{"id":11,"date":"2023-05-05T13:16:37","date_gmt":"2023-05-05T11:16:37","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/alachri\/?p=11"},"modified":"2023-05-05T13:16:37","modified_gmt":"2023-05-05T11:16:37","slug":"nicht-ueber-uns-ohne-uns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/alachri\/2023\/05\/05\/nicht-ueber-uns-ohne-uns\/","title":{"rendered":"Nicht \u00fcber uns ohne uns!"},"content":{"rendered":"<ol>\n<li style=\"font-weight: 400\">Was bedeutet der Slogan \u201cNicht ohne uns \u00fcber uns!\u201d hinsichtlich der gleichberechtigten Teilhabe von Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung? Er\u00f6rtern Sie dies anhand eines Beispiels und beziehen Sie sich dabei auf die UN-BRK.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400\">Der Slogan besagt, dass \u00fcber die Belange von Menschen mit Behinderung nicht ohne deren Beisein oder deren Beteiligung diskutiert und entschieden werden darf.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Dies spiegelt sich auch in diversen Artikeln der UN-BRK wider.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">So ist in Artikel 3 Abschnitt c \u201edie volle und wirksame Teilhabe an der Gesellschaft und Einbeziehung in die Gesellschaft\u201c (UN-BRK 2018, S.9) festgelegt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">In Artikel 4 wird die Aussage des Slogans noch einmal konkreter deutlich. Hier hei\u00dft es: \u201eBei der Ausarbeitung und Umsetzung von Rechtsvorschriften und politischen Konzepten zur Durchf\u00fchrung dieses \u00dcbereinkommens und bei anderen Entscheidungsprozessen in Fragen, die Menschen mit Behinderungen betreffen, f\u00fchren die Vertragsstaaten mit den Menschen mit Behinderungen, einschlie\u00dflich Kindern mit Behinderungen, \u00fcber die sie vertretenden Organisationen enge Konsultationen und beziehen sie aktiv ein\u201c (UN-BRK 2018, S.10)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Wenn nun beispielsweise in der Politik \u00fcber den Ausbau der barrierearmen Infrastruktur \u00f6ffentlicher Einrichtungen und Geb\u00e4ude diskutiert wird, sind die Entscheidungstr\u00e4ger, durch Deutschlands Unterzeichnung der UN-BRK und der damit verpflichtenden Umsetzung der Inhalte, daran gebunden, nun auch Personen mit Behinderung, hier insbesondere Menschen mit einer k\u00f6rperlichen Behinderung, die eine barrierearme Umgebung notwendig macht, in die Entscheidungen mit einzubeziehen, deren Belange anzuh\u00f6ren und sie als Experten auf dem Gebiet \u201eBarrieren\u201c zu betrachten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">\n<ol start=\"2\">\n<li style=\"font-weight: 400\">Bitte reflektieren Sie die Erfahrungen der beiden G\u00e4ste Amelie Gerdes und Silas Palkowski vor dem Hintergrund ihrer eigenen Erfahrungen. Welche Rahmenbedingungen und Einflussfaktoren (u.a. r\u00e4umlich, personell, materiell) sind in der Schule und im \u00dcbergang in den Beruf \/ das Studium bezogen auf die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung f\u00f6rderlich und welche hinderlich?<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400\">Beide G\u00e4ste bringen unterschiedliche Erfahrungen in Bezug auf die Art der Behinderung und den Umgang der Gesellschaft mit dieser mit. W\u00e4hrend Silas Palkowski erst seit dem Jugendalter mit seiner Querschnittsl\u00e4hmung lebt und unmittelbar Vergleiche zwischen seinem Leben vor und nach dem Unfall und die sich daraus ergebenden Ver\u00e4nderungen ziehen kann, lebt Amelie Gerdes bereits ihr ganzes Leben mit einer Behinderung und ist dementsprechend bereits seit der Kindheit mit Herausforderungen konfrontiert.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Auch die Art der Behinderung unterscheidet sich bei den beiden, denn die Erfahrungen in der Gesellschaft mit einer k\u00f6rperlichen Behinderung sind andere als die mit einer kognitiven Behinderung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Dementsprechend unterscheiden sich auch die Rahmenbedingungen und Einflussfaktoren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">W\u00e4hrend Personen mit einer k\u00f6rperlichen Beeintr\u00e4chtigung wohl besonders mit r\u00e4umlichen Bedingungen zu k\u00e4mpfen haben, also nicht barrierearme Schulen oder Vereine, die nur Sportarten f\u00fcr k\u00f6rperlich \u201eGesunde\u201c anbieten, sind Personen mit einer kognitiven Behinderung meist weniger auf besondere r\u00e4umliche Anforderungen angewiesen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Von personellen Ressourcen k\u00f6nnen beide Gruppen jedoch profitieren, bzw. bei Abwesenheit dieser Ressourcen dementsprechend nicht profitieren. Denn sowohl f\u00fcr k\u00f6rperliche als auf f\u00fcr kognitive Behinderung k\u00f6nnen z.B. Schulbegleiter*innen eine gro\u00dfe Erleichterung des Alltags darstellen, die sie nat\u00fcrlich auf unterschiedliche Art und Weisen unterst\u00fctzen und so eine Regelbeschulung im Sinne der Inklusion, wie es in Deutschland durch die unterzeichnete UN-BRK verpflichtend w\u00e4re, erm\u00f6glichen (Deutsches Institut f\u00fcr Menschenrechte, Artikel 24 UN-BRK).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Materielle Einflussfaktoren k\u00f6nnen zum Beispiel bei der Berufs-\/Studiensuche spezielles Informationsmaterial sein, welches auch Aspekte, die f\u00fcr Personen mit Behinderung von Relevanz sind, mit aufgreift. Dies k\u00f6nnten zum Beispiel Infos zu barrierearmen Betrieben, Stipendien oder F\u00f6rderprogrammen sein, zu behindertengerechten Studentenwohnungen etc.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Meine pers\u00f6nliche Erfahrung zu diesem Thema ist, dass ich in meiner Schulzeit (bis 2014) weder barrierearme Schulen kennengelernt, noch Inklusion im Sinne der Zusammenlegung von Regelschulen und Schulen f\u00fcr Kinder mit besonderem F\u00f6rderbedarf erlebt habe. Auch wurde in der Berufsorientierung nicht auf Angebote f\u00fcr Sch\u00fcler*innen mit Behinderung eingegangen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">\n<ol start=\"3\">\n<li style=\"font-weight: 400\">In der Vorlesung wurde auch die Perspektive der Eltern von Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung angesprochen. Welche Bedeutsamkeit messen Sie der Zusammenarbeit mit Eltern bei und welche Schlussfolgerungen leiten Sie daraus f\u00fcr sich als angehende Lehrkraft ab?<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400\">Die Zusammenarbeit mit Eltern ist absolut altersabh\u00e4ngig und h\u00e4ngt meiner Meinung nach eng mit der sich entwickelnden M\u00fcndigkeit der Sch\u00fcler*innen zusammen, egal ob mit oder ohne Behinderung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">W\u00e4hrend Eltern in den ersten Schuljahren (Grundschule) noch st\u00e4rker in die schulischen Belange mit einbezogen werden f\u00fcr die Bed\u00fcrfnisse ihrer Kinder einstehen, l\u00e4sst die Notwendigkeit einer engen Lehrer-Eltern-Zusammenarbeit mit zunehmender Autonomie der Sch\u00fcler*innen nach.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit bei einer vorliegenden Behinderung ist nat\u00fcrlich immer individuell abzuw\u00e4gen und festzulegen. Entscheidend ist meiner Meinung nach aber der Wunsch des\/der Sch\u00fcler*in. Lehrkr\u00e4fte k\u00f6nnen besonders in weiterf\u00fchrenden Schulen durchaus auch in angemessenem Rahmen mit dem\/der betreffenden Sch\u00fcler*in ohne Elternbeistand Entscheidungen treffen und Gespr\u00e4che f\u00fchren, in welchen die Sch\u00fcler*innen ihre W\u00fcnsche und Bed\u00fcrfnisse f\u00fcr Unterricht und Schulgestaltung \u00e4u\u00dfern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">\n<p style=\"font-weight: 400\">Quellen:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Beauftragter der Bundesregierung f\u00fcr die Belange von Menschen mit Behinderungen (2018): Die UN-Behindertenrechtskonvention &#8211; \u00dcbereinkommen \u00fcber die Rechte von Menschen mit Behinderungen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Online verf\u00fcgbar unter:<a href=\"https:\/\/www.institut-fuer-menschenrechte.de\/fileadmin\/Redaktion\/PDF\/DB_Menschenrechtsschutz\/CRPD\/CRPD_Konvention_und_Fakultativprotokoll.pdf\">https:\/\/www.institut-fuer-menschenrechte.de\/fileadmin\/Redaktion\/PDF\/DB_Menschenrechtsschutz\/CRPD\/CRPD_Konvention_und_Fakultativprotokoll.pdf<\/a>(letzter Aufruf 5.5.23).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Deutsches Institut f\u00fcr Menschenrechte (o.J.): Artikel 24 UN-BRK.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Online verf\u00fcgbar unter:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.institut-fuer-menschenrechte.de\/menschenrechtsschutz\/datenbanken\/datenbank-fuer-menschenrechte-und-behinderung\/detail\/artikel-24-un-brk\">https:\/\/www.institut-fuer-menschenrechte.de\/menschenrechtsschutz\/datenbanken\/datenbank-fuer-menschenrechte-und-behinderung\/detail\/artikel-24-un-brk<\/a>\u00a0(letzter Aufruf 5.5.23)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was bedeutet der Slogan \u201cNicht ohne uns \u00fcber uns!\u201d hinsichtlich der gleichberechtigten Teilhabe von Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung? 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