{"id":254,"date":"2022-10-18T15:14:50","date_gmt":"2022-10-18T13:14:50","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/NIEO2\/?page_id=254"},"modified":"2023-02-11T12:51:46","modified_gmt":"2023-02-11T11:51:46","slug":"streik","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/NIEO2\/personen-projekte-debatten\/streik\/","title":{"rendered":"Streik"},"content":{"rendered":"<div class=\"et_d4_element et_pb_section et_pb_section_0 et_pb_with_background  et_pb_css_mix_blend_mode et_section_regular et_block_section\" >\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_0  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_image et_pb_image_0\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<span class=\"et_pb_image_wrap \"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"854\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/NIEO2\/files\/logo_nieo2_twitter_titelbild-scaled.jpg\" alt=\"\" title=\"logo_nieo2_twitter_titelbild\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/NIEO2\/files\/logo_nieo2_twitter_titelbild-scaled.jpg 2560w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/NIEO2\/files\/logo_nieo2_twitter_titelbild-1280x427.jpg 1280w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/NIEO2\/files\/logo_nieo2_twitter_titelbild-980x327.jpg 980w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/NIEO2\/files\/logo_nieo2_twitter_titelbild-480x160.jpg 480w\" sizes=\"(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 2560px, 100vw\" class=\"wp-image-127\" \/><\/span>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_1  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_1  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_post_title et_pb_post_title_0 et_pb_bg_layout_light  et_pb_text_align_left\"   >\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_title_container\">\n\t\t\t\t\t<h1 class=\"entry-title\"><\/h1>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_2  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_1_2 et_pb_column et_pb_column_2  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_0  et_pb_text_align_justified et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\">Die Ausbeutung von Arbeiter*innen geh\u00f6rt zum Kapitalismus wie die unsichtbare Hand des Martkes. W\u00e4hrend sich im globalen Norden infolge hartn\u00e4ckiger Arbeitsk\u00e4mpfe der\u00a0 Standard einer 40-Stunden-Woche und relativ sicherer Arbeits-bedingungen zumindest weitgehend durchgesetzt hat, wurden viele Produktionsst\u00e4tten in andere Teile der Welt verlegt. Das Ziel: Billigere Produktion. Von den damit einhergehenden Arbeitsbedingungen und Arbeitsk\u00e4mpfen handeln die folgenden Beitr\u00e4ge<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_column_1_2 et_pb_column et_pb_column_3  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_image et_pb_image_1\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<span class=\"et_pb_image_wrap \"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1440\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/NIEO2\/files\/pexels-digital-buggu-365067-scaled.jpg\" alt=\"CC0\" title=\"pexels-digital-buggu-365067\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/NIEO2\/files\/pexels-digital-buggu-365067-scaled.jpg 2560w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/NIEO2\/files\/pexels-digital-buggu-365067-1280x720.jpg 1280w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/NIEO2\/files\/pexels-digital-buggu-365067-980x551.jpg 980w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/NIEO2\/files\/pexels-digital-buggu-365067-480x270.jpg 480w\" sizes=\"(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 2560px, 100vw\" class=\"wp-image-625\" \/><\/span>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_3  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_4  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_divider et_pb_divider_0 et_pb_space\"><div class=\"et_pb_divider_internal\"><\/div><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_4  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_3_4 et_pb_column et_pb_column_5  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_1  et_pb_text_align_justified et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><h1 style=\"text-align: left\">Menschenrechtsverletzungen f\u00fcr billige Kleidung:<\/h1>\n<h2 style=\"text-align: left\">\u00dcber die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie und die Wichtigkeit von Lieferkettengesetzen<\/h2>\n<p>Ein schlichtes wei\u00dfes T-Shirt kostet in den Gesch\u00e4ften vieler Mode-Ketten gerade mal f\u00fcnf Euro. Ein echtes Schn\u00e4ppchen! Doch ist die Produktion von Kleidung wirklich so billig? Wie kann so ein Preis zustande kommen?<\/p>\n<p>Hauptstandorte der Bekleidungsindustrie sind Bangladesch und Pakistan. Hier lassen viele bekannte Mode-Ketten ihre sogenannte Fast-Fashion produzieren. Dass in Bangladesch Kleidung produziert wird, d\u00fcrfte sp\u00e4testens 2013 in der breiten \u00d6ffentlichkeit angekommen sein \u2013 als im April die Fabrik Rana Plaza einst\u00fcrzte und \u00fcber tausend Menschen starben. Es war der bis dato gr\u00f6\u00dfte Unfall in der internationalen Textilbranche und l\u00f6ste eine weltweite Diskussion \u00fcber die miserablen Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie aus denn Sicherheitsstandards waren damals so gut wie nicht existent (Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung 2018).<\/p>\n<p>Nicht nur der Tod von \u00fcber tausend Menschen war die Folge des Geb\u00e4udeeinsturzes. Viele der N\u00e4herinnen von Rana Plaza waren Alleinverdienerinnen. Damit brachte der Einsturz viele Familien (noch n\u00e4her) an das Existenzminimum, denn Versicherungen gegen die Folgen von Arbeitsunf\u00e4llen gab es nicht. Doch mit Versicherungen allein, w\u00e4re die Situation nur minimal verbessert: \u00a0unterdurchschnittliche L\u00f6hne, zu lange Arbeitstage, ungesch\u00fctzter Umgang mit Chemikalien, fehlende Brandschutzbestimmungen \u2013 das sind die Umst\u00e4nde, unter denen die N\u00e4herinnen in der Fabrik jeden Tag arbeiten mussten. Um dagegen anzuk\u00e4mpfen bildeten sich mehrere Initiativen (Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung 2018).<\/p>\n<h3>Proteste gegen Arbeitsbedingungen<\/h3>\n<p>Sowohl w\u00fctende Proteste (dpa 2013) als auch Initiativen im globalen \u00fcbten Druck auf die Unternehmen aus, die im Rana Plaza produzierten und kritisierten die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie scharf. Mit Erfolg: Bis Mitte 2015 wurden mehr als 30 Millionen Euro aus einem Entsch\u00e4digungsfond an 2.800 Antragssteller*innen ausgezahlt. Viele westliche Unternehmen erkl\u00e4rten sich nach dem Einsturz dazu bereit, die Arbeitsstandards in den Fabriken besser zu \u00fcberwachen. Diese Absicht wurde etwa im \u201eInternational Accord for Health and Safety in the Textile and Garment Industry\u201causgearbeitet und von vielen Unternehmen unterzeichnet. Er verpflichtete die Unternehmen dazu, in ihren Fabriken unabh\u00e4ngige Inspektionen von qualifizierten Pr\u00fcfer*innen zuzulassen, deren Ergebnisse dieser Inspektionen zu ver\u00f6ffentlichen, eventuelle Reparaturen zu bezahlen und die Arbeit in Fabriken, die den Sicherheitsstandards nicht gen\u00fcgen, einzustellen (Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung 2018).<\/p>\n<p>Das alles geschah 2013. Seitdem wurde der \u201eInternational Accord for Health and Safety in the Textile and Garment Industry\u201c bereits zweimal erneuert. Trotzdem haben sich die Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie nicht ge\u00e4ndert. Die grundlegenden Probleme sind noch immer dieselben: Der Wettbewerb im Kapitalismus.<\/p>\n<p>In Bangladesch und Pakistan gibt es nun also bessere Arbeitsbedingungen und L\u00f6hne, beziehungsweise: es wird f\u00fcr sie gek\u00e4mpft. F\u00fcr die Unternehmen bedeutet das h\u00f6here Produktionskosten und f\u00fcr die Konsument*innen h\u00f6here Produktkosten. Die Unternehmen wollen aber weder ihre Kund*innen an die g\u00fcnstigere Konkurrenz verlieren, noch an Profit einb\u00fc\u00dfen. Sie versuchen also trotzdem m\u00f6glichst g\u00fcnstig zu produzieren. Da Bangladesch und Pakistan als Standorte wegfallen, muss die Produktion verlagert werden. Die L\u00f6sung? Osteuropa: Hier sind die L\u00f6hne noch recht niedrig und die Transportwege viel k\u00fcrzer \u2013 optimale Bedingungen f\u00fcr maximalen Profit (Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung 2018).<\/p>\n<h3>Ohne Gewerkschaften geht es nicht.<\/h3>\n<p>An diesem Punkt werden, \u00e4hnlich wie in Bangladesch und Pakistan, Gewerkschaften wichtig. Seit 1996 gibt es beispielsweise die Clean Clothes Campaign \u2013 die Kampagne f\u00fcr Saubere Kleidung. Laut dem deutschen Internetauftritt der Kampagne besteht ihre Arbeit aus drei Aspekten: Sie wollen erstens B\u00fcrger*innen \u00fcber die Probleme in der Bekleidungsindustrie aufkl\u00e4ren, zweitens Unternehmen dr\u00e4ngen, mehr Verantwortung f\u00fcr ihre globalen Wertsch\u00f6pfungsketten zu \u00fcbernehmen und drittens die deutsche Regierung dazu auffordern, Gesetze zu verabschieden, die Menschenrechtsverletzungen durch deutsche Unternehmen verhindern (Kampagne f\u00fcr saubere Kleidung 2022).<\/p>\n<p>Mangelnder Arbeitnehmer*innenschutz ist keine Bagatelle, sondern gilt als Menschenrechtsverletzung. In den UN-Leitprinzipien f\u00fcr Wirtschaft und Menschenrechte, die im Jahr 2011 vom UN-Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen verabschiedet wurden, wird Unternehmen eine klare Verantwortung aufgetragen: Sie sollen die Menschenrechte achten. Aber in globalisierten Wirtschaftsstrukturen kommt es immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen. \u201eUnternehmen nutzen komplexe Liefer- und Wertsch\u00f6pfungsketten mit Produktionsprozessen, bei denen es immer wieder zu t\u00f6dlichen Unf\u00e4llen, Umweltkatastrophen und schweren Menschenrechtsverletzungen kommt\u201c, schreibt das Institut f\u00fcr Menschenrechte auf ihrer Website (Institut f\u00fcr Menschenrechte 2022).<\/p>\n<h3>Stichwort: Lieferkettengesetz<\/h3>\n<p>Die Verantwortung der Unternehmen muss rechtlich klarer definiert werden. Das Stichwort lautet Lieferkettengesetze. Solche Gesetze legen die Verantwortung international agierender Unternehmen f\u00fcr ihre gesamten Produktions- und Lieferketten fest. Deshalb spricht die Clean Clothes Campaign auch von Wertsch\u00f6pfungskettengesetz. \u201eUnternehmen, die Sch\u00e4den an Mensch und Umwelt in ihren Lieferketten verursachen oder in Kauf nehmen, k\u00f6nnen mit einem Lieferkettengesetz daf\u00fcr in Haftung genommen werden\u201c, erkl\u00e4rt die Gewerkschaft ver.di auf ihrer Webseite (Ver.di 2022).<\/p>\n<p>Lieferkettengesetze sind allerdings nicht die ersten Bestreben nach gerechteren und Arbeitnehmer*innen-freundlicheren Wirtschaftsstrukturen. Bereits in den 1970er-Jahren wurde in der New International Economic Order (NIEO) festgehalten, wie die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Globalem S\u00fcden und Globalem Norden gerechter gestaltet werden k\u00f6nnten. Die NIEO war - radikal ausgedr\u00fcckt \u2013 ein Plan, wie die wirtschaftliche Hegemonie des Globalen Nordens beendet und eine globale Umverteilung stattfinden kann. Das Weltwirtschaftssystem sollte reformiert werden. Die Forderungen waren unter anderem, dass alle Staaten selbst \u00fcber ihre Ressourcen entscheiden d\u00fcrfen und dass international agierende Unternehmen st\u00e4rker reguliert werden (Gilman 2015: 2\u20133).<\/p>\n<p>Diese Reformen sollten durch neue internationale Gesetze umgesetzt werden (Gilman 2015: 4). Hier gibt es \u00c4hnlichkeiten zur jetzigen Situation mit den Lieferkettengesetzen: Die NIEO verfolgte den Ansatz eines Nicht-Staaten-Denkens verfolgte und international geltende Regeln und Gesetze forderte. Es sollte globale statt nationaler Regelungen geben \u2013 genau wie zurzeit ein globales Lieferkettengesetz gefordert wird.<\/p>\n<p>Das 2021 verabschiedete deutsche Lieferkettengesetz tritt erst 2023 in Kraft. Es verpflichtet Unternehmen dazu, Verantwortung in Bezug auf international anerkannte Menschenrechte und bestimmte Umweltstandards zu \u00fcbernehmen und bezieht sich auf die UN-Leitprinzipien f\u00fcr Wirtschaft und Menschenrechte (UNLP). Problematisch ist hierbei, dass diese Prinzipien auf freiwilliger Verpflichtung basieren. Die Gewerkschaft ver.di kritisiert auf ihrer Website, dass Gesetze, die auf Freiwilligkeit basieren, keine wirklich verbesserten Arbeitsbedingungen schaffen. Dazu gebe es zu viele Schlupfl\u00f6cher.<\/p>\n<p>Es gibt aber auch den Entwurf zu einem EU-Lieferkettengesetz. \u201eIn wichtigen Punkten geht diese[r] bereits \u00fcber das deutsche Gesetz hinaus, enth\u00e4lt aber auch weiterhin Schlupfl\u00f6cher\u201c, schreibt ver.di (Ver.di 2022). Es m\u00fcsse noch konsequenter sein, um endlich Gerechtigkeit f\u00fcr Betroffene von Menschenrechtsverletzungen zu schaffen. Die Kommission habe, so ver.di, \u00a0dem Lobby-Druck der gro\u00dfen Wirtschaftsverb\u00e4nde nachgegeben. (Ver.di 2022). \u201eF\u00fcr den gro\u00dfen Wurf m\u00fcsste die EU aber die hei\u00dfen Eisen konsequenter anfassen\u201c, fordert Johannes Heeg, der Sprecher der Initiative Lieferkettengesetz: \u201eSorgfaltspflichten nicht nur f\u00fcr ein Prozent der Unternehmen. Klare klimabezogene Pflichten in der Lieferkette. Und eine Haftungsregelung ohne Schlupfl\u00f6cher, die endlich Gerechtigkeit f\u00fcr Betroffene von Menschenrechtsverletzungen schafft\u201c (Ver.di 2022).<\/p>\n<p>Dass ein T-Shirt von einer Fast-Fashion-Marke mehr als f\u00fcnf Euro kostet, wird wohl noch dauern \u2013 mindestens bis 2023 das neue Gesetz greift. Und selbst dann ist es, angesichts der vielen Schlupfl\u00f6chern im aktuellen Entwurf, fraglich, ob es wirklich gro\u00dfe Ver\u00e4nderungen gibt. Aber eben weil es von politischer Seite aus an Handlung mangelt, ist die Aufkl\u00e4rung der Konsument*innen umso wichtiger: Nicht nur sind die Arbeitsbedingungen in der Textilbranche weiterhin miserabel, die Politik nimmt sie auch noch ohne Konsequenzen hin.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_column_1_4 et_pb_column et_pb_column_6  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_image et_pb_image_2\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<span class=\"et_pb_image_wrap \"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/NIEO2\/files\/Richtiges-Verha\u0308ltnis-markus-spiske-P0klwkGbH_M-unsplash1-scaled.jpg\" alt=\"\" title=\"markus-spiske-P0klwkGbH_M-unsplash\" \/><\/span>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_5  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_7  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_divider et_pb_divider_1 et_pb_space\"><div class=\"et_pb_divider_internal\"><\/div><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_6  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_3_4 et_pb_column et_pb_column_8  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_2  et_pb_text_align_justified et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><h1><strong>Ohne Gewerkschaften nicht m\u00f6glich<\/strong><\/h1>\n<h2><strong>Arbeitsk\u00e4mpfe und Streiks in Bangladesch<\/strong><\/h2>\n<p>Alle paar Monate dasselbe: ein Lokf\u00fchrer*innen-Streik bei der Bahn. In den Kommentarspalten der Artikel, die dazu online ver\u00f6ffentlicht werden, emp\u00f6ren sich Menschen, dar\u00fcber dass die Streikenden einfach ihre Arbeit machen sollen. Den Lokf\u00fchrer*innen und Gewerkschaften wird die Schuld an den Zugausf\u00e4llen zugeschoben. Auf den ersten Blick scheint das vielleicht logisch: Die Lokf\u00fchrer*innen sind nicht zur Arbeit erschienen, deshalb fahren keine Z\u00fcge. Aber sie streiken nicht einfach aus Spa\u00df und weil sie keine Lust auf Arbeit haben, sondern weil andere Verhandlungen f\u00fcr bessere Arbeitsbedingungen nicht erfolgreich sind. Die Schuld f\u00fcr Streiks liegt also nicht bei den Besch\u00e4ftigten, sondern bei den Arbeitgeber*innen. Die Bedeutung von Streiks scheint im gesellschaftlichen Bewusstsein nicht klar zu sein, dabei s\u00e4he die heutige Arbeitswelt ohne Streiks und Gewerkschaften v\u00f6llig anders aus.<\/p>\n<p>Bereits in der Antike gab es Streiks. Den ersten bekannten Streik bestritten Arbeiter die K\u00f6nigsgr\u00e4ber in einem \u00e4gyptischen Dorf bauten \u2013 1159 vor Christus. Ihnen wurden keine Lebensmittel mehr gegeben, also legten sie ihre Arbeit nieder. Im Mittelalter fanden die ersten bekannten Streiks in Europa statt, im Bergbau und in handwerklichen Berufen. Auch im 18. Jahrhundertstreikten viele Arbeiter*innen, allerdings unerfolgreich (G\u00fcnther 2022).<\/p>\n<p>Mitte des 19. Jahrhunderts ver\u00e4nderten sich durch die Industrialisierung die Ursachen und Gr\u00fcnde f\u00fcr Streiks innerhalb Europas. Zuvor war der Grund h\u00e4ufig, dass die Unternehmen die L\u00f6hne schlicht nicht auszahlten. Nun ging es den Arbeitnehmer*innen um bessere Arbeitsbedingungen, denn eine Arbeitswoche dauerte 80 Stunden und die L\u00f6hne waren schlecht. Weiterhin endeten die meisten Streiks in Niederlagen. Dennoch verbreitete sich der \u00a0Streik als Protestform in Deutschland schnell: \u00dcber tausend Arbeitsk\u00e4mpfe mit 200.000 bis 300.000 Streikenden wurden bis in die 1870er-Jahre ausgetragen (G\u00fcnther 2022). Bald stand fest: Arbeiter*innen brauchten eine gemeinsame Organisation, um ihre Forderungen besser durchsetzen zu k\u00f6nnen. Die Gewerkschaft.<\/p>\n<p>All diese K\u00e4mpfe zeigen, wie wichtig, Gewerkschaften, Arbeiter*innen-Organisationen und Streiks in der Arbeitswelt sind. Denn auch wenn viele Streiks zur damaligen Zeit f\u00fcr sich genommen zwar mit Niederlagen endeten, haben sie unsere Arbeitswelt nachhaltig ver\u00e4ndert. Die Standard-Wochenarbeitszeit hat sich im Globalen Norden seit dem 19. Jahrhundert halbiert von 80 auf heute 40 Arbeitsstunden. Daf\u00fcr war nicht ein einzelner Streik oder Arbeitskampf verantwortlich, sondern die Menge an K\u00e4mpfen, die \u00fcber lange Zeit in den verschiedensten Branchen gef\u00fchrt wurden. H\u00e4tten sich Arbeiter*innen nicht immer wieder organisiert und konstant f\u00fcr ihre Forderungen gek\u00e4mpft, s\u00e4he es heute vermutlich anders aus.<\/p>\n<h3>Nur durch Streiks konnte der 8-Stunden-Tag erk\u00e4mpft werden<\/h3>\n<p>In Deutschland mag das Bewusstsein f\u00fcr die Bedeutung von Streiks nicht mehr so pr\u00e4sent sein. Gewerkschaften haben bereits 1873 erst den 10- und dann den 8-Stunden-Tag erk\u00e4mpft\u2013\u00a0 Erfolge, die wir heutzutage als v\u00f6llig normal wahrnehmen (G\u00fcnther 2022). An anderen Orten der Welt ist das nicht so. In Bangladesch zum Beispiel sehen die Arbeitsrealit\u00e4ten der Menschen nochmal schlimmer aus als in Deutschland aus. Hier k\u00e4mpfen Gewerkschaften um Menschenrechte.<\/p>\n<p>Hier erlebten Gewerkschaften nach dem Geb\u00e4udeeinsturz des Rana Plazas im April 2013 viel Zuwachs und es gab viele Neugr\u00fcndungen. Viele N\u00e4herinnen traten nach der Katastrophe der National Garment Workers Federation (NGWF) bei, die f\u00fcr bessere Arbeitsbedingungen k\u00e4mpft. \u201eVorher hatten wir nicht einmal das Wochenende frei. Jetzt haben wir diese freien Tage bekommen\u201c erz\u00e4hlt Textilarbeiterin Sriti Akhtar dem Deutschen Gewerkschaftsbund 2014. \u201eMittlerweile gibt es sogar Urlaubsgeld oder Zahlungen im Krankheitsfall. Das alles haben wir durch die Gewerkschaftsarbeit erk\u00e4mpft\u201c (Deutscher Gewerkschaftsbund 2014).<\/p>\n<p>Doch Gewerkschaftsmitglieder leben gef\u00e4hrlich. 2014 wurden Betriebsr\u00e4tinnen in einer Textilfabrik angegriffen. \u201eWir hatten eine Liste mit 16 Punkte zusammengestellt, die wir dem Management \u00fcberreichen wollten. Da ging es darum, dass sie uns die L\u00f6hne p\u00fcnktlich zahlen sollen, dass wir ein Recht auf Mutterschutz haben, dass wir Extrazahlungen zum Jahresende erhalten.\u201c berichtet Shima Akter dem Deutschlandfunk. \u201eAber statt zu verhandeln, schlossen die Vorarbeiter die Fabrik von innen einfach ab. Und dann begannen sie, uns zu verpr\u00fcgeln\u201c \u00a0(Webermann 2015). Gewerkschafts-Gr\u00fcndung und -arbeit wird von den Fabrikbesitzer*innen also immer noch ungern gesehen und sogar gewaltsam unterdr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Nach dem Rana Plaza-Einsturz erreichten Gewerkschaften in der Textilbranche recht schnell einen Mindestlohn von 50 Euro im Monat (Webermann 2015). Aber die Lage unterscheidet sich von Branche zu Branche: beispielsweise 150.000 Teepfl\u00fccker*innen in Bangladesch zurzeit f\u00fcr eine Lohnerh\u00f6hung von umgerechnet 1,20 auf drei Euro pro Tag. 200 der 232 Betriebe werden bestreikt, bisher aber ohne Erfolg. Unternehmer*innen argumentieren, mit den gestiegenen Produktionskosten, wenn sie auf die ausbeuterischen Arbeitsverh\u00e4ltnisse angesprochen werden: Sie k\u00f6nnten sich bessere Arbeitsbedingungen nicht leisten. Bijoy Hajra, Zentralratsmitglied der Teearbeitergewerkschaft, sieht das kritisch: Zusagen f\u00fcr Lohnsteigerungen seien seit drei Jahren nicht umgesetzt worden, obwohl es Vereinbarungen mit den Plantagenbetreiber*innen f\u00fcr eine j\u00e4hrliche Anpassung gebe. Deshalb wird weiter gestreikt \u2013 bis sich etwas \u00e4ndert (Berger 2022).<\/p>\n<p>Gewerkschaften sind und bleiben zentral in der Interessenvertretung von Arbeit*innen. Dabei r\u00fccken zunehmend die Gewerkschaftsk\u00e4mpfe von Arbeiter*innen im Globalen S\u00fcden ins Zentrum der Aufmerksamkeit: Belegschaften m\u00fcssen gegen\u00fcber oft multinationalen, aus dem Globalen Norden stammenden Konzernen die grundlegendsten Arbeits- und Menschenrechte erk\u00e4mpfen. Dass diese Arbeitsk\u00e4mpfe in asymmetrische Nord-S\u00fcd-Beziehungen eingebettet sind, ist ebenso wenig \u00fcberraschend, wie dass Regierungen, Konsument*innen und Unternehmen des Globalen Nordens die Menschenrechtsverletzungen f\u00fcr billige Importe in Kauf nehmen. Diese K\u00e4mpfe verdienen mehr mediale Aufmerksamkeit, damit sie Erfolg haben und Konsequenzen f\u00fcr die Verantwortlichen nach sich ziehen.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_column_1_4 et_pb_column et_pb_column_9  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_toggle et_pb_toggle_0 et_pb_toggle_item  et_pb_toggle_close\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<h5 class=\"et_pb_toggle_title\">Literatur<\/h5>\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_toggle_content clearfix\">Berger, Thomas (2022): Widerstand gege Ausbeutung: Kampf f\u00fcr drei Euro pro Tag. Hg. v. Junge Welt. Online verf\u00fcgbar unter https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/432558.widerstand-gegen-ausbeutung-kampf-f%C3%BCr-drei-euro-pro-tag.html, zuletzt aktualisiert am 15.08.2022, zuletzt gepr\u00fcft am 31.08.2022.<\/p>\n<p>Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung (2018): Vor f\u00fcnf Jahren: Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch eingest\u00fcrzt. Hg. v. Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung. Online verf\u00fcgbar unter https:\/\/www.bpb.de\/kurz-knapp\/hintergrund-aktuell\/268127\/vor-fuenf-jahren-textilfabrik-rana-plaza-in-bangladesch-eingestuerzt\/, zuletzt aktualisiert am 23.04.2018, zuletzt gepr\u00fcft am 31.08.2022.<\/p>\n<p>Deutscher Gewerkschaftsbund (2014): Rana-Plaza-Katastrophe: Wie Gewerkschaften in Bangladesch den N\u00e4herinnen helfen. Hg. v. DGB. Online verf\u00fcgbar unter https:\/\/www.dgb.de\/themen\/++co++ef258b4c-4d53-11e4-a894-52540023ef1a, zuletzt aktualisiert am 07.10.2014, zuletzt gepr\u00fcft am 31.08.2022.<\/p>\n<p>dpa (2013): Nach Einsturz der Textilfabrik in Bangladesch: Proteste gegen Arbeitsbedingungen eskalieren. Hg. v. S\u00fcddeutsche Zeitung. Online verf\u00fcgbar unter https:\/\/www.sueddeutsche.de\/panorama\/nach-einsturz-der-textilfabrik-in-bangladesch-proteste-gegen-arbeitsbedingungen-eskalieren-1.1660083, zuletzt aktualisiert am 26.04.2013, zuletzt gepr\u00fcft am 31.08.2022.<\/p>\n<p>Gilman, Nils (2015): The New International Economic Order: A Reintroduction. In: <em>Humanity: An International Journal of Human Rights, Humanitarianism, and Development <\/em>6 (1), : 1\u201316.<\/p>\n<p>G\u00fcnther, Carsten (2022): Gewerkschaften: Streik und Arbeitskampf. Hg. v. WDR. Online verf\u00fcgbar unter https:\/\/www.planet-wissen.de\/gesellschaft\/organisationen\/gewerkschaften\/gewerkschaften-streik-arbeitskampf-100.html#:~:text=Erste%20Arbeitsk%C3%A4mpfe%20im%20alten%20%C3%84gypten,-Die%20Geschichte%20der&amp;text=Der%20erste%20bekannte%20Streik%20der,der%20K%C3%B6nige%20die%20K%C3%B6nigsgr%C3%A4ber%20bauten., zuletzt aktualisiert am 20.04.2022, zuletzt gepr\u00fcft am 31.08.2022.<\/p>\n<p>Institut f\u00fcr Menschenrechte (2022): Wirtschaft und Menschenrechte. Hg. v. Institut f\u00fcr Menschenrechte. Online verf\u00fcgbar unter https:\/\/www.institut-fuer-menschenrechte.de\/themen\/wirtschaft-und-menschenrechte, zuletzt gepr\u00fcft am 31.08.2022.<\/p>\n<p>Kampagne f\u00fcr saubere Kleidung (2022): \u00dcber uns. Hg. v. Kampagne f\u00fcr saubere Kleidung. Online verf\u00fcgbar unter https:\/\/saubere-kleidung.de\/ueber-uns\/, zuletzt gepr\u00fcft am 31.08.2022.<\/p>\n<p>Ver.di (2022): Schlupfl\u00f6cher im EU-Lieferkettengesetz schlie\u00dfen, Petition unterzeichnen. Hg. v. Ver.di. Online verf\u00fcgbar unter https:\/\/www.verdi.de\/themen\/internationales\/initiative-lieferkettengesetz, zuletzt aktualisiert am 11.08.2022, zuletzt gepr\u00fcft am 31.08.2022.<\/p>\n<p>Webermann, J\u00fcrgen (2015): Textilindustrie in Bangladesch: Betriebsr\u00e4tinnen leben gef\u00e4hrlich. Hg. v. Deutschlandfunk. Online verf\u00fcgbar unter https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/textilindustrie-in-bangladesch-betriebsraetinnen-leben-100.html, zuletzt aktualisiert am 06.10.2015, zuletzt gepr\u00fcft am 31.08.2022.<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":8721,"featured_media":0,"parent":99,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"<p>[et_pb_section fb_built=\"1\" _builder_version=\"4.18.0\" _module_preset=\"default\" global_colors_info=\"{}\"][et_pb_row _builder_version=\"4.18.0\" _module_preset=\"default\" global_colors_info=\"{}\"][et_pb_column type=\"4_4\" _builder_version=\"4.18.0\" _module_preset=\"default\" global_colors_info=\"{}\"][et_pb_image src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/NIEO2\/files\/logo_nieo2_twitter_titelbild-scaled.jpg\" title_text=\"logo_nieo2_twitter_titelbild\" _builder_version=\"4.18.0\" _module_preset=\"default\" global_colors_info=\"{}\"][\/et_pb_image][\/et_pb_column][\/et_pb_row][et_pb_row _builder_version=\"4.18.0\" _module_preset=\"default\" global_colors_info=\"{}\"][et_pb_column type=\"4_4\" _builder_version=\"4.18.0\" _module_preset=\"default\" global_colors_info=\"{}\"][et_pb_post_title _builder_version=\"4.18.0\" _module_preset=\"default\" global_colors_info=\"{}\"][\/et_pb_post_title][\/et_pb_column][\/et_pb_row][et_pb_row column_structure=\"1_2,1_2\" _builder_version=\"4.18.0\" _module_preset=\"default\" global_colors_info=\"{}\"][et_pb_column type=\"1_2\" _builder_version=\"4.18.0\" _module_preset=\"default\" global_colors_info=\"{}\"][et_pb_text admin_label=\"TEASER\" _builder_version=\"4.19.0\" _module_preset=\"default\" global_colors_info=\"{}\"]<\/p><p>Die Ausbeutung von Arbeiter*innen geh\u00f6rt zum Kapitalismus wie die unsichtbare Hand des Martkes. W\u00e4hrend sich im globalen Norden infolge hartn\u00e4ckiger Arbeitsk\u00e4mpfe der\u00a0 Standard einer 40-Stunden-Woche und relativ sicherer Arbeits-bedingungen zumindest weitgehend durchgesetzt hat, wurden viele Produktionsst\u00e4tten in andere Teile der Welt verlegt. Das Ziel: Billigere Produktion. Von den damit einhergehenden Arbeitsbedingungen und Arbeitsk\u00e4mpfen handeln die folgenden Beitr\u00e4ge<\/p><p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=\"1_2\" _builder_version=\"4.18.0\" _module_preset=\"default\" global_colors_info=\"{}\"][et_pb_image src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/NIEO2\/files\/Richtiges-Verha\u0308ltnis-markus-spiske-P0klwkGbH_M-unsplash1-scaled.jpg\" title_text=\"markus-spiske-P0klwkGbH_M-unsplash\" _builder_version=\"4.19.1\" _module_preset=\"default\" hover_enabled=\"0\" global_colors_info=\"{}\" sticky_enabled=\"0\"][\/et_pb_image][\/et_pb_column][\/et_pb_row][et_pb_row _builder_version=\"4.18.0\" _module_preset=\"default\" global_colors_info=\"{}\"][et_pb_column type=\"4_4\" _builder_version=\"4.18.0\" _module_preset=\"default\" global_colors_info=\"{}\"][et_pb_divider _builder_version=\"4.18.0\" _module_preset=\"default\" global_colors_info=\"{}\"][\/et_pb_divider][\/et_pb_column][\/et_pb_row][et_pb_row column_structure=\"2_3,1_3\" _builder_version=\"4.18.0\" _module_preset=\"default\" min_height=\"4044.2px\" custom_padding=\"|2px|0px|2px|false|true\" global_colors_info=\"{}\"][et_pb_column type=\"2_3\" _builder_version=\"4.18.0\" _module_preset=\"default\" global_colors_info=\"{}\"][et_pb_text _builder_version=\"4.19.0\" _module_preset=\"default\" global_colors_info=\"{}\"]<\/p><h1 style=\"text-align: left;\"><strong>Menschenrechtsverletzungen f\u00fcr billige Kleidung<\/strong><\/h1><h2 style=\"text-align: left;\"><strong>\u00dcber die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie und die Wichtigkeit von Lieferkettengesetzen<\/strong><\/h2><p>Ein schlichtes wei\u00dfes T-Shirt kostet in den Gesch\u00e4ften vieler Mode-Ketten gerade mal f\u00fcnf Euro. Ein echtes Schn\u00e4ppchen! Doch ist die Produktion von Kleidung wirklich so billig? Wie kann so ein Preis zustande kommen?<\/p><p>Hauptstandorte der Bekleidungsindustrie sind Bangladesch und Pakistan. Hier lassen viele bekannte Mode-Ketten ihre sogenannte Fast-Fashion produzieren. Dass in Bangladesch Kleidung produziert wird, d\u00fcrfte sp\u00e4testens 2013 in der breiten \u00d6ffentlichkeit angekommen sein \u2013 als im April die Fabrik Rana Plaza einst\u00fcrzte und \u00fcber tausend Menschen starben. Es war der bis dato gr\u00f6\u00dfte Unfall in der internationalen Textilbranche und l\u00f6ste eine weltweite Diskussion \u00fcber die miserablen Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie aus denn Sicherheitsstandards waren damals so gut wie nicht existent (Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung 2018).<\/p><p>Nicht nur der Tod von \u00fcber tausend Menschen war die Folge des Geb\u00e4udeeinsturzes. Viele der N\u00e4herinnen von Rana Plaza waren Alleinverdienerinnen. Damit brachte der Einsturz viele Familien (noch n\u00e4her) an das Existenzminimum, denn Versicherungen gegen die Folgen von Arbeitsunf\u00e4llen gab es nicht. Doch mit Versicherungen allein, w\u00e4re die Situation nur minimal verbessert: \u00a0unterdurchschnittliche L\u00f6hne, zu lange Arbeitstage, ungesch\u00fctzter Umgang mit Chemikalien, fehlende Brandschutzbestimmungen \u2013 das sind die Umst\u00e4nde, unter denen die N\u00e4herinnen in der Fabrik jeden Tag arbeiten mussten. Um dagegen anzuk\u00e4mpfen bildeten sich mehrere Initiativen (Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung 2018).<\/p><h3>Proteste gegen Arbeitsbedingungen<\/h3><p>Sowohl w\u00fctende Proteste (dpa 2013) als auch Initiativen im globalen \u00fcbten Druck auf die Unternehmen aus, die im Rana Plaza produzierten und kritisierten die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie scharf. Mit Erfolg: Bis Mitte 2015 wurden mehr als 30 Millionen Euro aus einem Entsch\u00e4digungsfond an 2.800 Antragssteller*innen ausgezahlt. Viele westliche Unternehmen erkl\u00e4rten sich nach dem Einsturz dazu bereit, die Arbeitsstandards in den Fabriken besser zu \u00fcberwachen. Diese Absicht wurde etwa im \u201eInternational Accord for Health and Safety in the Textile and Garment Industry\u201causgearbeitet und von vielen Unternehmen unterzeichnet. Er verpflichtete die Unternehmen dazu, in ihren Fabriken unabh\u00e4ngige Inspektionen von qualifizierten Pr\u00fcfer*innen zuzulassen, deren Ergebnisse dieser Inspektionen zu ver\u00f6ffentlichen, eventuelle Reparaturen zu bezahlen und die Arbeit in Fabriken, die den Sicherheitsstandards nicht gen\u00fcgen, einzustellen (Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung 2018).<\/p><p>Das alles geschah 2013. Seitdem wurde der \u201eInternational Accord for Health and Safety in the Textile and Garment Industry\u201c bereits zweimal erneuert. Trotzdem haben sich die Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie nicht ge\u00e4ndert. Die grundlegenden Probleme sind noch immer dieselben: Der Wettbewerb im Kapitalismus.<\/p><p>In Bangladesch und Pakistan gibt es nun also bessere Arbeitsbedingungen und L\u00f6hne, beziehungsweise: es wird f\u00fcr sie gek\u00e4mpft. F\u00fcr die Unternehmen bedeutet das h\u00f6here Produktionskosten und f\u00fcr die Konsument*innen h\u00f6here Produktkosten. Die Unternehmen wollen aber weder ihre Kund*innen an die g\u00fcnstigere Konkurrenz verlieren, noch an Profit einb\u00fc\u00dfen. Sie versuchen also trotzdem m\u00f6glichst g\u00fcnstig zu produzieren. Da Bangladesch und Pakistan als Standorte wegfallen, muss die Produktion verlagert werden. Die L\u00f6sung? Osteuropa: Hier sind die L\u00f6hne noch recht niedrig und die Transportwege viel k\u00fcrzer \u2013 optimale Bedingungen f\u00fcr maximalen Profit (Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung 2018).<\/p><h3>Ohne Gewerkschaften geht es nicht.<\/h3><p>An diesem Punkt werden, \u00e4hnlich wie in Bangladesch und Pakistan, Gewerkschaften wichtig. Seit 1996 gibt es beispielsweise die Clean Clothes Campaign \u2013 die Kampagne f\u00fcr Saubere Kleidung. Laut dem deutschen Internetauftritt der Kampagne besteht ihre Arbeit aus drei Aspekten: Sie wollen erstens B\u00fcrger*innen \u00fcber die Probleme in der Bekleidungsindustrie aufkl\u00e4ren, zweitens Unternehmen dr\u00e4ngen, mehr Verantwortung f\u00fcr ihre globalen Wertsch\u00f6pfungsketten zu \u00fcbernehmen und drittens die deutsche Regierung dazu auffordern, Gesetze zu verabschieden, die Menschenrechtsverletzungen durch deutsche Unternehmen verhindern (Kampagne f\u00fcr saubere Kleidung 2022).<\/p><p>Mangelnder Arbeitnehmer*innenschutz ist keine Bagatelle, sondern gilt als Menschenrechtsverletzung. In den UN-Leitprinzipien f\u00fcr Wirtschaft und Menschenrechte, die im Jahr 2011 vom UN-Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen verabschiedet wurden, wird Unternehmen eine klare Verantwortung aufgetragen: Sie sollen die Menschenrechte achten. Aber in globalisierten Wirtschaftsstrukturen kommt es immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen. \u201eUnternehmen nutzen komplexe Liefer- und Wertsch\u00f6pfungsketten mit Produktionsprozessen, bei denen es immer wieder zu t\u00f6dlichen Unf\u00e4llen, Umweltkatastrophen und schweren Menschenrechtsverletzungen kommt\u201c, schreibt das Institut f\u00fcr Menschenrechte auf ihrer Website (Institut f\u00fcr Menschenrechte 2022).<\/p><h3>Stichwort: Lieferkettengesetz<\/h3><p>Die Verantwortung der Unternehmen muss rechtlich klarer definiert werden. Das Stichwort lautet Lieferkettengesetze. Solche Gesetze legen die Verantwortung international agierender Unternehmen f\u00fcr ihre gesamten Produktions- und Lieferketten fest. Deshalb spricht die Clean Clothes Campaign auch von Wertsch\u00f6pfungskettengesetz. \u201eUnternehmen, die Sch\u00e4den an Mensch und Umwelt in ihren Lieferketten verursachen oder in Kauf nehmen, k\u00f6nnen mit einem Lieferkettengesetz daf\u00fcr in Haftung genommen werden\u201c, erkl\u00e4rt die Gewerkschaft ver.di auf ihrer Webseite (Ver.di 2022).<\/p><p>Lieferkettengesetze sind allerdings nicht die ersten Bestreben nach gerechteren und Arbeitnehmer*innen-freundlicheren Wirtschaftsstrukturen. Bereits in den 1970er-Jahren wurde in der New International Economic Order (NIEO) festgehalten, wie die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Globalem S\u00fcden und Globalem Norden gerechter gestaltet werden k\u00f6nnten. Die NIEO war - radikal ausgedr\u00fcckt \u2013 ein Plan, wie die wirtschaftliche Hegemonie des Globalen Nordens beendet und eine globale Umverteilung stattfinden kann. Das Weltwirtschaftssystem sollte reformiert werden. Die Forderungen waren unter anderem, dass alle Staaten selbst \u00fcber ihre Ressourcen entscheiden d\u00fcrfen und dass international agierende Unternehmen st\u00e4rker reguliert werden (Gilman 2015: 2\u20133).<\/p><p>Diese Reformen sollten durch neue internationale Gesetze umgesetzt werden (Gilman 2015: 4). Hier gibt es \u00c4hnlichkeiten zur jetzigen Situation mit den Lieferkettengesetzen: Die NIEO verfolgte den Ansatz eines Nicht-Staaten-Denkens verfolgte und international geltende Regeln und Gesetze forderte. Es sollte globale statt nationaler Regelungen geben \u2013 genau wie zurzeit ein globales Lieferkettengesetz gefordert wird.<\/p><p>Das 2021 verabschiedete deutsche Lieferkettengesetz tritt erst 2023 in Kraft. Es verpflichtet Unternehmen dazu, Verantwortung in Bezug auf international anerkannte Menschenrechte und bestimmte Umweltstandards zu \u00fcbernehmen und bezieht sich auf die UN-Leitprinzipien f\u00fcr Wirtschaft und Menschenrechte (UNLP). Problematisch ist hierbei, dass diese Prinzipien auf freiwilliger Verpflichtung basieren. Die Gewerkschaft ver.di kritisiert auf ihrer Website, dass Gesetze, die auf Freiwilligkeit basieren, keine wirklich verbesserten Arbeitsbedingungen schaffen. Dazu gebe es zu viele Schlupfl\u00f6cher.<\/p><p>Es gibt aber auch den Entwurf zu einem EU-Lieferkettengesetz. \u201eIn wichtigen Punkten geht diese[r] bereits \u00fcber das deutsche Gesetz hinaus, enth\u00e4lt aber auch weiterhin Schlupfl\u00f6cher\u201c, schreibt ver.di (Ver.di 2022). Es m\u00fcsse noch konsequenter sein, um endlich Gerechtigkeit f\u00fcr Betroffene von Menschenrechtsverletzungen zu schaffen. Die Kommission habe, so ver.di, \u00a0dem Lobby-Druck der gro\u00dfen Wirtschaftsverb\u00e4nde nachgegeben. (Ver.di 2022). \u201eF\u00fcr den gro\u00dfen Wurf m\u00fcsste die EU aber die hei\u00dfen Eisen konsequenter anfassen\u201c, fordert Johannes Heeg, der Sprecher der Initiative Lieferkettengesetz: \u201eSorgfaltspflichten nicht nur f\u00fcr ein Prozent der Unternehmen. Klare klimabezogene Pflichten in der Lieferkette. Und eine Haftungsregelung ohne Schlupfl\u00f6cher, die endlich Gerechtigkeit f\u00fcr Betroffene von Menschenrechtsverletzungen schafft\u201c (Ver.di 2022).<\/p><p>Dass ein T-Shirt von einer Fast-Fashion-Marke mehr als f\u00fcnf Euro kostet, wird wohl noch dauern \u2013 mindestens bis 2023 das neue Gesetz greift. Und selbst dann ist es, angesichts der vielen Schlupfl\u00f6chern im aktuellen Entwurf, fraglich, ob es wirklich gro\u00dfe Ver\u00e4nderungen gibt. Aber eben weil es von politischer Seite aus an Handlung mangelt, ist die Aufkl\u00e4rung der Konsument*innen umso wichtiger: Nicht nur sind die Arbeitsbedingungen in der Textilbranche weiterhin miserabel, die Politik nimmt sie auch noch ohne Konsequenzen hin.<\/p><p>[\/et_pb_text][et_pb_divider _builder_version=\"4.19.0\" _module_preset=\"default\" global_colors_info=\"{}\"][\/et_pb_divider][et_pb_text _builder_version=\"4.19.0\" _module_preset=\"default\" global_colors_info=\"{}\"]<\/p><h1><strong>Ohne Gewerkschaften nicht m\u00f6glich<\/strong><\/h1><h2><strong>Arbeitsk\u00e4mpfe und Streiks in Bangladesch<\/strong><\/h2><p>Alle paar Monatedasselbe: ein Lokf\u00fchrer*innen-Streik bei der Bahn. In den Kommentarspalten der Artikel, die dazu online ver\u00f6ffentlicht werden, emp\u00f6ren sich Menschen, dar\u00fcber dass die Streikenden einfach ihre Arbeit machen sollen. Den Lokf\u00fchrer*innen und Gewerkschaften wird die Schuld an den Zugausf\u00e4llen zugeschoben. Auf den ersten Blick scheint das vielleicht logisch: Die Lokf\u00fchrer*innen sind nicht zur Arbeit erschienen, deshalb fahren keine Z\u00fcge. Aber sie streiken nicht einfach aus Spa\u00df und weil sie keine Lust auf Arbeit haben, sondern weil andere Verhandlungen f\u00fcr bessere Arbeitsbedingungen nicht erfolgreich sind. Die Schuld f\u00fcr Streiks liegt also nicht bei den Besch\u00e4ftigten, sondern bei den Arbeitgeber*innen. Die Bedeutung von Streiks scheint im gesellschaftlichen Bewusstsein nicht klar zu sein, dabei s\u00e4he die heutige Arbeitswelt ohne Streiks und Gewerkschaften v\u00f6llig anders aus.<\/p><p>Bereits in der Antike gab es Streiks. Den ersten bekannten Streik bestritten Arbeiter die K\u00f6nigsgr\u00e4ber in einem \u00e4gyptischen Dorf bauten \u2013 1159 vor Christus. Ihnen wurden keine Lebensmittel mehr gegeben, also legten sie ihre Arbeit nieder. Im Mittelalter fanden die ersten bekannten Streiks in Europa statt, im Bergbau und in handwerklichen Berufen. Auch im 18. Jahrhundertstreikten viele Arbeiter*innen, allerdings unerfolgreich (G\u00fcnther 2022).<\/p><p>Mitte des 19. Jahrhunderts ver\u00e4nderten sich durch die Industrialisierung die Ursachen und Gr\u00fcnde f\u00fcr Streiks innerhalb Europas. Zuvor war der Grund h\u00e4ufig, dass die Unternehmen die L\u00f6hne schlicht nicht auszahlten. Nun ging es den Arbeitnehmer*innen um bessere Arbeitsbedingungen, denn eine Arbeitswoche dauerte 80 Stunden und die L\u00f6hne waren schlecht. Weiterhin endeten die meisten Streiks in Niederlagen. Dennoch verbreitete sich der \u00a0Streik als Protestform in Deutschland schnell: \u00dcber tausend Arbeitsk\u00e4mpfe mit 200.000 bis 300.000 Streikenden wurden bis in die 1870er-Jahre ausgetragen (G\u00fcnther 2022). Bald stand fest: Arbeiter*innen brauchten eine gemeinsame Organisation, um ihre Forderungen besser durchsetzen zu k\u00f6nnen. Die Gewerkschaft.<\/p><p>All diese K\u00e4mpfe zeigen, wie wichtig, Gewerkschaften, Arbeiter*innen-Organisationen und Streiks in der Arbeitswelt sind. Denn auch wenn viele Streiks zur damaligen Zeit f\u00fcr sich genommen zwar mit Niederlagen endeten, haben sie unsere Arbeitswelt nachhaltig ver\u00e4ndert. Die Standard-Wochenarbeitszeit hat sich im Globalen Norden seit dem 19. Jahrhundert halbiert von 80 auf heute 40 Arbeitsstunden. Daf\u00fcr war nicht ein einzelner Streik oder Arbeitskampf verantwortlich, sondern die Menge an K\u00e4mpfen, die \u00fcber lange Zeit in den verschiedensten Branchen gef\u00fchrt wurden. H\u00e4tten sich Arbeiter*innen nicht immer wieder organisiert und konstant f\u00fcr ihre Forderungen gek\u00e4mpft, s\u00e4he es heute vermutlich anders aus.<\/p><h3>Nur durch Streiks konnte der 8-Stunden-Tag erk\u00e4mpft werden<\/h3><p>In Deutschland mag das Bewusstsein f\u00fcr die Bedeutung von Streiks nicht mehr so pr\u00e4sent sein. Gewerkschaften haben bereits 1873 erst den 10- und dann den 8-Stunden-Tag erk\u00e4mpft\u2013\u00a0 Erfolge, die wir heutzutage als v\u00f6llig normal wahrnehmen (G\u00fcnther 2022). An anderen Orten der Welt ist das nicht so. In Bangladesch zum Beispiel sehen die Arbeitsrealit\u00e4ten der Menschen nochmal schlimmer aus als in Deutschland aus. Hier k\u00e4mpfen Gewerkschaften um Menschenrechte.<\/p><p>Hier erlebten Gewerkschaften nach dem Geb\u00e4udeeinsturz des Rana Plazas im April 2013 viel Zuwachs und es gab viele Neugr\u00fcndungen. Viele N\u00e4herinnen traten nach der Katastrophe der National Garment Workers Federation (NGWF) bei, die f\u00fcr bessere Arbeitsbedingungen k\u00e4mpft. \u201eVorher hatten wir nicht einmal das Wochenende frei. Jetzt haben wir diese freien Tage bekommen\u201c erz\u00e4hlt Textilarbeiterin Sriti Akhtar dem Deutschen Gewerkschaftsbund 2014. \u201eMittlerweile gibt es sogar Urlaubsgeld oder Zahlungen im Krankheitsfall. Das alles haben wir durch die Gewerkschaftsarbeit erk\u00e4mpft\u201c (Deutscher Gewerkschaftsbund 2014).<\/p><p>Doch Gewerkschaftsmitglieder leben gef\u00e4hrlich. 2014 wurden Betriebsr\u00e4tinnen in einer Textilfabrik angegriffen. \u201eWir hatten eine Liste mit 16 Punkte zusammengestellt, die wir dem Management \u00fcberreichen wollten. Da ging es darum, dass sie uns die L\u00f6hne p\u00fcnktlich zahlen sollen, dass wir ein Recht auf Mutterschutz haben, dass wir Extrazahlungen zum Jahresende erhalten.\u201c berichtet Shima Akter dem Deutschlandfunk. \u201eAber statt zu verhandeln, schlossen die Vorarbeiter die Fabrik von innen einfach ab. Und dann begannen sie, uns zu verpr\u00fcgeln\u201c \u00a0(Webermann 2015). Gewerkschafts-Gr\u00fcndung und -arbeit wird von den Fabrikbesitzer*innen also immer noch ungern gesehen und sogar gewaltsam unterdr\u00fcckt.<\/p><p>Nach dem Rana Plaza-Einsturz erreichten Gewerkschaften in der Textilbranche recht schnell einen Mindestlohn von 50 Euro im Monat (Webermann 2015). Aber die Lage unterscheidet sich von Branche zu Branche: beispielsweise 150.000 Teepfl\u00fccker*innen in Bangladesch zurzeit f\u00fcr eine Lohnerh\u00f6hung von umgerechnet 1,20 auf drei Euro pro Tag. 200 der 232 Betriebe werden bestreikt, bisher aber ohne Erfolg. Unternehmer*innen argumentieren, mit den gestiegenen Produktionskosten, wenn sie auf die ausbeuterischen Arbeitsverh\u00e4ltnisse angesprochen werden: Sie k\u00f6nnten sich bessere Arbeitsbedingungen nicht leisten. Bijoy Hajra, Zentralratsmitglied der Teearbeitergewerkschaft, sieht das kritisch: Zusagen f\u00fcr Lohnsteigerungen seien seit drei Jahren nicht umgesetzt worden, obwohl es Vereinbarungen mit den Plantagenbetreiber*innen f\u00fcr eine j\u00e4hrliche Anpassung gebe. Deshalb wird weiter gestreikt \u2013 bis sich etwas \u00e4ndert (Berger 2022).<\/p><p>Gewerkschaften sind und bleiben zentral in der Interessenvertretung von Arbeit*innen. Dabei r\u00fccken zunehmend die Gewerkschaftsk\u00e4mpfe von Arbeiter*innen im Globalen S\u00fcden ins Zentrum der Aufmerksamkeit: Belegschaften m\u00fcssen gegen\u00fcber oft multinationalen, aus dem Globalen Norden stammenden Konzernen die grundlegendsten Arbeits- und Menschenrechte erk\u00e4mpfen. Dass diese Arbeitsk\u00e4mpfe in asymmetrische Nord-S\u00fcd-Beziehungen eingebettet sind, ist ebenso wenig \u00fcberraschend, wie dass Regierungen, Konsument*innen und Unternehmen des Globalen Nordens die Menschenrechtsverletzungen f\u00fcr billige Importe in Kauf nehmen. Diese K\u00e4mpfe verdienen mehr mediale Aufmerksamkeit, damit sie Erfolg haben und Konsequenzen f\u00fcr die Verantwortlichen nach sich ziehen.<\/p><p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=\"1_3\" _builder_version=\"4.18.0\" _module_preset=\"default\" global_colors_info=\"{}\"][et_pb_toggle title=\"Literatur\" _builder_version=\"4.19.0\" _module_preset=\"default\" global_colors_info=\"{}\"]<\/p><p>Berger, Thomas (2022): Widerstand gege Ausbeutung: Kampf f\u00fcr drei Euro pro Tag. Hg. v. Junge Welt. Online verf\u00fcgbar unter https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/432558.widerstand-gegen-ausbeutung-kampf-f%C3%BCr-drei-euro-pro-tag.html, zuletzt aktualisiert am 15.08.2022, zuletzt gepr\u00fcft am 31.08.2022.<\/p><p>Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung (2018): Vor f\u00fcnf Jahren: Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch eingest\u00fcrzt. Hg. v. Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung. Online verf\u00fcgbar unter https:\/\/www.bpb.de\/kurz-knapp\/hintergrund-aktuell\/268127\/vor-fuenf-jahren-textilfabrik-rana-plaza-in-bangladesch-eingestuerzt\/, zuletzt aktualisiert am 23.04.2018, zuletzt gepr\u00fcft am 31.08.2022.<\/p><p>Deutscher Gewerkschaftsbund (2014): Rana-Plaza-Katastrophe: Wie Gewerkschaften in Bangladesch den N\u00e4herinnen helfen. Hg. v. DGB. Online verf\u00fcgbar unter https:\/\/www.dgb.de\/themen\/++co++ef258b4c-4d53-11e4-a894-52540023ef1a, zuletzt aktualisiert am 07.10.2014, zuletzt gepr\u00fcft am 31.08.2022.<\/p><p>dpa (2013): Nach Einsturz der Textilfabrik in Bangladesch: Proteste gegen Arbeitsbedingungen eskalieren. Hg. v. S\u00fcddeutsche Zeitung. Online verf\u00fcgbar unter https:\/\/www.sueddeutsche.de\/panorama\/nach-einsturz-der-textilfabrik-in-bangladesch-proteste-gegen-arbeitsbedingungen-eskalieren-1.1660083, zuletzt aktualisiert am 26.04.2013, zuletzt gepr\u00fcft am 31.08.2022.<\/p><p>Gilman, Nils (2015): The New International Economic Order: A Reintroduction. In: <em>Humanity: An International Journal of Human Rights, Humanitarianism, and Development <\/em>6 (1), : 1\u201316.<\/p><p>G\u00fcnther, Carsten (2022): Gewerkschaften: Streik und Arbeitskampf. Hg. v. WDR. Online verf\u00fcgbar unter https:\/\/www.planet-wissen.de\/gesellschaft\/organisationen\/gewerkschaften\/gewerkschaften-streik-arbeitskampf-100.html#:~:text=Erste%20Arbeitsk%C3%A4mpfe%20im%20alten%20%C3%84gypten,-Die%20Geschichte%20der&text=Der%20erste%20bekannte%20Streik%20der,der%20K%C3%B6nige%20die%20K%C3%B6nigsgr%C3%A4ber%20bauten., zuletzt aktualisiert am 20.04.2022, zuletzt gepr\u00fcft am 31.08.2022.<\/p><p>Institut f\u00fcr Menschenrechte (2022): Wirtschaft und Menschenrechte. Hg. v. Institut f\u00fcr Menschenrechte. Online verf\u00fcgbar unter https:\/\/www.institut-fuer-menschenrechte.de\/themen\/wirtschaft-und-menschenrechte, zuletzt gepr\u00fcft am 31.08.2022.<\/p><p>Kampagne f\u00fcr saubere Kleidung (2022): \u00dcber uns. Hg. v. Kampagne f\u00fcr saubere Kleidung. Online verf\u00fcgbar unter https:\/\/saubere-kleidung.de\/ueber-uns\/, zuletzt gepr\u00fcft am 31.08.2022.<\/p><p>Ver.di (2022): Schlupfl\u00f6cher im EU-Lieferkettengesetz schlie\u00dfen, Petition unterzeichnen. Hg. v. Ver.di. Online verf\u00fcgbar unter https:\/\/www.verdi.de\/themen\/internationales\/initiative-lieferkettengesetz, zuletzt aktualisiert am 11.08.2022, zuletzt gepr\u00fcft am 31.08.2022.<\/p><p>Webermann, J\u00fcrgen (2015): Textilindustrie in Bangladesch: Betriebsr\u00e4tinnen leben gef\u00e4hrlich. Hg. v. Deutschlandfunk. Online verf\u00fcgbar unter https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/textilindustrie-in-bangladesch-betriebsraetinnen-leben-100.html, zuletzt aktualisiert am 06.10.2015, zuletzt gepr\u00fcft am 31.08.2022.<\/p><p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/p>","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"class_list":["post-254","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/NIEO2\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/254","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/NIEO2\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/NIEO2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/NIEO2\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8721"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/NIEO2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=254"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/NIEO2\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/254\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":646,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/NIEO2\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/254\/revisions\/646"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/NIEO2\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/99"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/NIEO2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=254"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}