
Wie viel Zeit ich schon an diesem Schreibtisch verbracht habe?!
Um eins kommen wir im Studium nicht herum. Die Rede ist vom wissenschaftlichen Arbeiten. Spätestens bei der Abschlussarbeit muss recherchiert, zitiert und argumentiert werden. Mir persönlich fällt das bis heute nicht leicht. Daher dachten wir uns von der EULe, dass ein wenig Anregung nicht schaden kann. Aber anstatt die akademischen Schwergewichte aufzufahren, wollen wir ihr eure Arbeiten darstellen, denn wir finden es doof, dass diese in diversen Schubladen verschwinden und in Vergessenheit geraten. Rettet sie und stellt sie hier vor und weil aller Anfang schwer ist, geh ich als EULe-Redakteur mit guten Beispiel voran und stell euch meine BA Arbeit vor.
Kannst du ganz kurz beschreiben um was es in deiner BA Arbeit geht?
Ganz kurz? Hui – schwierig … Es geht um Diversity Management. Diversity wird im Deutschen mit Vielfalt übersetzt und soll menschliche Vielfalt beschreiben. Häufig geht es dann um die Kategorien (1) Alter (2) Geschlecht (3) sexuelle Orientierung (4) Behinderung (5) ethnische Herkunft (6) Religion
Diese Vielfalt soll also gemanagte werden und da fängt der Spaß an, denn das WIE ist dabei total unklar. Beziehungsweise wird es sogar noch schlimmer. Weil viele nicht wissen was sie machen können, buddeln sie übelste Stereotypen aus, um zu argumentieren. Dann ist wieder die Rede von DER Frau, DEM Mann, DER MigrantIn…
In der BA Arbeit habe ich versucht diese Stereotypen ein wenig zu entlarven und bin der Frage nachgegangen, was dann noch bleibt, wenn es “keine” biologischen Unterschiede zwischen Mann und Frau gibt.
Den Rest müsst ihr dann schon lesen. Über Feedback in den Kommentaren würde ich mich sehr freuen.
Wie bist du auf das Thema gekommen?
Ich habe Kultur- und Wirtschaftswissenschaften studiert. Innerhalb meines KuWi-Studiums musste ich eine Methoden-Übung machen und da war das Thema Diversity Mangement. Ich dachte mir, dass das zu meiner Kombi super passt und bin dann über die Semester immer wieder zu Veranstaltungen zu dem Thema gegangen.
Wow, das klingt gerade richtig stringent. Im Endeffekt war es aber mehr Zufall. Obwohl ich nach Bremen kam um “Was mit Medien zu machen”, blieb ich dann auf der Ethnologie hängen und da besonders auf der Gender-Schiene. Das hat mir zwischendruch immer viel Nerven gekostet und meine Identität als Mann konnte ich des öfteren mal in der Pfeife rauchen. Aber diese Kurse haben mir krass gezeigt wie Wissenschaft funktioniert und wie selbstkritisch sie sein kann. Das machte mir dann mehr Spaß als die Erkenntnis “junge Menschen nutzen Mobil-Telefone und StudiVZ” und daher kam ich mehr und mehr zu Diversity Management, weil man sich dazu richtig schön aufregen kann.
Wie ging es dir während des Schreibens?
Schlecht! Aber auch gut! Aber sehr oft schlecht! Ich fand es total scheiße, dass mit der BA Arbeit jede(r) für sich anfing zu arbeiten. Mir hat oft der Austausch mit Anderen gefehlt. Das hätte mir im Nachhinein sehr viel gebracht, denn dann hätte ich früher gesehen, dass ich es übertreibe und daher es mir nicht gelang eine BA Arbeit zu schreiben.
Ich muss dazu sagen, dass bei KuWi eine BA Arbeit nicht länger als 30-Seiten sein soll. Und ich Honk war die ganze Zeit davon überzeugt, dass ich eine “Abschluss”-Arbeit schreibe und daher alles zum “Abschluss” bringen will. Das führte dazu, dass ich von meinen GutachterInnen immer wieder nach Hause geschickt wurde mit der Aufgabe das Thema einzugrenzen. Ich hasste den Spruch “Gut! … Aber zu viel für eine BA Arbeit. Merk es dir für die Dissertation.”
Noch eine Woche vor Abgabe der Arbeit, selbst obwohl ich schon 21 Seiten hatte, war ich fest davon überzeugt mich exmatrikulieren zu müssen, weil ich so keine Lust mehr hatte.
Was würdest du jemanden raten, der/die jetzt gerade an einer Arbeit sitzt?
In letzter Zeit muss ich sehr häufig an meinen alten Physik-Lehrer denken. Er sagte immer “Schüler sind wie Storm, sie suchen sich den geringsten Widerstand.” Ich würde dazu raten ein bisschen wie Strom zu sein. Das soll nicht heißen, dass ich jeder/m raten würde sich so wenig Mühe wie möglich zu geben. Aber dennoch ist es extrem wichtig zu erkennen was in einer Hausarbeit oder BA-Arbeit überhaupt möglich ist. Es geht nicht darum das Forschungsfeld umzukrempeln oder zu inspirieren, sondern darum zu zeigen, dass wir wissenschaftlich arbeiten können. Und mehr Stress würde ich mir nicht mehr machen wollen. Ich weiß, dass das frustet – aber das ist ein Problem am System.
Boah das klingt blöd. Ich meine: Sucht euch eine spannende Frage, sucht euch Texte die ihr gut nachvollziehen können und vielleicht eine klare Position haben und vergesst nicht eure Argumentation! Dann macht es mir meistens doch sehr viel Spaß.
Lust bekommen die Arbeit zu lesen, dann ladet sie euch hier herunter: Klick! Wie gefällt sie euch? Was liegt euch auf der Seele? Nutzt die Kommentare?
Ihr habt auch eine Haus- oder Abschlussarbeit, die ihr hier vorstellen wollt? Super dann meldet euch bei eule(at)uni-bremen.de


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