. Eine Dekade gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Online verf\u00fcgbar unter:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/130404\/von-der-ungleichwertigkeit-zur-ungleichheit-gruppenbezogene-menschenfeindlichkeit\/\">https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/130404\/von-der-ungleichwertigkeit-zur-ungleichheit-gruppenbezogene-menschenfeindlichkeit\/<\/a> (letzter Aufruf 5.7.23)<\/p>\n<p>Vorlesungsfolien:<\/p>\n<p>Suchodolski, C. (2023): Antisemitismus in der (Hoch)Schulbildung \u2013 Erkennen, Verstehen und Handeln, RV 13<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welche Ber\u00fchrungspunkte hatten Sie bereits mit dem Thema Antisemitismus? Beschreiben Sie f\u00fcr Sie relevant erscheinende Situationen und stellen Sie Bez\u00fcge zu den Inhalten der Vorlesung her. Eine Situation, in der ich ich mit dem in der Vorlesung als \u201eIsraelbezogenen Antisemitismus\u201c (Suchodolski, Folie 19) in Kontakt kam, ereignete sich w\u00e4hrend meiner Schulzeit. 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