{"id":35,"date":"2020-06-20T14:35:05","date_gmt":"2020-06-20T12:35:05","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/aktasblog\/?p=35"},"modified":"2020-06-20T14:35:05","modified_gmt":"2020-06-20T12:35:05","slug":"rv09-dr-christoph-fantini-heterogenitaetskategorie-gender-ansaetze-zur-entwicklung-einer-interkulturellen-gendersensiblen-paedagogik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/aktasblog\/2020\/06\/20\/rv09-dr-christoph-fantini-heterogenitaetskategorie-gender-ansaetze-zur-entwicklung-einer-interkulturellen-gendersensiblen-paedagogik\/","title":{"rendered":"RV09 \u2013 Dr. Christoph Fantini: Heterogenit\u00e4tskategorie Gender \u2013 Ans\u00e4tze zur Entwicklung einer interkulturellen gendersensiblen P\u00e4dagogik"},"content":{"rendered":"<p><strong>I.Erl\u00e4utern Sie das in der Vorlesung thematisierte Spannungsfeld zwischen Inszenierung und Zuschreibung in Bezug auf Genderdynamiken und -p\u00e4dagogik in der Schule. Nehmen Sie daf\u00fcr Bezug auf die in der Vorlesung genannten theoretischen Ans\u00e4tze.<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Das Spannungsfeld der Inszenierung und Zuschreibung in Bezug auf die Genderdynamik ist ein pr\u00e4gender und fester Bestandteil in unserer Gesellschaft und vor allem in der Schullaufbahn ein treuer Begleiter. Um das Spannungsfeld in dieser Thematik zu verstehen, m\u00fcssen die Pole des Spannungsfeldes verstanden werden.<\/p>\n<p>Der erste Pol des Spannungsfeldes ist die Inszenierung, genauer genommen die Selbstinszenierung der eigenen Person. Dabei pr\u00e4sentiert man sein Ich, seine eigene Person nach seinen eigenen Vorstellungen und Inszenierungsstrategien an die Au\u00dfenwelt. In Bezug auf die Genderdynamik kann gesagt werden, dass das biologische Geschlecht der eigenen Person als Grundlage dient. Dabei darf die Selbstinszenierung nicht als konstante, geschlechts-\/ stereotypische Einheit angesehen werden, denn die Inszenierung ist der Prozess der Gestaltung und der pers\u00f6nlichen Entwicklung. Dies gelingt vor allem auf der Ebene des nonverbalen Verhaltens und des \u00e4sthetischen Erscheinungsbildes.<\/p>\n<p>Der zweite Pol des Spannungsfeldes ist die Zuschreibung, die von au\u00dfenstehenden Personen erfolgt. Grundlegend f\u00fcr die Zuschreibung ist die Selbstinszenierung der Personen. Denn erst durch die Interpretation der Selbstinszenierungen von Personen k\u00f6nnen die au\u00dfenstehenden Personen diese auf ihre Art und Weise aufnehmen und verschiedene Punkte und Aspekte der biologischen Geschlechter zuschreiben.<\/p>\n<p>Das Spannungsfeld findet sich zudem in den vorgestellten \u201eInszenierungstudien\u201c innerhalb der Vorlesung wieder, die von Dr. Christoph Fantini durchgef\u00fchrt wurden. Dabei wurde mit Hilfe der 1. Studie ermittelt, wie viele weibliche und m\u00e4nnliche Studierende der Universit\u00e4t auf der Plattform \u201eStud.ip\u201c ein Profilbild besitzen. Das Ergebnis dieser Studie war f\u00fcr mich pers\u00f6nlich \u00fcberraschend, da nicht wie erwartet die M\u00e4dchen eine signifikante Mehrheit bildeten, denn diese waren nur <strong>leicht<\/strong> in der Mehrheit im Vergleich zu den Jungen. (2017: m=14,8%, w=16,9% * ein minimaler Unterschied von 2,1% ; \u00a0Vorlesung Teil 1, Folie 3) Dabei stellte ich pers\u00f6nlich fest, wie sehr meine Erwartungen von geschlechtsspezifischen Zuschreibungen gepr\u00e4gt sind, w\u00e4hrend die Inszenierung von der Individualit\u00e4t gepr\u00e4gt ist und nicht nur auf das Geschlecht zu minimiert oder gar vereinheitlicht ist. Dies spiegelte sich auch \u00a0in den n\u00e4chsten Umfragen von Herrn Fantini. In der Studie zum \u201eStudierverhalten\u201c\u00a0 wird ein signifikanter Unterschied unter den Geschlechtern \u00a0bei dem Aspekt \u00a0\u201eRelevanz der Note f\u00fcr das Studium\u201c festgestellt, w\u00e4hrend bei den anderen Aspekten nur ein minimaler Unterschied zu vermerken ist.( w=2,25, m=3,45 * \u00a0Spanne zwischen<strong> 1<\/strong>: <em>trifft zu<\/em> u. <strong>6<\/strong>: <em>trifft nicht zu<\/em> ; Vorlesung Teil 1, Folie 8) Bei dem Ergebnis der Studie \u00a0wurde meine Erwartung best\u00e4tigt, da in der Schulzeit immer wieder, wenn auch unbewusst, den Sch\u00fcler*innen durch Mehrheit der Lehrkr\u00e4fte vermittelt wurde, dass die Relevanz der Note bei den m\u00e4nnlichen Sch\u00fclern keine gro\u00dfe Rolle spielt, was zudem anhand der Motivation zu beobachten sei.<\/p>\n<p>Diese Verallgemeinerung lenkt die P\u00e4dagogik in die falsche Richtung. Durch die ungen\u00fcgende und teilweise fehlerhafte Verallgemeinerung im Bereich der Erziehung und Bildung in Bezug auf die Gender, entstehen viele geschlechtsspezifischen Stereotypen und Klischees. Dabei wird die F\u00f6rderung der Individualit\u00e4t vernachl\u00e4ssigt und ein Schubladendenken weitergegeben, wodurch sich viele Sch\u00fcler*innen in eine Schublade einzuordnen versuchen.<\/p>\n<p>Die Zuschreibungen, die vor allem geschlechtsspezifisch in der Schule vorkommen, passen \u00a0mit den \u00a0Inszenierungen der Sch\u00fcler*innen, was sich auch st\u00e4tig im Prozess befindet, in vielen F\u00e4llen nicht \u00fcberein. Entstandene Zuschreibungen wie, dass Jungen in naturwissenschaftlichen F\u00e4chern begabter sind als M\u00e4dchen, da diese in k\u00fcnstlerisch-musikalischen F\u00e4chern erfolgreicher sind, lenken und verwirren viele Sch\u00fcler w\u00e4hrend ihrer Entwicklung und hindern teilweise die Selbstfindung und beeinflussen ihre Inszenierung. Wie man auch in dem Video\u00a0 <em>\u201eZum Dilemma der gendersensiblen P\u00e4dagogik durch Fehlen m\u00e4nnlicher Fachkr\u00e4fte in Grundschulen Teil 1\u201c <\/em>in einigen Ans\u00e4tzen erkennt und sich dabei fragt: Warum haben junge, m\u00e4nnliche Sch\u00fcler das Gef\u00fchl, dass nur m\u00e4nnliche Lehrer ihre Probleme richtig verstehen k\u00f6nnen? Ist eine weibliche Lehrerin nicht in der Lage diese zu verstehen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>II.Reflektieren Sie ihre bisherigen Praxiserfahrungen aus der eigenen Schulzeit und ersten Praktika zum schulischen \u201eGenderplay\u201c, m\u00f6glichst unter Bezugnahme auf mindestens ein anderes Heterogenit\u00e4tsfeld der Ringvorlesung, wie Sprache, soziokultureller Background, Leistung, Inklusion<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da ich leider keine Praxiserfahrung durch Praktika aufweisen kann, kann ich \u00a0nur aus den pers\u00f6nlichen Erfahrungen aus meiner Schulzeit vom schulischen \u201eGenderplay\u201c aus der Perspektive einer Sch\u00fclerin berichten.<\/p>\n<p>In meiner Schulzeit konnte ich in jeder einzelnen Unterrichtsstunde fast t\u00e4glich Aspekte des \u201eGenderplays\u201c beobachten. Wenn ich an den Anfang meiner Schulzeit denke, dann fallen mir eindeutig klar formulierte Geschlechterrollen ein. In der Grundschule wurden die Jungen vor einer Kunsthausaufgabe oder auch bei einer Schreibaufgabe vorher deutlich gewarnt, damit sie sich M\u00fche geben. Zeitgleich wurden, wenn auch unbewusst als M\u00e4dchen als Vorzeige- Beispiel erw\u00e4hnt , wenn es um die Sorgfalt bei der Bearbeitung von Aufgaben ging. Zudem kann ich mich genau erinnern, dass auch Jungs aus meiner ehemaligen Grundschulklasse mit einer gro\u00dfen Sorgfalt ihre Aufgaben erledigten, jedoch wurden diese nicht wirklich im Unterricht als Beispiele erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Zudem werden meiner Meinung nach Aspekte des \u201eGenderplays\u201c im Sportunterricht deutlich. In der Grundschule sollten zwei gleichstarke Mannschaften selbst\u00e4ndig gebildet werden. Daf\u00fcr sollte sich jeder Sch\u00fcler*innen einen gleichstarken Partner aussuchen. Meine Mitsch\u00fclerin suchte sich einen Jungen als gleichstarken Partner aus. Dies wurde jedoch von der Lehrkraft abgelehnt, da Jungs und M\u00e4dchen auf sportlicher Ebene nicht zu vergleichen seien. Dabei geht man davon aus, dass M\u00e4dchen im direkten Vergleich zu Jungs schw\u00e4cher sind. \u00c4hnliche Erfahrungen, wie im Sportunterricht sind auch in den weiterf\u00fchrenden Schullaufbahn auf \u00e4hnliche Art und Weis zu beobachten. Die pr\u00e4gendsten Erfahrungen waren zum Beispiel, dass bei sozialen und organisatorischen Aufgaben immer M\u00e4dchen bevorzugt wurden, da diese vertrauensvoller w\u00e4ren. Jungs waren im Gegenzug die Sportskanonen, die bei zum Beispiel Schulfesten etc. gr\u00f6\u00dftenteils alleine f\u00fcr den Auf- und Abbau verantwortlich waren.<br \/>\nAuff\u00e4llig ist hierbei das den beiden Geschlechtern \u201espezifische\u201c F\u00e4cher, Eigenschaften und Voraussetzungen zugeordnet werden. Dadurch reduziert sich meiner Meinung nach die individuelle Leistungsbewertung, da man als Lehrkraft teilweise unbewusst von geschlechtsspezifischen Voraussetzungen gepr\u00e4gt ist. Klischees werden verst\u00e4rkt und die freie individuelle Entfaltung der Sch\u00fcler*innen erschwert und teilweise verhindert. F\u00fcr gendersensible P\u00e4dagogik muss die konsequente Unterteilung der F\u00e4higkeiten der Sch\u00fcler*innen von ihrem Geschlecht differenziert werden<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>III.Formulieren Sie eine Beobachtungsaufgabe f\u00fcr kommende Praktika zum Thema \u201egendersensible P\u00e4dagogik\u201c, auch hier m\u00f6glichst unter Bezugnahme auf mindestens ein anderes Heterogenit\u00e4tsfeld der Ringvorlesung, wie Sprache, soziokultureller Background, Leistung, <\/strong><strong>Inklusion, um deutlich zu machen, dass die Kategorie Gender nicht f\u00fcr sich steht, sondern andere Dimensionen von Heterogenit\u00e4t oftmals wesentlich mit beeinflusst<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>1<\/strong>. Wie stark ist die Klasse, Lehrkraft und Sch\u00fcler*innen, \u00fcber die Thematik Gender \u00a0aufgekl\u00e4rt.<\/em><\/p>\n<p><em>Daf\u00fcr soll beobachtet werden:<\/em><\/p>\n<ul>\n<li><em>sind die geschlechtsspezifischen Vorurteile und Annahmen in den Unterrichtsf\u00e4chern festzustellen (Beispielhafte Annahmen: Jungs sind in naturwissenschaftlichen F\u00e4chern begabt, w\u00e4hrend M\u00e4dchen in k\u00fcnstlerisch-musikalischen F\u00e4chern begabt sind)<\/em><\/li>\n<li>Falls ja<em>, liegt es an der beeinflussten Bewertung der Lehrkraft oder spiegelt die Beobachtung lediglich die Leistungen wider<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em><strong>2. <\/strong>Beobachtung der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler individuell und in Gruppenarbeit. Ver\u00e4ndert sich dabei ihre Selbstinszenierung, wenn sie in Gruppen aktiv sind oder wenn sie mit der Lehrkraft interagieren.<\/em> Falls ja<em>, woran liegt die Ver\u00e4nderung ihrer Inszenierung. Liegt es an den geschlechtsspezifischen Zuschreibungen, denen sie \u201egerecht\u201c werden wollen.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 8pt\">Bild: https:\/\/www.sueddeutsche.de\/image\/sz.1.4127732\/1200&#215;675?v=1546857780<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>I.Erl\u00e4utern Sie das in der Vorlesung thematisierte Spannungsfeld zwischen Inszenierung und Zuschreibung in Bezug auf Genderdynamiken und -p\u00e4dagogik in der Schule. 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