Fremdworte im NW Unterricht als Grundvoraussetzung ?!
29. Juni 2012
Diskutieren Sie, wieso die Berücksichtigung der sprachlichen Heterogenität der Klassen im NW-Unterricht wichtig ist. Berücksichtigt dabei die Unterschiede zwischen der deutschen Sprache und der Fachsprache. Ist Fachsprache gleich Sprache?
Im NW Unterricht werden eine Vielzahl von Fachbegriffen verwendet. Wer sich in diesem Urwald von Begriffen nicht auskennt geht da selbstverständlich schnell verloren. Als Lehrer ist es aber unsere Intention Wissen zu vermitteln. Daher ist es wichtig sich damit auseinander zu setzen, wie wir es konkret ermöglichen können die Kompetenzentwicklung im NW Unterricht von der sprachlichen Kompetenz zu entkoppeln. Dies muss nicht einmal nur auf die Fachsprache bezogen sein, auch wenn generelle sprachliche Probleme vorhanden sind, so wird das Verständnis durch die hohen Anforderungen an Vokabular selbstverständlich enorm eingeschränkt. Eines ist klar: Deutsch lernt man nicht im Physikunterricht, das ergibt sich schon alleine aus der häufigen Verwendung von Fachsprache die ansonsten keinen Bezug zum Alltag hat. Somit ist es also nicht unsere Aufgabe als NW Lehrer dem Deutschlehrer seinen Job streitig zu machen, sondern unsere Aufgaben so zu stellen, dass jemand mit sprachlichen Problemen diese bestenfalls lösen und aufjedenfall verstehen kann.
Aus der reinen sprachlichen Perspjektive ist Fachsprache keine Sprache an sich, sondern ein Dialekt. Dies ergibt sich daraus, dass es nur eine (sozialen)Gruppe von Menschen innerhalb eines Sprachraumes gibt die in dieser Sprache (bsp. Deutsch) diesen (soziolekt)Dialekt spricht. Es gibt keine Sprache außer die Formelsprache in der Wissenschaft, die ohne Sprachlichen Bezug immer noch Verstanden wird.
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1. Jan Lukas Gundermann | Juli 1st, 2012 at 20:20
Lieber Altintop,
in deinem Beitrag stellst du zu Beginn heraus, wie sehr die Sprache des NW-Unterrichtes von Fachbegriffen geprägt ist, und deshalb eine Reflexion dieses Umstandes und eine Anpassung des Unterrichts erfolgen muss. Dazu verwendest du den Begriff des “Entkoppelns” von Fachkompetenzen zu Sprachkompetenzen. Dieser Schritt scheint zunächst sinnvoll, da durch diese Entkopplung auch für SuS mit sprachlichen Schwierigkeiten eine Möglichkeit zum gleichwertigen Kompetenzerwerb gegeben ist. Zwei Anmerkungen möchte ich hierzu machen. Zum Einen möchte ich dich fragen, ob du diese Trennung wirklich für möglich hältst?! Ist die Verwendung von Fachsprache nicht auch Voraussetzung für Inhaltliche Kompetenz? Wie soll mit Schulbüchern umgegangen werden und wie sollen Fachtexte verstanden werden? Und spiegelt nicht auch eine (Fach-) Sprache die logischen und systematischen Strukturen ihres bezeichneten Gegenstandes wieder? Ich stelle die These auf, dass eine Trennung von Fachkompetenz zu Sprachkompetenz nicht möglich ist.
Selbst wenn du oben gestellte Fragen für dich anders beantwortest und meiner These wiedersprichst bleibt doch ein Umstand zu berücksichtigen:
Seit 2004 gelten die Bildungsstandarts der Kultusministerkonferenz als verbindliche Grundlage für die Bildungspläne der Länder. Für den NW-Unterricht wird darin in vier Kompetenzbereiche unterteilt, zu deren Herausbildung bei den SuS wir Lehrer beauftragt sind. Einer dieser Kompetenzbereiche ist “Kommunikationskompetenzen” in welchem explizit das Beherrschen und Anwenden der Fachsprache aufgeführt wird.
In der Folge stellt sich garnicht die Frage, ob wir NW-Lehrer uns mit den Sprachkompetenzen der SuS auseinandersetzen müssen. Es wird sogar eindeutig vorausgesetzt.
“Deutsch lernt man nicht im Physikunterricht!” Diese These halte ich vor genanntem Hintergrund nicht mehr für haltbar. Dass wir damit den Deutschlehrern ihren Job streitg machten ist in meinen Augen auch nicht der Fall. Vielmehr wird insbesondere in sprachlich heterogenen Schülerschaften ein NW-Unterricht benötigt, der um diese Wichtigkeit und Herausforderung der Sprache und Fachsprache weiß, und sie berücksichtigt.
Ich denke, dass dieser Umstand eine große Komplexität für den Unterricht bedeutet und eine der großen Herausforderungen für uns ist, die an uns gestellt werden.
2. Altintop | Juli 1st, 2012 at 21:58
Wie in der Vorlesung aufgezeigt wurde, gibt es durchaus eine große Menge an Dingen die für mein “Entkoppeln” genutzt werden können. Ich denke aber unser generelles MIssverständnis besteht darin, dass ich nicht deutlich genug gemacht habe, dass es definitv wichtig ist es zu lernen. Das sehe ich definitiv so.
Was aber, wie ich finde, nicht sein kann ist, dass gute Vorkenntnisse in Deutsch vorhanden sein müssen.Prinzipiell lässt sich das auch auf die Fachsprache übertragen. Warum sollte jemand der die Reagenzglas schreibt einen Punkt weniger bekommen ? Oder warum sollte jemand der weiß wie es geht und wie es heißt, der aber keinen verständlichen Satz formuliert bekommt durchfallen ? Das ergibt sich in meinen Augen nicht. In Klausuren ist in Meinen Augen das Heranführen von Lösungsstrategien definitiv kritisch zu betrachten, jedoch spricht nichts dagegen Satzanfänge oder Tipps bei Übungsaufgaben zu geben. Dies fördert die Autonomie des Schülers und könnte (so Gott will) tatsächlich dazu führen, dass jemand etwas aus eigenem Anreiz tut. Wenn jemand nicht weiß wie er anfangen soll, dann produziert das dahingegen nur Frust. Ich bleibe dabei: Grammatik werde ich im Physikunterricht garantiert niemals unterrichten.