Durch einen kurzen Atelierschnack in der Uni bin ich auf ein interessantes Bachelorprojekt aufmerksam geworden. Denn es müssen offensichtlich nicht immer schnöde 30-60 Seiten schwarzen TimesNewRomans auf weißem Papier zwischen zwei grauen Pappdeckeln sein, welche man nach drei harten Jahren in irgendeines der abertausend grauen Postfächern an der Uni schmeißt.
Wie spannend und abwechslungsreich die Arbeit am ersten akademischen Abschluss sein kann, macht das Galerieprojekt der Studentin Frauke Szesny deutlich.
Im aufstrebenden Stadtteil Walle bezog Frauke nach einem Erbe die familiären Räumlichkeiten in der Osterfeuerbergstraße 37. Die oberen Bereiche werden dabei privat genutzt, in der unteren Ebene findet seit Juli 2012 eine durch Spenden finanzierte Galerie Heimat.
In der Galerie Fleischwolf, die ihren Namen der Fleischereitradition des Hauses verdankt, hat ein jeder die Möglichkeit seine Kunst auszustellen. Dabei ist es ganz gleich, ob man sich nun als Künstler, Hobbyküntler, Student oder ähnlichem künstlerisch betätigt. Die Galerie soll als Schnittstelle zwischen dem ausgebildeten und nicht akkreditierten Künstler, sowie dem Betrachter fungieren.
Ein jeder, der das Bewerbungsformular ausfüllt, seine Werke in präsentierbarem Zustand präpariert und einen Werktext mit Minimalangaben anschließt, erhält die Möglichkeit seine Kunst öffentlich zu machen.
Hinzu kommt als mögliche Rückmeldung für den Künstler ein Bewertungssystem, welches Frauke auch im unten zu findenden Interview näher erläutert.
EULe: Hallo Frauke! Vielleicht magst du ganz kurz was über dich erzählen!
Frauke: Ja gern. Ich bin Frauke Szesny, ich bin jetzt 24 Jahre alt geworden und studiere Kunstpädagogik und Deutsch auf Lehramt.Und das Ganze hier ist mein Bachelorprojekt, eine Art konzeptueller Kunstpraxisarbeit.
EULe: Okay! Also, auf der Homepage zur Galerie (http://www.galerie-fleischwolf.de/) steht ja schon eine ganze Menge Hintergrundinformation. Was mich aber interessieren würde, wie genau bist du auf die Idee gekommen, das hier so aufzuziehen? Gabe s eine Art Initialzündung?
Frauke: Also das Thema ‘Kunst präsentieren’, also ausstellen, fand ich schon immer interessant, weil es ja so viele verschiedene Möglichkeiten von AUsstellung gibt prinzipiell. Gerade was die Pädagogik angeht, also die Kunstvermittlung. Vielleicht wurde ich ein bisschen animiert durch das Siebdruck-Seminar bei Wolfgang Hainke. Er hatte in seinem Seminar damals davon erzählt, dass er mit einem polnischen Künstler in Polen ein Projekt in einem alten, einen MOnat leer stehenden Jeansstore machte. Dort haben sie drei große Kopierer, aufgestellt und haben gesagt, so innerhalb der nächsten 48 Stunden dürfen alle Leute die wollen soviel kopieren wie sie wollen. Die einzige Bedingung war, alles was kopiert wurde musste zweimal kopiert werden, so dass ein Exemplar jeder Kopie dort verbleiben kann. Es wurde also gleichzeitig für später dokumentiert, was die Leute dort kopierten. Das war auch deswegen interessant, da zu der Zeit zum Beispiel politische Dokumente nicht kopiert werden durften. Und bezahlbar war es für die Menschen damals dort auch kaum. Naja, und bei der Geschichte habe ich mir gedacht, das hat ja auch ein bisschen was damit zu tun, einen Raum zu geben für Leute die einfach mal was machen wollen. Vielleicht war das ein bisschen auch eine Art Auslöser… Aber im Grunde war die Idee zur Galerie vorher schon da.
Ich wurde auch schon oft gefragt, wie ich auf dieses Bewertungssystem gekommen bin. Das weiß ich aber ehrlich gesagt gar nicht so genau.
EULe: Kannst du das Bewertungssystem denn nochmal kurz erklären?
Frauke: Es ist so, dass jeder Besucher gegen eine kleine Spende, ganz gleich wie hoch – denn ich darf ja keinen Eintritt nehmen, da ich sonst Gewerbe anmelden müsste – einen kleinen Bewertungscoupon erhalten kann. Dann hängt neben jeder ausgestellten Arbeit eine kleine Dose mit dem Titel des Werkes und Künstlers, sowie einer Nummerierung. So, und das Werk was mir als Besucher nun am Besten gefallen hat, das belohne ich sozusagen mit meinem Coupon. Nach einem Monat Austellungszeitraum öffne ich dann alle Dosen und die drei beliebtesten Bilder bleiben halt noch einen Folgemonat in der Ausstellung. Alle anderen Bilder werden aus der Ausstellung herausgenommen und durch neue dann ersetzt. Dann sind alle Dosen wieder leer und es geht von vorne los.
Außerdem haben wir auch noch kleine zusammengestellte Hefte in denen die Werktexte gesammelt werden. Da kann der Künstler selbst erzählen, verraten soviel wie er will. Und anhand der Werknummerierungen kann ich als Besucher hier auch nochmal nachsehen, kann etwas zum Material erfahren und vielleicht noch mehr. Das ist dann tatsächlich ganz unterschiedlicher Art. Nächsten Monat meine ich, ist zum Beispiel auch ein Gedicht als Werktext eingereicht worden.
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Das finde ich mal cool! :) Schöne Idee und sowieso, super, dass man sowas als BA-Arbeit machen kann. Läd auf jeden Fall dazu ein, sich vielleicht selbst was “anderes” statt der langweiligen Texte für seine Abschlussarbeit zu überlegen – wobei das je nach Studiengang auch kompliziert werden könnte. Habe jedenfalls noch nie gehört, das irgendwas “unkonventionelles” bei uns gemacht wurde.
Ja, es ist natürlich schön, dass in der Kunst so etwas möglich ist. Ist ja auch für die potentiellen Prüfer mal etwas Abwechslung. Und Kreativität und Einfallsreichtum schließt meiner Meinung nach nicht zwingend Wissenschaftlichkeit aus – was dafür sprechen sollte, dass auch in anderen ‘Disziplinen’ so etwas möglich sein sollte:)
So etwas hätte ich gerne auch gemacht… Ich musste allerdings meine 60 Seiten schreiben… und seither hat die nie mehr jemand gelesen. Nicht einmal ich!