{"id":15,"date":"2023-06-14T12:05:11","date_gmt":"2023-06-14T10:05:11","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/alachri\/?p=15"},"modified":"2023-06-15T07:55:08","modified_gmt":"2023-06-15T05:55:08","slug":"sexuelle-vielfalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/alachri\/2023\/06\/14\/sexuelle-vielfalt\/","title":{"rendered":"RV10: sexuelle Vielfalt"},"content":{"rendered":"<ol>\n<li style=\"font-weight: 400\"><strong> Benennen Sie auf Grundlage des Textes von Debus\/Laumann 2018 die verschiedenen Ebenen auf denen a) Geschlechtliche Vielfalt und b) sexuelle und romantische Orientierungen differenziert werden k\u00f6nnen. Recherchieren Sie als Gegensatz dazu, das Konzept der Heteronormativit\u00e4t und beschreiben Sie kurz, was damit gemeint ist. Arbeiten Sie heraus, inwiefern die geschlechtliche und sexuelle Vielfalt von Menschen auch im Rahmen Ihres eigenen Berufs als Lehrer*in relevant sein k\u00f6nnte in Bezug auf die Lehrinhalte, die Lehrb\u00fccher, die Beziehung zu den Sch\u00fcler*innen und Kolleg*innen. Nennen Sie dazu mindestens zwei konkrete Beispiele.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">a)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Debus &amp; Laumann differenzieren drei verschiedene Ebenen:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">K\u00f6rper, Identit\u00e4t und Ausdruck (Debus\/Laumann 2018, S. 15)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Die Ebene K\u00f6rper umfasst unter anderem zum Beispiel Sexualorgane, Chromosomen, Hormone, Zeugungs- und Geb\u00e4rf\u00e4higkeit (ebd.).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Unter dem Begriff \u201eIdentit\u00e4t\u201c verstehen die Autor*innen \u201eein tief sitzendes Wissen um die eigene innere Wahrheit, in die niemand Eingriff nehmen kann und darf\u201c <strong>(<\/strong>Debus\/Laumann 2018, S. 16). Diese Ebene umfasst also alle Verortungen der eigenen Identit\u00e4t, beispielsweise als m\u00e4nnlich, weiblich, genderqueer oder nicht-bin\u00e4r (ebd.).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Mit der Ebene \u201eAusdruck\u201c sind die Vielfalt verschiedener Geschm\u00e4cker in Bezug auf Kleidung, berufliche- und Freizeitaktivit\u00e4ten, Styling etc. gemeint, die mit unterschiedlichsten K\u00f6rpersprachen, Emotionen, F\u00e4higkeiten oder Abneigungen verbunden sind <strong>(<\/strong>Debus\/Laumann 2018, S. 16). Laut den Autor*innen muss die Ebene \u201eAusdruck\u201c nicht unbedingt etwas mit Geschlecht zu tun haben, in der Gesellschaft wird dieser Zusammenhang jedoch oft vollzogen und auch viele Menschen bringen Ausdruck und Geschlecht miteinander in Verbindung (ebd.).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">b)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">In Bezug auf Sexuelle und Romantische Orientierungen unterscheiden die Autor*innen sexuelle Vielfalt im engeren Sinne, Geschlechterkombinationen und wie viel sexuelles\/romantische Begehren eine Person hat <strong>(<\/strong>Debus\/Laumann 2018, S. 38).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Zur sexuellen Vielfalt im engeren Sinne geh\u00f6ren Lebensweisen, bzw. Identit\u00e4ten wie heterosexuell, homosexuell, bisexuell, queer, aromatisch etc. (ebd., S. 35 f.)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Heteronormativit\u00e4t<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Heteronormativit\u00e4t beruht auf der Annahme von zwei klar voneinander abgrenzbaren, sich ausschlie\u00dfenden Geschlechtern und der Beizeichung von heterosexuellem Begehren als \u201enat\u00fcrlich und normal\u201c (Hartmann\/Klesse 2007, S. 9). Der Begriff wird von den Autor*innen auch als \u201ezentrales Machtverh\u00e4ltnis, das alle wesentlichen gesellschaftlichen und kulturellen Bereiche, ja die Subjekte selbst durchzieht\u201c (Hartmann\/Klesse 2007, S. 9), beschrieben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Au\u00dferdem vertritt das \u201ediskursive Regime\u201c Heteronormativit\u00e4t die Ansicht der Unver\u00e4nderbarkeit von Geschlecht und sexueller Orientierung (ebd.).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Somit kann Heteronormativit\u00e4t auch als gegens\u00e4tzliche Str\u00f6mung zu geschlechtlicher und sexueller Vielfalt &amp; Orientierung gesehen werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Das eigene Verst\u00e4ndnis von sexueller Vielfalt und das Bewusstsein \u00fcber die weit verbreitete Sichtweise von Heteronormativit\u00e4t kann das Lehrer*innensein in vielf\u00e4ltiger Weise beeinflussen, da man oft ganz unbewusst eigene Werte und Weltanschauungen im Unterricht mit vermittelt. Dies wird z.B. deutlich:<\/p>\n<ul>\n<li>Bei der Wahl der Beziehungskonstellationen in z.B. Fallbeispielen oder Aufgaben, wird hier immer das heterosexuelle Paar gew\u00e4hlt oder auch andere Beziehungsformen?<\/li>\n<li>Bei der gemeinsamen Festlegung des Miteinanders im Unterricht, oft als \u201eKlassenregeln\u201c festgehalten. Diese k\u00f6nnen auf die \u201e\u00fcblichen\u201c Werte wie Ausreden lassen oder wertsch\u00e4tzender Umgang begrenzt werden, oder eben auch erweitert werden auf z.B. \u201esexuelle Vielfalt ohne Diskriminierung\u201c oder &#8222;Toleranz und Offenheit gegen\u00fcber allen sexuellen Orientierungen\u201c.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"font-weight: 400\">Quellen:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Hartmann, J., Klesse, C. (2007). Heteronormativit\u00e4t. Empirische Studien zu Geschlecht, Sexualit\u00e4t und Macht \u2014 eine Einf\u00fchrung. In: Hartmann, J., Klesse, C., Wagenknecht, P., Fritzsche, B., Hackmann, K. (eds) Heteronormativit\u00e4t. VS Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Debus, J.; Laumann, V. (Hrsg.) (2018): P\u00e4dagogik geschlechtlicher, amour\u00f6ser und sexueller Vielfalt- Zwischen Sensibilisierung und Empowerment. Berlin: Dissens \u2013 Institut f\u00fcr Bildung und Forschung e.V., 1. Auflage.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li style=\"font-weight: 400\"><strong> Fallbeispiel in der Schule: Jona wei\u00df schon seit einiger Zeit, dass er ein Junge ist, auch wenn ihm bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde. In der Schule haben die meisten Lehrenden Jona akzeptiert und nennen ihn bei seinem neuen Namen und Pronomen. Aber immer wenn es um die Toilettennutzung oder den Sportunterricht geht, kommt es zu Problemen. In der Umkleide beim Umziehen wird er von seinen Cis-m\u00e4nnlichen Klassenkameraden ausgelacht. Die Cis-M\u00e4dchen wollen Jona in ihrer Umkleide auch nicht haben. Sie behaupten, Jona w\u00fcrde sie beobachten und das sei Ihnen unangenehm. Jona war fr\u00fcher sehr sportbegeistert, inzwischen nimmt er am Sportunterricht nur noch selten teil und meldet sich immer h\u00e4ufiger krank.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400\"><strong>\u00dcberlegen Sie, welche Schritte w\u00fcrden Sie als Lehrer*in gehen, um Jona das allt\u00e4gliche Leben leichter zu machen? Wie sollte sich das Kollegium aufstellen, welche Gespr\u00e4che m\u00fcssten mit der Klasse gef\u00fchrt werden und welche institutionellen Barrieren k\u00f6nnten abgebaut werden? Notieren Sie Ihre \u00dcberlegungen.<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Lehrerkollegium sollte sich einheitlich positionieren und diese Position auch in den Klassen vertreten<\/li>\n<li>Jona in 1zu1 Gespr\u00e4ch dazu ermutigen, seinen Hobbies trotzdem nachzugehen und sich trotz den Hindernissen und H\u00fcrden nicht seine Freude am Sport nehmen lassen. Ihm versichern, dass seine Lage ernst genommen wird, Gef\u00fchle validieren und ihm klar machen, dass man sich der Problematik annimmt. Ihn fragen, inwieweit er sich bereiterkl\u00e4rt, das Thema auch im Klassenverbund zu thematisieren.<\/li>\n<li>Wenn die M\u00e4dchen sagen, dass es ihnen unangenehm w\u00e4re, wenn Jona anwesend ist, sollte dies ebenso ernst genommen werden, denn die Umkleide stellt einen sensiblen Raum dar und jeder sollte sich sicher f\u00fchlen, Jona, aber auch alle anderen<\/li>\n<li>Es k\u00f6nnten einige Einzelumkleiden f\u00fcr alle festgelegt werden und auch Gruppenumkleiden f\u00fcr alle, denen das Umziehen nach Geschlechtern egal ist.<\/li>\n<li>In der Klasse sollte das Thema der sexuellen Vielfalt auf jeden Fall aufgearbeitet werden und ein Perspektivenwechsel sollte angestrebt werden, damit die Sch\u00fcler*innen die Lage von Jona und seine Gef\u00fchle besser nachvollziehen k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"font-weight: 400\"><strong>\u00a0<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li style=\"font-weight: 400\"><strong> Recherchieren Sie in den sozialen Medien mindestens drei positive Vorbilder, die offen und best\u00e4rkend damit umgehen, dass Ihre eigene Sexualit\u00e4t oder Geschlechtsidentit\u00e4t von der heteronormativen Struktur abweicht und stellen Sie diese kurz in wenigen S\u00e4tzen vor.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Ich pers\u00f6nlich habe keine Vorbilder (themenunabh\u00e4ngig) und finde den Gedanken falsch, sich jemanden als Vorbild zu nehmen, der eine von der heteronormativen Struktur abweichende Sexualit\u00e4t offen thematisiert. Nat\u00fcrlich ist dieser Schritt von der Person als mutig zu bezeichnen und die Diskriminierung, die sie dann oft erfahren m\u00fcssen, ist mit nichts zu entschuldigen. Es ist dann nat\u00fcrlich umso mutiger, diesen Weg trotzdem zu gehen, auch wenn man z.B. sogar Morddrohungen und Beleidigungen auf t\u00e4glicher Basis erf\u00e4hrt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Trotzdem hier 3 Beispiele f\u00fcr Personen, die sich dem t\u00e4glich aussetzen:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Jolina Mennen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Influencer*in, lebt offen als Transfrau, macht transparent, wie extrem diskriminierend und hasserf\u00fcllt Menschen gegen\u00fcber sexueller Vielfalt (v.a. im Internet) sein k\u00f6nnen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Ellen Degeneres<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Outete sich 1997 im US-amerikanischen Fernsehen und war somit vielen Personen mit diesem Schritt in die \u00d6ffentlichkeit ein Vorbild, besonders als Person des \u00f6ffentlichen Lebens und zu dieser Zeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Tessa Ganserer<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Erste Transfrau im deutschen Bundestag \u2013 stellt sich t\u00e4glich den heteronormativen Stimmen im Bundestag entgegen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Benennen Sie auf Grundlage des Textes von Debus\/Laumann 2018 die verschiedenen Ebenen auf denen a) Geschlechtliche Vielfalt und b) sexuelle und romantische Orientierungen differenziert werden k\u00f6nnen. 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