50 Jahre Fachbereich Wirtschaftswissenschaft

Zeit des Ausbaus 1991-2000

 

Am 23.10.1996 wird in der oberen Rathaushalle mit einem Festakt das 25-jährige Bestehen der Universität Bremen gefeiert. 1994 erhält die Universität Haushaltsautonomie. Im Jahr 1995 wird von Rektor Timm der Hochschulentwicklungsplan, HEP III, begründet. Eine Organisationsentwicklung wird eingeleitet und neue Forschungsschwerpunkte werden für die Universität Bremen beschlossen. Erste kooperative Studiengänge, etwa für Wirtschaftsingenieurwesen, werden entwickelt und angeboten. 1996 wird der Umweltausschuss der Universität gegründet. Heute ist die Universität Bremen eine sogenannte Klima-Universität. Zur besseren Erreichbarkeit wird 1998 das Straßenbahnnetz der Stadt Bremen bis zur Universität Bremen erweitert und die Straßenbahnlinie 6 in Betrieb genommen.

Anfang des Jahrzehnts standen weltpolitisch die Kriege im ehemaligen Jugoslawien und die Auflösung der Sowjetunion im Vordergrund. 1992 geht in Deutschland das Mobilfunk-D-Netz in Betrieb und der SV Werder Bremen holte sich den Europapokal der Pokalsieger. 1993 wurde der Europäische Binnenmarkt verwirklicht. Bill Clinton wurde Präsident der USA. Reinhard Selten erhält 1994 den Wirtschaftsnobelpreis. Im Jahr 1995 führte die Metallindustrie die 35-Stunden-Woche ein. Deep Blue bezwingt den Schachweltmeister Garry Kasparow. Gerhard Schröder wird 1998 zum Bundeskanzler gewählt. Ein Jahr später, in 1999, wird der Euro eingeführt. Ebenfalls im Jahr 1999 wurde die Lissabon-Konvention zur Anerkennung von Qualifikationen im Hochschulbereich in der europäischen Region verabschiedet. Im Jahr 2000 wurde Wladimir Putin russischer Präsident. In Hannover hat die Expo-Weltausstellung stattgefunden. 

 

Neu berufene Professorinnen und Professoren
Eckstein Werner Verkehrswirtschaft 1994-2001
Elsner Wolfram Wirtschaftspolitik mit Schwerpunkt Wirtschaftsstrukturpolitik 1995-2016
Frick Heinrich Bankwirtschaft 1996-2002
Haasis Hans-Dietrich Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Produktionswirtschaft und Industriebetriebslehre seit 1994
Haller Frank Wirtschaftspolitik 1993-2009
Heidenberger Kurt Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Unternehmensplanung 1991-1993
Knorr Andreas Außenwirtschaftstheorie- und politik 2000-2004
Kopfer Herbert Logistik mit dem Schwerpunkt mathematische Grundlagen, Modelle und Methoden unter Berücksichtigung wirtschaftswissenschaftlicher Anwendungen 1992-2018
Marx Franz Jürgen Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere betriebliche Steuerlehre und Wirtschaftsprüfung seit 1998
Oesterle Michael-Jörg Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere internationales Management 2000-2008
Poddig Thorsten Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Finanzwirtschaft seit 1996
Zimmermann Jochen Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Unternehmensrechnung und Controlling seit 1998
Sprecher des Fachbereichs
Sprecher des Fachbereichs
Leithäuser Gerhard SoSe 1988 – SoSe 1992
Schaefer Heinz WiSe 1992/93 – SoSe 1996
Lemper Alfons WiSe 1996/97 – WiSe 1997/98
Haasis Hans-Dietrich SoSe 1998 – SoSe 2001
Statement von Wolfram Elsner

Überfliegen, umkreisen, landen. Ein nicht ganz gewöhnlicher Weg zum Professor am Fachbereich Wirtschaftswissenschaft

Wolfram Elsner

Meine ersten Kontakte zum Fachbereich WiWi der Uni Bremen gehen auf das Jahr 1975 zurück. Erst 20 jähre später sollte ich Professor an eben diesem Fachbereich werden. Ich hatte 1974 mein Diplom an der Uni Köln erhalten und war mit einem frisch Habilitierten der Uni Köln an die neue Uni Bielefeld gegangen, seine erste Professur für Wirtschaftspolitik, meine erste WiMi-Stelle. 1975 luden die jungen Professoren Hickel und Huffschmid an die Uni Bremen zu einem Workshop, um „Alternativen der Wirtschaftspolitik“ zu diskutieren und dem Jahresgutachten des sogenannten Sachverständigenrats etwas entgegenzusetzen. Mein Bielefelder Chef schickte mich nach Bremen zum Mitdiskutieren. Die sogenannte Memorandumsbewegung wurde geboren, die bis heute aktiv ist und die den Kollegen Hickel bis heute aktiv und in prominenter öffentlicher Präsenz hält. Nicht alle Bremer Politiker und Professoren waren immer glücklich mit diesem besonderen, national profilierten „Produkt“ des Bremer Fachbereichs Wirtschaftswissenschaft. Ein oder zwei Jahre später fand der entsprechend Jahresworkshop der „Memorandumgruppe“ in Wremen „bei Bremen“ statt. Ich vertrat wieder die Bielefelder Wirtschaftspolitik, die inzwischen zwei Lehrstühle für Wirtschaftspolitik umfasste, und fuhr wieder in den „hohen Norden“. Die Bildungsstätte in Wremen lag alles andere als „bei Bremen“. Ich erinnere, dass ich eine einsame Autobahn 27 befuhr. Hinter der AS „Universität Bremen“ schaute ich nach links auf einen freien Acker, auf dem ein größeres Gebäude stand (es war das GW 2), daneben einige Kräne und Sandhaufen. Das also war die Uni Bremen, von draußen, vom „Vorbeiflieger“ betrachtet. Wir Bielefelder und ich blieben den Bremer Kollegen und ihren jährlichen Memoranden treu … Ich selbst habilitierte 1985 in Bielefeld über Institutionen-Ökonomik, das Feld, das sich in den folgenden Jahrzehnten international weit nach vorn schieben sollte und dem ich bis heute treu geblieben bin. Dafür wurde ich erst einmal Akademia insgesamt untreu. Ich hatte die Nase voll vom einsamen Schreiben einer 700-Seiten-Habilitationsschrift und wollte ins reale Leben. Und mal sehen, wie sich eine unbefristete Stelle anfühlt. Wir hatten am Lehrstuhl jahrelang, zum Teil mit Mitteln der Landesregierung NRW, über regionalen Strukturwandel und regionale Strukturpolitik geforscht und publiziert, ein Nebenprodukt meiner theoretischen Forschung, mein praxisorientierter Teil, das unerwartet zum Hauptprodukt wurde. Die altindustrielle Stadt Bielefeld suchte einen „Supermann für Wirtschaft“ (Lokalpresse), den Leiter der neukonzipierten integrierten Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung, direkt angesiedelt beim Oberstadtdirektor. Mit meinem Detailwissen über die Wirtschaftsstrukturen der Stadt und der Region „marschierte ich durch“, ließ in einem mehrstufigen Verfahren meine 80 Mitkonkurrenten hinter mir und fing Mitte 1986 als Leiter eines 20-Personen-Amtes an. Zwei Wochen, bevor mein Fachbereich mir eine weitere schöne befristete Stelle geben wollte, eine C2-Professur für fünf Jahre. Ich verzichtete und wurde vorerst wohl lieber „Leitender Verwaltungsdirektor“. Nach drei Jahren strukturorientierter Wirtschaftsförderung in Bielefeld und der Veröffentlichung ihrer Ideen und Projekte in wirtschaftsnahen Zeitschriften erhielt ich einen

Anruf aus Bremen. Gesucht wurde einer, der akademisch ausgewiesen war, um den altehrwürdigen „Bremer Ausschuss für Wirtschaftsforschung (BAW)“, das Institut der Bremer Landesregierung (damals noch ohne jeden Bezug zur Uni) zu leiten, und der praxiserfahren genug war, um in Personalunion die Planungsabteilung der Bremer Wirtschaftsbehörde zu leiten. Ein habilitierter praktizierender kommunaler Wirtschaftsförderer schien das perfekte Profil zu sein, und davon gab es sicherlich nicht allzu viele. Ich hatte schon eine Delegation Bielefelder Unternehmer nach Bremen geführt, um das neue logistische Mekka, das Bremer GVZ (Güterverkehrszentrum) zu besuchen. Wir hatten sowas in Bielefeld auch haben wollen. Ende 1989 fing ich also in Bremen an. Irgendwann in der Umbruchszeit von „altindustriellem“ Niedergang zu proaktivem Strukturwandel zu Anfang der 1990er entdeckte die Wirtschaftspolitik der Hansestadt dann endlich auch die Uni, und hier naturgemäß vor allem den Fachbereich Wirtschaftswissenschaft. Der Planungsabteilungsleiter mit akademischem Hintergrund war naturgemäß einer, der die beschlossenen Neuorientierungen des Senats und des Wirtschaftsressorts in Gesprächen mit Professoren umsetzen musste. Wiederkehrende Konzeptionssitzungen betrafen zunächst die Bremer Logistikforschung. Die war überregional und international schon etabliert. Hier konnten wir ressortseitig nur weiter ausbauen, helfen, Professoren fördern so gut es ging. Geredet und geplant zwecks Stärkung des „Logistik(forschungs)standortes Bremen“ wurde in den 1990ern vor allem mit den Professoren Stuchtey, Eckstein, Zachcial, später der jüngeren Generation, den Professoren Haasis, Kopfer, Lemper. Sodann wurden die Potentiale der allmählich entstandenen Bremer Betriebswirtschaftslehre und der Statistik/Ökonometrie in den Blick genommen. Ein größeres Thema der 1990er Jahre wurde dann der Aufbau einer Mittelstandsforschung. Hier wurden Planungen entwickelt für ein Mittelstandsforschungszentrum, etwa mit den Professoren C. Lange, Stöppler, Dworatschek oder Rehkugler. Manchmal mussten wir viel in die Waagschale werfen, um bekannte Professoren zu bekommen oder zu behalten. Und nicht immer gelang das. Bremen ist nicht München. Schließlich wurde auch eine statistisch-ökonometrische Struktur-Analyse und -Berichterstattung aufgebaut. Hier war der damalige Professor und langjährige Fachbereichssprecher Schaefer nicht nur die Säule der Kooperation von Seiten des Fachbereichs, sondern auch unmittelbarer „Auftragnehmer“ für Bremische Strukturanalysen, die wir unseren Bremischen Programmanträgen bei der EU-Regional- und Industrie-Förderung und der deutschen Regionalen Wirtschaftsförderung zugrunde legen konnten. Schaefer kooperierte hier mit anderen statistisch-ökonometrisch arbeitenden Makroökonomen wie den Professoren Leithäuser oder von der Vring. Nach 10 Jahren außerhalb Akademia und einigen Publikationen, so gut es aus der Praxis heraus nebenbei noch ging, in internationalen akademischen Journals und in angewandten Zeitschriften, musste die Richtungsentscheidung endgültig fallen. Und meine Entscheidung war schon seit langem wieder pro Akademia gefallen. Die Lehrverpflichtung als „Privatdozent“, die ich an der Uni Bremen ableisten durfte, jeweils am Freitagnachmittag und vor immer etwa 20 Studierenden, über regionale und industrielle Strukturforschung und -politik, hatte mir wieder Lust gemacht auf Akademia, zunehmend klar empfunden als meine eigentliche innere Heimat. Ich war international einigermaßen vernetzt, hatte in den USA an drei Unis immer wieder mal kurzzeitig gelehrt. Meine Bewerbungen gingen also raus, weltweit, vom Europäischen Hochschulinstitut in Florenz bis zu meinen guten Kollegen in Kansas City, MO, oder Portland, OR.

Und wieder sollte es Bremen werden. Es ergab sich die Chance einer Stiftungsprofessur. Für regionale Strukturforschung. Professor Huffschmid war mit der Ausarbeitung des Stellenprofils beauftragt. Er rief mich in der Behörde an und wir diskutierten, wie eine solche Professur zukunftsträchtig zuzuschneiden war. Am Ende fühlte ich, dass die dann ausgeschriebene Professur mir „auf den Leib geschrieben“ war. Die Kollegen Hickel, Schaefer, Huffschmid und andere sahen das wohl auch so. Ein Kreis schloss sich, irgendwie, nach 20 Jahren. Ich war in Bremen gelandet. Im Mai 1995 erhielt ich den Ruf. Ich füllte das Profil aus, vor allem in der anwendungsorientierten Lehre. In der Forschung aber war ich an „Aufholen des in der Zwischenzeit theoretisch Versäumten“ interessiert, nicht an statistischer und politischer Praxis. Ich habe den einen oder anderen vielleicht enttäuscht, indem ich mich in die internationale Vernetzung und Lehre im Ausland stürzte, auf Institutionentheorie, mit anfänglicher Anwendung noch auf Bremen, dann schnell generell auf Cluster und Netzwerke. Am Ende, bei meiner Pensionierung, existierte dann eine große Arbeitsgruppe der sogenannten Komplexitätsökonomik. Aus dieser Gruppe sind recht schnell sechs neue Professoren hervorgegangen, in Deutschland, England, USA und China. Ich hoffe, ich habe den damaligen Vertrauensvorschuss der Kollegen Schaefer, Hickel, Huffschmid und anderer nicht enttäuscht und einen bescheidenen Beitrag geliefert zur Profilierung eines modernen Fachbereichs Wirtschaftswissenschaft der Universität Bremen.

Statement von Thorsten Poddig

Statement von Thorsten Poddig zur Phase „Zeit des Ausbaus“ 1991-2000

Im Juni 1996 übernahm ich den Lehrstuhl für ABWL, insbes. Finanzwirtschaft, sozusagen in direkter Nachfolge von meinem akademischen Lehrer, Prof. Dr. Heinz Rehkugler. Er gehörte mit zu den ersten Professoren für Betriebswirtschaftslehre am Fachbereich (hier von 1977 bis 1987 tätig), wo ich ihn 1985 kennenlernte. Insofern habe ich nicht nur Teile meines eigenen Studiums in Bremen verbracht (von 1985 bis 1987, an den Fachbereichen 3 und 7), sondern auch aus seinen Erzählungen so einiges über die frühen Jahre der Universität und des Fachbereichs erfahren. Laut seinen Erzählungen gab es auch schon frühe Anläufe der damaligen (BWL-) Kollegen (z.B. Dworatschek, Hoitsch, Hüttner, Silberer, Steiner, Stöppler), einen Aufbau der Betriebswirtschaftslehre am Fachbereich zu initiieren. Leider gingen gegen Ende der 1980er Jahre viele dieser Kollegen an andere Universitäten, so auch Herr Rehkugler 1988 nach Bamberg (und ich mit ihm), und tatsächlich blieb dann sein ehemaliger Lehrstuhl für gut 8 Jahre unbesetzt. Nach 8 Jahren an den Universitäten Bamberg und Freiburg hatte ich dann die einzigartige Gelegenheit, mit an diesen damals begonnenen, aber nicht weiter geführten Initiativen mitzuwirken.

Viele meiner damals jüngeren, neu berufenen Kollegen kamen ebenfalls von süddeutschen Universitäten, brachte ähnliche Erfahrungen mit und zugleich kannte ich von Herrn Rehkugler wesentliche Ideen der früheren Kollegen des Fachbereichs für einen Aufbau der Betriebswirtschaftslehre am Fachbereich. Dieser Aufbau gestaltete sich nicht einfach, zumal der Aufbau einer Betriebswirtschaftslehre in gewisser Weise im Gegensatz zu einer zentralen Gründungsidee der Einheitlichkeit der Wirtschaftswissenschaft (man beachte den Singular)  am Fachbereich stand (eine Idee, die für mich nach wie vor charmant ist). Ebenso bedeutete dieser Aufbau (eventuell von einigen Kollegen auch kritisch als Restauration angesehen) einen teilweisen Bruch mit dem sehr offenen Projektstudium alter Prägung. In meiner Erinnerung war die Zeit des Aufbruchs von erheblichen Divergenzen und Ringen um den „richtigen“ Weg geprägt. In der Rückschau betrachtet ist es m.E. doch recht gut gelungen, die alten Gründungsideen in eine neue Konfiguration zu überführen.

1993 Belegschaft FB07

©Unversität Bremen

1994 Brand im FB07

©Rehling

1995 Verabschiedung Professor Hüttner

©Kulke

1997 Jahreswirtschaftstagung

©Kulke

1998 Absolventenfeier

©Rehling

1998 Absolventenfeier

©Rehling

1998 Absolventenfeier

©Rehling

1998 Tag der Wirtschaft

©Rehling

1998 Tag der Wirtschaft

©Rehling

1998 Tag der Wirtschaft

©Rehling

1998 Promotionen

©Universität Bremen

1999 Preisverleihung Mittelstandsforschung

©Rehling

2000 Preisverleihung Mittelstandsforschung

©Rehling

2000 Preisverleihung Mittelstandsforschung

©Rehling