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Abschlussreflexion

1)Benennen Sie die für Sie zentralsten theoretischen Erkenntnisse, die Sie aus den Vorträgen der Ringvorlesung für sich mitgenommen haben. Nehmen Sie dabei konkret Bezug auf a.) fachdidaktische Aspekte, indem Sie Erkenntnisse auf die Didaktiken ihrer eigenen beiden Fächer beziehen und b.) zwei generelle erziehungswissenschaftliche Erkenntnisse zu Schule und Unterricht mit Bezug zu den relevanten Quellen benennen. 

 

  1. A) Die unterschiedlichen “Sprachwirklichkeiten” der Schülerinnen und Schüler sind mir von großer Bedeutung, da mir diese Erkenntnis zuvor noch völlig fremd war, obwohl es offensichtlich ist, dass diese existieren. Deswegen denke ich heute, dass diese Erkenntnis ein wichtiger Aspekt ist, den man zu berücksichtigen hat bei der Gestaltung von Unterricht. Man mag sich vielleicht gar nicht im Klaren darüber sein, was Heterogenität für Auswirkungen bei der Rezeption von gewissen Begrifflichkeiten haben kann. So empfinde ich es als wichtig sich damit auseinander zu setzen, um den zukünftigen Unterricht danach auszurichten. Dadurch bietet sich uns die Möglichkeit, neue Blickwinkel der Schülerinnen und Schüler kennenzulernen um sie gegebenenfalls zu kontextualisieren, relativieren oder wenn nötig zu revidieren.

So werden zukünftig in meinen Fächern, Englisch und Französisch, Fragen zur Bedeutung von gewissen Fremden Vokabeln eine große Rolle spielen. Meines Erachtens, kann man bei gewissen Begriffen wie “ Respekt, Frieden, Toleranz, oder Gerechtigkeit, schöne Mindmapps anfertigen lassen, indem die ganze Klasse Ihre Assoziationen mit dem Begriff aufschreibt. Anschließend lässt sich das Klassenzimmer schön damit ausschmücken.  Viel wichtiger aber ist, dass die Schülerinnen und Schüler schon früh merken, dass es anders Denkende Mitmenschen gibt und sie lernen tolerant und mit Respekt damit umzugehen. Außerdem hilft diese Methode beim erlernen neuer Vokabeln, da mehrere Sinne angeregt werden.  

  1. B) Diese Methodik erläutert Andreas Klee genauer in seinem Buch (2008) für den Politikunterricht. So sollen bei der Begriffsklärung drei Stufen durchlaufen werden.
  2. Die selbsreflektierende Begegnung: individuelle Reflexion über vorhandene Vorstellungen des Unterrichtsinhalts (Kartenabfragen, Mindmaps, Brainstorming)
  3. Die kommunikative Begegnung: diskursiver und ergebnissoffener Austausch der eigenen Vorstellungen mit den Vorstellungen der anderen Lernenden (Gruppenpuzzle, Schneeball, Marktplatz,…)
  4. Die differenzierende Begegnung: Anreicherung der individuellen und kollektiv geteilten Vorstellungen durch die Auseinandersetzung mit professionellen Urteilen (Zeitungstexte, etc.) fachwissenschaftlichen Erkenntnissen, differenzierenden Akteursperspektiven usw.)

 

3) Zu welchen zwei erziehungswissenschaftlichen Fragestellungen, die Sie in der Vorlesung kennengelernt haben, würden Sie gerne mehr erfahren im weiteren Studium im Bezug auf das Modulthema UMHET. Bitte begründen Sie Ihre Wahl? 

“Meint Inklusion wirklich alle?” Diese Fragestellung wurde im Laufe der Vorlesung behandelt. Wir erfuhren von unterschiedlichen Förderbedarfen und dass die Lösung nicht immer Exklusion sein muss. Vielmehr wurden wir auf die Möglichkeiten der Inklusion aller Kinder aufmerksam gemacht. Allerdings fehlt mir hierzu noch das pädagogische Fachwissen, um mit Kindern mit Förderbedarfen umzugehen. Daher würde ich mir praxisnahe Beispiele wünschen, die uns den Umgang mit Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarfen näherbringen. Ich kann mir nämlich vorstellen das diese Arbeit nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist. Ich bin darüber im Klaren, dass es nicht für jeden Förderbedarf oder Situation eine Musterlösung gibt. Allerdings würde mich interessieren welche elementaren Regeln es zu beachten gibt, um eine grobe Vorstellung darüber zu erlangen, wie in bestimmten Situationen zu handeln ist. 

Auch wurde ich gerne mehr über Thema “Deutsch als Zweitsprache” wünschen. Hier interessieren mich Fragen wie : ,, Wie schafft es die Lehrkraft, die Schülerinnen und Schüler in den Klassenverband zu integrieren. Wie schafft es die Lehrkraft, dass sich die anderen Schülerinnen und Schüler nicht benachteiligt fühlen? Wie sorgt die Lehrkraft dafür, dass sich die Schülerinnen und Schüler sich nicht minderwertig fühlen” oder “ Wie wird dafür gesorgt, dass Sie außerhalb der Schule die Möglichkeiten haben ihre Sprachkenntnisse auszubauen?” Diese Fragen stellten sich mir nach der Vorlesung. Eine Sitzung die sich spezifisch mit solchen Fragstellungen auseinandersetz würde ich mir gerne wünschen. Diese Fragestellungen sind mir von besonderem Interesse, da ich zunächst einmal selbst einen Migrationshintergrund mitbringe, und die damit einhergehenden Schwierigkeiten der Sprache im Alltag nur allzu gut kenne. Außerdem ist es mir als angehende Lehrkraft wichtig, danach zu streben jedem Schüler etwas für seinen Werdegang mitzugeben, sowie ihnen die gleichen Perspektiven wie die ihrer Mitschüler zu ermöglichen. Sprache darf und sollte uns daher nicht daran hindern diese Inklusion dieser Schülerinnen und Schüler zu verwirklichen.
 

Welche in den Vorlesungseinheiten von BAUMHET thematisierten Problematiken/Aspekte sehen Sie für sich persönlich als besondere Herausforderung? Wie könnten Sie sich, im Uni-Kontext oder auch darüber hinaus, auf diese Herausforderungen vorbereiten? 

 

Die Vorlesung machte mir sehr deutlich was Heterogenität bedeutet. Daher kann ich mir vorstellen, dass die Vielzahl an Aspekten, die zu beachten ist, nicht zu unterschätzen ist. Ich glaube es wird schwer, als einzelne Lehrkraft allen Schülerinnen und Schülern und ihren Bedarfen gerecht zu werden. Alles unter einen Hut zu bringen und keinen dabei zu vernachlässigen wird sich bestimmt als schwierig erweisen. Von großer Hilfe könnte hier das Praktikum sein. Hier lässt sich der Umgang von Lehrern mit Heterogenität genauer beobachten. Aus diesen Beobachtungen lassen sich Schlüsse ziehen über Ereignisse, die gut oder schlecht gelaufen sind. Man kann sich also überlegen was man adaptieren oder gegebenenfalls besser machen kann. Um letzteres umzusetzen kann man sich mit Kommilitonen austauschen, oder Literatur hinzuziehen, die sich damit beschäftigt, komplizierte Situation zu meistern. 

 

RV10 – Prof. Dr. Andrea Daase – Mehrsprachigkeit als Ausgangspunkt und Ziel schulischer Bildung in Gymnasium und Oberschule

An Ihrer Schule gibt es eine – wie üblich sehr heterogen besetzte – Vorklasse, in welcher sogenannte Seiteneinsteiger*innen Deutsch lernen und auf die Teilnahme am Regelunterricht vorbereitet werden. Für einige wird nun der Übergang diskutiert. Ein Großteil der Lehrkräfte plädiert – mit Verweis auf die noch nicht vollständig ausreichenden (bildungssprachlichen) Deutschkenntnisse – sie an eine Realschule zu überweisen, obwohl die Schüler*innen hinsichtlich ihrer Lernfähigkeit und ihrer Vorbildung eigentlich die Voraussetzungen für das Gymnasium mitbringen und gerne an der Schule bleiben würden. Nehmen Sie auf Basis der Vorlesung Stellung dazu. 

In der Vorlesung wurde uns deutlich gemacht, welche Stufen es beim Spracherwerb gibt. So gibt es zum einen, die allgemeinsprachlichen Kompetenzen, und zum anderen, die bildungssprachlichen Kompetenzen. Letzteres, muss auch von Schülerinnen und Schüler mit Deutsch als Erstsprache erworben werden. Dies geschieht in der Regel in der Schule und ist ein langwieriger Prozess. Dem Einem fällt es leichter, dem Anderen wiederum schwerer. Dieser Prozess ist aber kein Ding der Unmöglichkeit. Denn besitzt die Seiteneinsteigerin oder der Seiteneinsteiger bereits Bildungssprachliche Kompetenzen in seiner Erstsprache, ist es für sie oder ihn möglich mit Hilfe eines Zugangs zu komplexen Sprachstrukturen in der Kommunikation mit ,,Sprachexperten´´, die nötigen Voraussetzungen für das Gymnasium zu erlangen.  

Deshalb muss vorsichtig mit Zuweisungen in eine Schulform umgegangen werden. Gerade dann, wenn wir wie im Beispiel wissen, dass er durch Seine Vorbildung in seiner Erstsprache die Voraussetzungen für das Gymnasium erfüllt, und damit die Bildungssprachlichen Kompetenzen in seiner Erstsprache mitbringt. 

Welche Erfahrungen mit Mehrsprachigkeit – in der hier verstandenen breiten Sicht – in Schule und Unterricht (selbst als Schüler*in und(oder Praxiserfahrungen) haben Sie bislang gemacht? Diskutieren Sie die Erfahrungen vor dem Hintergrund dieser Vorlesung 

Auf dem Gymnasium lernte ich verschieden Schulkameraden und Ihre Sprachen kennen. Sodass auf dem Pausenhof oftmals verschiedene Sprachen zu hören waren.  Aber häufig, wenn die Lehrer nicht in Sichtweise waren. Denn sie waren eigentlich dagegen, da Sie befürchteten, es könne sich auf unser Deutsch auswirken. Zwar hatten Sie recht das einige von Ihnen noch Nachholbedarf hätten, jedoch geht aus der Vorlesung hervor, dass die Idee des Monolingualen Habitus, nicht unbedingt fördernd sein muss. Denn mit Einbezug der Erstsprachen, können Denk- und Verstehensprozesse gefördert werden, aber beispielsweiße auch zum ganzheitlichen Verständnis von mathematischen Konzepten. 

Allerdings konnte ich mit meiner Erstsprache, die nicht Deutsch ist, mit keinem anderen austauschen, da ich der einzige war, der meine Erstsprache beherrschte. Auch wüsste ich nicht, ob meine Kenntnisse meiner L1 ausreichend genug wären, um komplexere Themengebiete anzugehen. Gerade diese Problematik, wurde auch in der Vorlesung besprochen. 

Was möchten Sie nach dem Besuch dieser Vorlesung bei Ihrer zukünftigen Unterrichtsgestaltung beachten? Welches Wissen und welche Fähigkeiten fehlen Ihnen dafür noch?  

Ich möchte den mir noch nicht bekannten Stellenwert der Mehrsprachigkeit in der Schulischen Bildung in meine Unterrichtsgestaltung mit einfließen lassen. Da ich diese Erfahrung nicht an meiner Schule erleben durfte. Um das zu verwirklichen, bräuchte ich gelungene Beispiele, an denen ich mich orientieren könnte.  

Wie muss Schule unserer mehrsprachigen Gesellschaft gestaltet sein. Welche Rahmenbedingungen müssen gegeben sein, damit Sie die Mehrsprachigkeit ihrer Schüler*innen einbeziehen und einen registersensiblen Fachunterricht gestalten können? 

Der bewusste Umgang mit Sprache im Unterricht ist notwendig für das Kommunizieren und Verstehen des Unterrichtinhaltes. Das heißt, der Lehrer oder die Lehrerinn, muss sich im Klaren sein, was für eine Klasse vor ihm steht, um allen SuS die Inhalte näher bringen zu können. Dies bedarf, unterschiedliche Arbeitsmaterialien oder vereinfachte Sprache der Lehrkraft. Des Weiteren muss er dafür sorgen, dass die Kompetenzen im Sprechen, Schreiben und Lesen von allen Schülern gefördert werden indem er genügend sprachliche Hilfe anbietet. 

RV09 – Dr. Sabine Horn, Katharina Kracht – Über jüdisches Leben reden – (k)ein Tabu? Umgang mit religiöser Diversität am Beispiel Judentum

Fassen Sie die im Text dargestellten unterschiedlichen Positionen in Bezug auf die Religionsausübung zusammen. (Option 1: Koscheres Essen, verschiedene Haltungen dazu; Option 2: Können Frauen Rabbinerinnen sein?) 

 

Beim Regelwerk ihrer Religion, gehen die Meinungen der Juden auseinander. Gerade beim Thema der koscheren Ernährung, kommt es immer wieder zum Disput um die Frage, wie wichtig oder auch logisch einzelne Gesetzte seien. 

So z.B. scheiden sich die Geister bei der Frage, ob Milch- und Fleischprodukte in Kombination gegessen werden dürfen. Denn im Regelwerk der Juden, der Thora (2.Mose 23:19), geht hervor, dass das Böcklein nicht in seiner Muttermilch gekocht werden darf. So entwickelte sich im Laufe der Zeit ein generelles Verbot, Fleisch- und Milchprodukte zu mischen. Aber darf man Fleisch und Milchprodukte getrennt voneinander, auf verschiedenen Tellern, essen? Oder darf es im Magen auch nicht zur Vermischung der beiden Produkte kommen? Diese Frage lässt sich leider nicht mit Hilfe der Thora beantworten, sodass es eben bei diesem Thema verschiedene Ansichten gibt. 

Auch bei aktuellen Entwicklungen der Lebensmittelindustrie versucht man sich an das Regelwerk zu halten. So fragen sich immer mehr Gläubige ob der Verzehr von Sushi auch Regelkonform ist. Denn aus dem Meer dürfen Juden nur Fische essen, die Schuppen und Kiemen haben. Das würde heißen sie müssten auf den Verzehr von Krabben- oder Tintenfischfleisch verzichten. 

 

Wenden Sie die drei Grundannahmen des religionswissenschaftlich-kulturwissenschaftlichen Ansatzes (interne Diversität, Religion als beeinflusst von historischen Prozessen, Religion als Teil soziokultureller Strukturen, s. AB 1) auf den Text bzw. die im Text beschriebenen Haltungen und Praktiken an. Die beiden letzteren sind eventuell eher subtil und implizit im Text angelegt. 

 

In der Vorlesung ging hervor, dass man keine Religion und Ihre Mitglieder pauschalisieren kann. In unserem Beispiel kann also nicht von ,,dem Juden‘‘ die Sprache sein. Denn im heutigen Judentum existieren drei Haupströmungen. So war im Text schon von Liberalen(progressiv) und Orthodoxen Juden die Rede, welche die interne Diversität aufzeigt. Denn im Laufe der Zeit, gab es Reformen um sich dem jeweiligen Lebensumfeld anzupassen. Aber auch von aktuellen Entwicklungen wurde Gesprochen, ein Zeichen von Historischen Prozessen. Das heißt in unserem Beispiel, dass sich mit der Frage vom Verzehr von Sushi vor 100 Jahren wahrscheinlich kaum ein Jude mit der Frage beschäftigt hat. Allerdings muss sich jetzt mit dieser Frage auseinander gesetzt werden. Und auch hier gibt es verschieden Ansichten. An diesem Beispiel wird schnell deutlich, dass es schwer wird, ‚,den Juden‘‘ und seine Glaubensansichten zu definieren. Daher sollte bei jedem Juden differenziert werden, um Aussagen wie,, Wieso machst du das so? Aber ich dachte ihr Juden seid so?‘‘ zu vermeiden. 

 

Beschreiben Sie Ihre eigene Verortung gegenüber dem im Text angelegten Phänomen. Gehen Sie dabei auf die Fragen auf AB 2 ein. 

 

Ich bin völlig damit einverstanden damit, wenn Menschen Ihren Glauben so ausüben, wie es sie es für richtig halten. Ebenso habe ich als Nichtjude, nicht das Recht darüber zu urteilen ob ein Gesetz für mich logisch oder richtig erscheint, da es in Deutschland das nichtselbstverständliche Recht auf freie Religionsausübung gibt. Solange die Gesellschaft und andere Menschen nicht zu Schaden kommen, vermag ich kein Urteil darüber zu fällen. 

 

Entwickeln Sie eine schriftliche pädagogische Reflexion zum Umgang mit den folgenden Szenarien. 

Option 1: 

 

Wie in der zweiten Fragestellung thematisiert wurden ist, scheint die Schülerin nicht über die interne Diversität aufgeklärt wurden zu sein. Dies gilt es schnellstmöglich mit dem Klassenverbund im Dialog nachzuholen. Dieser Dialog sollte von der Lehrkraft gut organisiert werden, da es sich durchaus zu einem heiklen Thema entwickeln kann, und die Lehrkraft mit schwierigen Fragen konfrontiert werden kann. Voraussetzung dafür sein sollte, dass die Jüdische Schülerin damit einverstanden ist vor der ganzen Klasse geoutet zu werden, oder jenes schon der Fall ist. 

Des Weiteren würde ich der Schülerin anbieten koscheres Essen von zuhause mitzubringen, und den anderen probieren zu lassen, damit sie sich erstens nicht von den anderen abschottet, und zweitens, damit ihre Mitschülerinnen- und Schüler sehen, das koscheres Essen etwas ganz Normales ist. Dieser Kompromiss kann die Schülerinnen und Schüler Toleranz im Umgang mit Juden näherbringen. 

 

RV08 – Prof. Dr. Andreas Klee – Vorstellungen und politisches Bewusstsein als Ausgangspunkt sozialwissenschaftlichen Lernens

Diskutieren Sie die Relevanz der Arbeitshypothese der „doppelten Heterogenität“ für eines Ihrer Fächer und stellen Sie dies anhand einen konkreten Unterrichtsinhaltes dar. Eine graphische Darstellung der Hypothese finden Sie in den Vorlesungsfolien. 

Schülerinnen und Schüler sind heterogen. Deutlich wird das nochmal mit dem „Diversity Wheel“ von Loden und Rosener. Das Rad zeigt uns die zahlreichen Faktoren der Heterogenität. Die Idee der „doppelten Heterogenität“ erklärt uns warum jeder Mensch unterschiedliche Vorstellungen und Ansichten von Gewissen Begriffen hat. So muss sich der Lehrer darüber im Klaren sein, dass die unterschiedlichsten Begriffe im Alltag, für jeden Schüler durchaus andere Assoziationen hervorrufen. Im Fach Französisch wird man irgendwann mit den Begriffen, wie Liberté, Égalité oder Fraternité ( Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit) konfrontiert. Diese Begrifflichkeiten werden zu den ,, unstrukturierten’’ Begriffen gezählt, da jedes Individuum unterschiedliche Assoziationen mit diesen Begriffen hervorrufen kann. Daher gilt es diese Assoziationen bewusst herauszufordern und diese im Unterrichtsverlauf in ihrer Bedeutung fachlich zu kontextualisieren, teilweise zu relativieren und gegebenenfalls zu revidieren ( vgl. Folien Andreas Klee).  

So haben Schülerinnen und Schüler, die in Deutschland wohl behütet aufgewachsen sind, womöglich ein anderes Verständnis von Freiheit. So könnte Freiheit beispielsweise für sie bedeuten, dass sie Ihre Persönlichkeit ausdrücken und ausleben können wie sie wollen. Im Gegensatz dazu, könnten Schülerinnen und Schüler, die aus Kriegsgebieten kommen, ein Leben ohne Angst und Verfolgung, unter dem Begriff Freiheit verstehen. 

 

Skizzieren Sie unter Bezugnahme auf einen konkreten Unterrichtsinhalt drei methodische Varianten zur unterrichtspraktischen „Erhebung“ von Schüler*Innenvorstellungen. 

Geht es, um beim Beispiel zu bleiben, um den Begriff Liberté (Freiheit) lässt es sich ganz gut mit Mindmaps arbeiten. Den Schülerinnen und Schüler haben wahrscheinlich alle unterschiedliche Vorstellung die Sie mit dem Begriff Assoziieren. An dieser Stelle würde ich noch nicht mit der kommunikativen Begegnung (vgl. A. Klee) arbeiten, denn so könnte die erste Wortmeldung einer Schülerin oder eines Schülers schon die Richtung vorgeben, und andere daran hindern Ihre Vorstellung preiszugeben. Nachdem die Schülerinnen und Schüler in sich gegangen sind und ihre Ideen verschriftlicht haben, so können sie nun in kleineren Gruppen zusammenkommen und sich austauschen, um dann ihre wichtigsten Aspekte zum Begriff Freiheit auf einem Plakat festhalten und der Klasse Vorstellen. Im Anschluss besteht die Möglichkeit diese Plakate, mit fachwissenschaftlichen Erkenntnissen zu vergleichen. Es werden entweder neue Aspekte hinzu kommen, oder auch wird sich das Plakat mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen zum großen Teil decken, da verschiedene heterogene Assoziationen mit dem Begriff involviert waren. 

 

Formulieren Sie eine Beobachtungsaufgabe in Bezug auf unterschiedliche Sprachwirklichkeiten von SchülerInnen und Lehrer. 

Um unterschiedliche Sprachwirklichkeiten von Schülerinnen und Schüler nachweisen zu können, werden wir uns wahrscheinlich den Umgang mit sogenannten “unstrukturierten” Wörtern angucken müssen. Denn häufig sind es diese Begriffe, welche unterschiedliche Sprachwirklichkeiten offenbaren. So kann mit Hilfe einer Lehrkraft besprochen werden, welches Thema in seiner Unterrichtsstunde besprochen wird. Mit einem zusätzlichen Blick in die Unterrichtsmaterialen lässt sich vermuten welche Begrifflichkeiten dann auftauchen werden. Interessant sollte der Gebrauch der Schüler mit diesen Begrifflichkeiten sein. Die Vorstellungen oder Assoziationen mit diesen Begrifflichkeiten gilt es festzuhalten. Dies kann sich aber als durchaus schwierig gestalten. Also würde ich die leitende Lehrkraft zusätzlich noch fragen, ob er die Schüler Fragen könnte, Ihre Ideen und Überlegungen mit einem bestimmten Begriff, anonym auf ein Papier zu schreiben, um sie dann einsammeln zu können und sie mit den Ideen der Lehrkraft zu vergleichen. Die ersten oder letzten 15 Minuten einer Unterrichtsstunde sollten dafür ausreichen.          

 

 

 

 

Dr. Eileen Schwarzenberg – Meint Inklusion wirklich alle?

Bennenen Sie bitte die für Sie zentralen theoretischen Aspekte aus der Vorlesung und

begründen Sie die Auswahl. 

Der Begriff der Inklusion an Schulen wurde schon oft im Schulwesen besprochen und diskutiert. Auch weiß jeder was damit gemeint ist. Allerdings bleibt es leider viel zu oft nur eine Theorie. Denn viele Schulen tuen sich immer noch schwer, Kindern mit Förderbedarfen an Ihren Schulen zu inkludieren; Und falls doch, ist es nicht damit getan, Kindern mit Förderbedarfen im Unterricht teilnehmen zu lassen oder ihnen den gleichen Ressourcen zur Verfügung zu stellen, da wir ja wissen, dass Gleichheit nicht gleich Gerechtigkeit bedeutet. Schulen scheinen also noch viel zu sehr mit der Thematik überfördert. Dadurch kommt es an vielen Stellen zur “inkludierten Exklusion”, das heißt, Kinder, mit einer Behinderung zum Beispiel, besuchen dann eine für sie speziell entwickelte Schulform, wie Sonder- oder Förderschulen. Daher gilt es sich den unterschied der Integration, Exklusion und Inklusion klar vor Augen zu führen, um nicht den Fehler zu machen, sich mit der jetzigen Situation zufrieden zu geben. 

Betrachten Sie bitte Ihre bisherigen Erfahrungen an Schulen im Gemeinsamen Unterricht und reflektieren Sie kritisch folgende Fragen:

Wie würden Sie ihre Erfahrungen im Hinblick auf die theoretischen Aspekte aus der Vorlesung einordnen? (z.B. Modelle von Behinderung, „inkludierende Exklusion“).

Ich hatte in meiner Schulzeit in Hamburg, auf einem Gymnasium, leider nicht das Privileg, den Umgang mit Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen beobachten zu können. Jedoch habe ich die persönliche Erfahrung gemacht, an einem Intensivkurs Sprache teilzunehmen, um meine noch vorhandenen Deutsch Defizite auszugleichen. Man versuchte mir also nicht meine Förderbedarfe im Unterricht nachzukommen, sondern teilte mich einer Gruppe zu, die an diesem Intensivkurs teilnehmen musste. Ich erinnere mich noch sehr gut daran wie unwohl man sich dabei fühlt plötzlich nicht mehr in der Klassengemeinschaft zu sein, sondern in einer Gruppe mit “Seinesgleichen”. Wenn ich die Vorlesung richtig verstanden habe, kann hier auch die Rede einer,, inkludierten Exklusion´´ sein. 

Welchen Meinungen zur Inklusion sind Ihnen im Praktikum / in Praxiserfahrungen an Schulen, insbesondere zu der Frage der Inklusion von SuS mit sonderpädagogischem Förderbedarf an Gymnasien, begegnet und welche Auffassung vertreten Sie selbst?

Ich habe bis dato noch keine Praxiserfahrungen sammeln können, sodass ich mir über Meinungen einer spezifischen Schule zur Inklusion noch kein Bild machen konnte. Allerdings tauchen im öffentlichen Raum zahlreiche Debatten und Diskussion zum Thema auf. Häufig stellt sich nämlich die Frage, ob Kinder mit Behinderungen tatsächlich an einem Gymnasium inkludiert werden können.

Was sind ihrer Meinung nach die größten Chancen und Herausforderung der schulischen Inklusion?

Einer der größten Herausforderungen der schulischen Inklusion, ist es didaktische Konzepte zu entwickeln, die eine Heterogene Klassengemeinschaft zulassen, in der alle Mitglieder bestmöglich gefördert werden. Denn dann besteht die Chance, dass Kinder schon früh den Umgang mit Heterogenität erlernen und sich wichtige soziale Kompetenzen aneignen. 

 

Formulieren Sie eine Beobachtungaufgabe für zukünftige Praktika. Entweder zur schulischen Inklusion oder zur beruflichen Inklusion bzw. zum Übergang Schule-Beruf.

 

Wie wird mit Schülerinnen und Schüler umgegangen die Deutsch als Zweitsprache erworben haben? Mit Fokus auf: 

  • Aufgabenstellungen 
  • Kommunikation 
  • Fördermaßnahmen 
  • Integration in die Klassengemeinschaft 

 

Mathematische Leistungsunterschiede – empirische Befunde und Konsequenzen für den Mathematikunterricht

1.Sind Unterschiede in den mathematischen Leistungen von Schülerinnen und Schülern ein Grund zur Sorge? Welche Bedeutung kommt dem zweigliedrigen Schulsystem (Oberschule / Gymnasien) in Bremen diesbezüglich zu? 

In der Primärphase kommt es häufig dazu, dass Kinder einen unterschiedlichen Leistungsstand im Fach der Mathematik aufweisen. Dies ist nicht weiter gravierend, denn es gibt immer wieder Fächer in denen Kinder mal besser oder auch schlechter abschneiden. Kritisch wird es erst dann, wenn sich diese Defizite innerhalb der Sekundarstufe verstärken. Denn die Ergebnisse der Pisa Studien belegen, dass die Mathematik Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler auf den Gymnasien und den Oberschulen stark voneinander abweichen. 

Hier kommt nun die Bedeutung der Schulformen ins Spiel. Aufgrund des Prinzips der ,, Meritokratie “ müssen allen Schülerinnen und Schüler die Chance haben, sich zu verbessern und ihre Defizite abzubauen. Da sich diese Defizite sonst stark auf den Zugang zu weiteren Berufsbildungsmöglichkeiten auswirken können, die notwendig sind, um eine soziale Integration zu ermöglichen. 

 

2.Spielen im Mathematikunterricht, kann das angesichts von Leistungsunterschieden ein Ansatz sein? Beziehen und begründen Sie eine Position aus Lehrenden-Sicht, die auch Schülersichtweisen einbezieht. 

Durch das Spielen kommen auch Emotionen mit ins Spiel, die dafür sorgen, dass das gelernte länger und besser im Kopf der Schülerinnen und Schüler bleibt. Der Ansatz des Spielens kann also durchaus dazu führen, dass sonst eigentlich schwächere SuS, mit den anderen SuS mithalten können. Jedoch bleibt dies auch ein Ansatz, denn diese Methode beansprucht viel effektive Unterrichtszeit. 

3.Spielen kann im Handeln „stecken bleiben“, das Denken kommt zu kurz.  Formulieren Sie zwei Fragen, welche Ihnen helfen können, mögliche Denkhandlungen von Lernenden zu beobachten. 

  1. Wie löst das Kind die von ihm erwartete Aufgabe, ohne das Szenario des Spiels? 
  2. Profitieren hier wirklich alle Leistungsgruppen?

4.Benennen Sie zweiunterschiedliche Möglichkeiten, wie Sie als Lehrkraft ausgehend vom Spielen eine weitere kognitive Aktivierung von Lernenden anregen können. 

Strategien Anwenden– Nach der Durchführung des Spiels und der Reflexion, könnte man den Schülerinnen und Schüler kleine unbenotete Test durchführen lassen, um eventuellen Nachholbedarf oder Verbesserungen aufzuzeigen. Die Lehrkraft könnte das Spiel gegeben falls nochmal überarbeiten, um Schwächen gezielter angehen zu können. 

Reflexion der Strategien- Der korrigierte Test kann anschließend von den Schülerinnen und Schüler gründlich reflektiert werden. Sie analysieren woran es gelegen haben könnte, und woran Sie noch zu arbeiten haben. 

Empirische Forschung zu Heterogenität im naturwissenschaftlichen Unterricht: Felder und Maßnahmen

In einer Konferenz in Ihrem Fachbereich in Ihrem Fach an Ihrer Schule diskutiert das Kollegium über Maßnahmen zum Umgang mit Heterogenität. Sie erinnern sich kurz an diese Vorlesung: nennen Sie zwei empirisch überprüfte Fakten zum Umgang mit Heterogenität, die der Diskussion dienen könnten!

Die äußere Differenzierung trägt nicht wie zuerst erwartet oder erhofft dazu bei, dass sie allen Mitgliedern einer Klassen Gemeinschaft zugutekommen. Studien belegen sogar, dass sie häufig eher den Leistungsstarken helfen. Es ist also notwendig sich zu hinterfragen und zu überlegen, wie man dem zuvorkommt.  

Man könnte meinen, dass die Binnendifferenzierung dazu beiträgt, dieses Problem lösen. Jedoch gibt es auch hier Studien, die das Gegenteil beweisen. Binnendifferenzzierende Maßnahmen nehmen nämlich zu viel effektive Unterrichtszeit in Anspruch, die Essentiell für die Schüler sind. Zudem scheint diese Maßnahme auch eher größeren Effekt auf Leistungsstarke Schüler zu haben. 

Erläutern Sie, welches Unterrichtsmuster Sie in Ihrer bisherigen Erfahrung selbst als das wirkungsvollste erlebt haben! Diskutieren Sie Ihre Beobachtung vor dem Hintergrund der Vorlesung! 

Die gestuften Lernhilfen fanden in meinem Mathematik Unterricht, einer jungen Lehrerin, ihren Einsatz. Jedoch wurde mir erst mit Hilfe der Vorlesung klar, wozu sie dienen. Und ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass diese Methode sich sehr gut bewährt hat.  Denn zu einem wird einem klar, dass Mathe Aufgaben nicht unlösbar sind und durch das reine vor Augen führen und hinzufügen kleiner Tipps tatsächlich zu machen sind. Dadurch dass einem nicht der komplette Lösungsansatz gezeigt wird, war man am Ende, trotz der Benutzung der Hilfen, stolz und glücklich doch auch schwierige Aufgaben lösen zu können. Zudem offenbarte mir diese Methode, an welchen konkreten Stellen ich zu arbeiten habe. 

Entwickeln Sie eine kurze Aufgabe mit drei gestuften Lernhilfen, die Sie in Ihrem Fach morgen im Unterricht einsetzen könnten! Erläutern Sie die gestuften Lernhilfen und beschreiben Sie, wie sie im Unterricht erkennen können, ob diese erfolgreich gewählt sind. 

Französisch Unterricht: 
 
Fassen Sie den Text zusammen: 

  •  Schauen Sie nach unter Überschriften, Unterüberschriften, zwischen Überschriften 
  • Schauen Sie nach Schlüsselworten
  • Unterstreichen Sie die Hauptaussagen
  • Vokabular die helfen einen Text zu strukturieren

Eine Kollegin sagt: „Gesamtschulen sind ja immer mal wieder der letzte Trend, ob wir sie nun Oberschulen nennen oder Sekundarschulen, die Idee ist doch dieselbe. Alle werden gemeinsam unterrichtet, was für eine Ideologie. Dabei zeigt doch die empirische Forschung klar, dass das Gymnasium nur von den besten SuS besucht werden sollte. Die schlechten fühlen sich hier doch viel zu schnell überfordert und das frustriert sie so sehr, dass sie vollkommen abschalten.“ Was antworten Sie der Kollegin? 

 

Es gibt Studien, die zeigen, dass es durchaus möglich ist, das Kinder in Heterogenen Gruppen in der Lage sind Ihre Leistungen zu verbessern. So könnten die “Schlechten” von den “Besseren” lernen. Auch könnte für Sie der Anspruch entstehen genauso gut zu werden wie die Anderen. Außerdem gibt es genug Möglichkeiten auf diese vielleicht zunächst etwas schwächeren Kinder einzugehen. Denn es zeugt von Geschick und Kompetenz, wenn ein Lehrer in der Lage ist Kinder jeglicher Art zu fördern und zu motivieren. Gerade das sollte die Berufung eines jeden Lehrers sein, der diesen Beruf ausübt. 

 

 

 

Gesellschaftliche Veränderungen und die Reaktion von Schule- ein blick auf Strukturen und Konzepte

Was ist gemeint mit einer ´nationalen Orientierung des Bildungssystems´? Woran kann das festgemacht werden im Hinblick auf seine Zielgruppen, Inhalte/Fächer, Strukturen? (denken Sie hier auch an ihre eigenen Erfahrungen aus der Schulzeit zurück) 

In unserem heutigen gesellschaftlichen System haben Kinder mit Migrationshintergrund oftmals weiterhin einen geringeren sozialen Status.  Die damit einhergehenden Benachteiligungen, die Sie dann in der Schule durchleben, führen häufig zu einem verfrühten Abgang von der Schule oder ein selteneres erlangen der Hochschulreife im Vergleich mit deutschen Schulkameraden. Aufgrund dessen spricht man von einer “nationalen Orientierung des Bildungssystems”, da dadurch die migrationsgesellschaftlichen Macht- und Hierarchien verstärkt werden. 

 Zu Beginn meiner Schulzeit musste ich von einem französischen Schulsystem in ein deutsches Schulsystem wechseln, welches mir zu Beginn große Schwierigkeiten bereitete. Angekommen in Deutschland besuchte ich zunächst die zweite Klasse, welche meine Altersklasse sowie Schulklasse in der französischen Schule entsprach. Gerade in einem Fach wie Mathematik, indem die Sprache eigentlich eine nebensächliche Rolle spielen sollte, stellte sich schnell heraus, dass auch hier Erfolge ohne das Beherrschen der deutschen Sprache schwierig zu erzielen waren. Häufig wird im Mathe Unterricht mit deutschen Textaufgaben gearbeitet, um den Kindern möglichst anschauliche Aufgaben zu geben. Diese waren für mich zu jener Zeit unverständlich. Obwohl ich die Rechenwege beherrschte, konnte ich die Aufgabe nicht lösen. So erging es mir in vielen anderen Fächern auch, sodass meine Mutter und die Lehrer sich entschlossen mich in die erste Klasse zurück zu versetzen, da ich zunächst einmal meine Deutschkenntnisse verfestigen musste. 

Das angeführte Beispiel soll verdeutlichen, dass Kinder mit einem Migrationshintergrund nicht unbedingt minder intelligente Kinder sind, sondern dass es häufig an der Sprachbarriere scheitert. Dennoch scheint, dass Sprachförderungsangebot außerhalb des Unterrichts nicht ausreichend gefördert. Ein höheres Angebot von Aufgaben in anderen Sprachen oder Nachhilfeunterricht für die deutsche Sprache könnten diesen Defiziten entgegenwirken. Besonders kostenlose Sprachhilfe wäre wichtig, da es vielen Eltern an finanziellen Mitteln für privaten Nachhilfeunterricht fehlt und Sie selber meistens auch nur kaum oder wenig Deutsch sprechen 

Was nehmen Sie aus dem öffentlichen Diskurs über ´Migration als Herausforderung für die Schule´ und über sog. ´Schüler mit Migrationshintergrund´ als Informationen wahr und inwiefern hat die Vorlesung für sie andere/neue Perspektiven dazu eröffnet?

Aufgrund des hohen Aufkommens von Kindern mit Migrationshintergrund, ist es wichtig sie bestmöglich in den Unterricht mit einzubinden. Um dies zu gewährleisten, gibt es jedoch noch sehr viel Entwicklungsbedarf. Wie zum Beispiel auf der Ebene der verwendeten Lehrmittel. Viele Bücher sind aus Kostengründen nicht erneuert worden, und enthalten zum Teil noch alte nicht konforme Formulierungen oder auch Weltanschauungen. Aber auch neuere Bücher, müssten laut dem Georg-Eckert-Institut überarbeitet werden. Das GEI weist daraufhin, dass in Lehrbüchern der Umgang mit dem Thema Migration nicht genügend reflektiert und differenziert wird. Um Kindern für das Thema Migration von klein auf zu sensibilisieren, wäre eine Einbindung des Themas in Schulbücher eine besonders geeignete Option. Da ich selbst einen Migrationshintergrund habe, interessiert mich dieser Bereich besonders. Ich denke in Zukunft sollte mehr in die intensivere Untersuchung von adäquaten Realitätsbeispielen in Arbeitsmaterialien investiert werden. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Einbindung dieser Themen den Schülern vor Augen führen wird welchen Reichtum und welche Vorteile eine heterogene Gesellschaft mit sich bringt, wenn sie sie aktiv mitgestalten. Ich, in meiner zukünftigen einhergehenden Vorbildfunktion als Lehrer, möchte den Kindern zeigen, dass das Zusammenkommen von verschiedenen Kulturen und Menschen ein großer Gewinn für unsere Gesellschaft ist.

Inwiefern kann das Beispiel von Birgül(Interviewausschnitt aus einer qualitativen Studie) als Ausdruck von ´DoingCulture´ durch Lehrer*innenhandeln im Unterricht herangezogen werden?

Mit den Themen Integration und Migration kommen oftmals Vorurteile mit einher. Das vorliegende Fallbeispiel zeigt, wie auch in einem schulischen Umfeld kein Schutz davor besteht. Im Zusammenhang damit ist der Ausdruck „DoingCulture“ von hoher Relevanz. Wie das Fallbeispiel aufzeigt haben Schüler/innen mit Migrationshintergrund oftmals mit festgesetzten Weltbildern und Meinungen zu Ihrer Person zu kämpfen. Eine Herkunft scheint von außen ein klares Indiz für die Werte und Meinungen zu sein, die ein Mensch vertritt. Im Fall Birgül wird deutlich, wie ein junger Mensch, der hier geboren und aufgewachsen ist von außen stehenden Personen mit einem falschen Weltbild und Kultur identifiziert werden kann.  

Das Fallbeispiel zeigt auf, wie schwierig es sein kann einem Menschen aufgrund seiner Herkunft eine bestimmte Kultur und Denkweise zuzuschreiben. Besonders für Schüler/innen, die hier geboren sind wird es ermüdend immer wieder erklären und beweisen zu müssen, dass man anders denkt. Das Beispiel macht dem Leser ersichtlich, dass ein Mensch nicht aufgrund seiner Herkunft beurteilt werden sollte. Jeder Mensch ist ein Individuum und hat somit eine eigene Meinung unabhängig von der Herkunft. „Doing Culture“ zeigt im Zusammenhang mit dem Fall Birgül, dass niemandem eine kollektive Meinung, Werte oder Normen zugewiesen werden kann.